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Aus BBZ in Duderstadt wird Ottobock Campus

11 Millionen Euro für Ausbildungszentrum Aus BBZ in Duderstadt wird Ottobock Campus

Nach mehr als 30 Jahren verkauft die Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen Areal und Gebäude des Berufsbildungszentrums  (BBZ) Duderstadt für 1,15 Millionen Euro an den Konzern Ottobock. Der Weltmarktführer für Orthopädietechnik mit Hans Georg Näder an der Spitze wird dort mindestens elf Millionen Euro investieren und einen Campus einrichten.

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Gegenwart: Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer am Schulzentrum Auf der Klappe. Zukunft: Innerhalb von drei Jahren entsteht der Ottobock Campus (rechts unten).

Quelle: VL/IS/Ottobock

Duderstadt. Auf rund 20 000 Quadratmetern soll innerhalb von nicht einmal drei Jahren ein hochmodernes und internationales Ausbildungszentrum samt Patientenversorgung mit dem Projektnamen Ottobock Campus geschaffen werden.

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz von Ottobock und Handwerkskammer , bei der Näder selbst nicht anwesend war, wurde der Verkauf des einstigen Duderstädter Prestigeobjektes bekanntgegeben. Dem muss die Vollversammlung der Handwerkskammer in ihrer Sitzung am 14. März noch ihren abschließenden Segen geben.

In diesem Zusammenhang betonte Delfino Roman, Vizepräsident der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, dass es sich bei dem Verkauf nicht um die Aufgabe des Bildungsstandortes für das südniedersächsische Handwerk handele , sondern „lediglich um die Veräußerung einer Immobilie“. Die bislang im BBZ angesiedelte überbetriebliche Ausbildung werde dezentral in der Region erfolgen: „Wir möchten mit unseren gut ausgelasteten Angeboten für Maurer und Zimmerer gern im Landkreis bleiben“. Doch man müsse auch anerkennen, dass ein Bildungszentrum für Bauberufe angesichts der demografischen Entwicklung perspektivisch zu groß sei.

Während in Duderstadt gemeinsam mit Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) noch nach einem geeigneten Standort gesucht werde, könnten in Göttingen eigene Gebäude und Räumlichkeiten genutzt werden. Auch die bislang in Duderstadt eingesetzten Mitarbeiter würden an den neuen Handwerkskammer-Standorten weiterbeschäftigt. Zeitnot, so Roman weiter, bestehe nicht, da mit Ottobock großzügige Zeitfenster bis zur vollständigen Räumung vereinbart seien.

Den Verkauf des Zentrums , der sich innerhalb weniger Monate aus einer einfachen Anfrage Ottobocks nach Anmietung zweier Werkshallen entwickelt hatte, bezeichnete nicht nur Roman als „historischen Moment“ und begründete das mit stetig sinkenden Schülerzahlen. „Mit der Wiedervereinigung und den  negativen Auswirkungen des demografischen Wandels haben sich die Rahmenbedingungen drastisch verschlechtert. Auch die Novellierung der Handwerksordnung speziell für Berufe im Bauhandwerk wirkt sich negativ auf die Auslastung aus“, verwies der Vizepräsident unter anderem auf die Aufhebung der Meisterpflicht im Fliesenleger-Handwerk. Derzeit bestehe die Klasse für die Fliesenleger aus gerade einmal vier Lehrlingen. Und von vier bestehenden Werkshallen seien gerade einmal zwei noch komplett ausgelastet, so Roman.

Mit dem geplanten Bau des Ottobock Campus soll sich das innerhalb kurzer Zeit ändern. Hinter dem Projektnamen, so erläuterte Ottobock-Manager Michael Hasenpusch, verberge sich ein mehrstufiger Aus- und Umbauplan sowie eine umfassende Modernisierung des gesamten Gebäudekomplexes. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Duderstädter Schulzentrum und dem Jugendgästehaus entstehe ein Zentrum für internationale Ausbildung im Bereich der Prothetik und Orthetik, die O&P School, die im Erscheinungsbild an das Science Center in Berlin erinnere und ein weißes Äußeres erhalten werde. Dort wird laut Hasenpusch zukünftig zur weltweiten Versorgung der Patienten qualifiziertes Personal ausgebildet, das bislang nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehe. Der Abschluss an der O&P School sei vergleichbar mit dem deutschen Gesellenbrief, im Gegensatz dazu aber international anerkannt.

Das Ausbildungsprogramm des neuen Zentrums ist auf 18 Monate angelegt. Die künftigen Studenten beginnen bereits an ihrem Heimatstandort in den ersten sechs Monaten eine durch so genanntes E-Learning (elektronisches Lernen) gestützte Ausbildung und werden so auf ihren zwölfmonatigen Studien-Aufenthalt in Duderstadt vorbereitet.

Mit durchschnittlich zwölf Teilnehmern pro Jahrgang wäre die O&P School gut ausgelastet, so Hasenpusch weiter: „Acht Studenten wären das Minimum, 15 das Maximum“. Die O&P School ist bereits in diesem Jahr gestartet. Die ersten sieben Studenten aus Brasilien, Kolumbien, Mexiko, Rumänien und Ungarn befinden sich in der E-Learning-Phase und werden im August dieses Jahres in Duderstadt zur weiteren Ausbildung erwartet.

Neben dem Zentrum für die Ausbildung zukünftiger Orthopädietechniker aus aller Welt plant der Konzern Auf der Klappe auch den Ausbau der Patientenversorgung , um zukünftig größere Kapazitäten für die Behandlung von Patienten aus dem Ausland vorhalten zu können.
Darüber hinaus wird es einen neuen Event-Bereich für Veranstaltungen bis 50 Personen geben sowie einen Fortbildungsbereich für Kurzzeit-Qualifikationskurse. Im Rahmen der Finanzierung wird der Konzern Förderanträge beim Land Niedersachsen stellen, rechnet nach Angaben Hasenpuschs aber im Höchstfall mit einer Bezuschussung in Höhe von fünf Prozent der Investitionssumme.

Als „großartigen Tag und fantastische Stadtentwicklung“ mit positiven wirtschaftlichen und touristisch-wirtschaftlichen Auswirkungen bezeichnete Bürgermeister Nolte die  Nachricht vom neuen Ottobock Campus. „Das ist ein Leuchtturmprojekt, ein weiteres Bekenntnis Hans Georg Näders zur Region und zum Standort Duderstadt.“

BBZ-Geschichte: 15 000 Handwerker ausgebildet
Ende der 70er-Jahre hatte sich die Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen nach kontroversen Beratungen für den Bau eines weiteren Berufsbildungszentrums und den Standort Duderstadt entschieden. Im Vertrauen auf stabile Rahmenbedingungen begann 1981 die überbetriebliche Ausbildung für Maurer in zwei Hallen. Seit der offiziellen Fertigstellung im September 1984 laufen seitdem Lehrgänge des Bauhandwerks sowie der Metall- und Schweißtechnik in fünf Werkstätten. Die Teilnehmer konnten im angegliederten Internatsgebäude übernachten. 1996 wurde für das Zimmererhandwerk noch einmal modernisiert und eine weitere Werkstatt eingerichtet. Mehr als 15 000 Handwerker sind seit der Eröffnung des Berufsbildungszentrums Auf der Klappe erfolgreich ausgebildet worden. Umgesetzt wurden dort auch ein Förderprogramm für Achtklässler sowie ein Projekt zur Berufsorientierung.
 

Pressekonferenz: W. Nolte, D. Roman und M. Hasenpusch (von links). IS

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Näders Vision

Elf Millionen Euro investiert die Firmengruppe Ottobock im Bereich Auf der Klappe in Duderstadt. Die Gebäude des bisherigen Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer (BBZ) werden zum Ottobock-Campus, einem internationalen Ausbildungszentrum im Bereich Prothetik und Orthetik, umgebaut. Und es gibt weitere Pläne.

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