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Beim Duderstädter Gerrit Wüstefeld wohnen 13 Schlangen

Terrarien im Haus verteilt Beim Duderstädter Gerrit Wüstefeld wohnen 13 Schlangen

Frost ist gelb. Aber Gerrit Wüstefeld, Neuntklässler am Eichsfeld-Gymnasium, sieht sich die Schuppung der etwa 50 Zentimeter langen Schlange genau an. „Eine leichte Grünfärbung ist schon zu erkennen“, freut er sich. Frost ist Spätentwickler. Nur die Jungtiere der grünen Baumpython sind bananengelb, ausgewachsen sind sie grün. Und Frost wäre jetzt mit fast einem Jahr fällig für die Umfärbung.

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Urzeitechse: Bartagame Tippi verspeist ein Heimchen.

Quelle: Lüder

Duderstadt. Seine Begeisterung für Reptilien entdeckte Gerrit schon als Kind, aber aus der Dino-Phase wuchs bald Faszination für lebende Echsen. Bei Gerrit gab es vor sechs Jahren das erste Terrarium im Wohnzimmer seiner Eltern, bewohnt von Tippi und Lizzy, zwei Bartagamen. Die Echsen sehen tatsächlich aus wie Mini-Statisten für Jurassic-Park, haben aber ein freundliches Gemüt und lassen sich von Gerrit gern auf dem Unterarm herumtragen. „Bartagamen sind eigentlich die idealen Reptilien für Anfänger: leicht zu halten und zu füttern“, erklärt der Schüler.

Kennt sich aus: Gerrit Wüstefeld mit seiner Kornnatter. Lüder

Quelle:

Mit den Bartagamen freundete sich auch Gerrits Mutter Nicole schnell an, „aber Schlangen im Haus konnte ich mir gar nicht vorstellen“, sagt die Duderstädterin. Zwei Jahre habe es gedauert, bis sie sich umstimmen ließ. „Wir waren auf einer Reptilienbörse, wo ich das erste Mal eine Schlange auf der Hand hatte. Seitdem hat es mich auch völlig gepackt“, gesteht sie lachend und bringt einen Arm voller Kornnattern ins Wohnzimmer, die elegant die Hälse recken und lautlos züngeln. Die kleinen lassen auf ihrer zarten, cremefarbenen Haut die intensive Färbung nur erahnen, die sie als ausgewachsene Tiere haben werden. Die größte Kornnatter hat bereits die typischen orangen Flecken mit schwarzer Umrandung, die Schuppen glänzen wie lackiert, sind aber seidig und trocken wie Gucci-Taschen – nur eben lebendig.

Inzwischen wohnen bei den Wüstefelds 13 Schlangen, zum Teil aus eigener Zucht, und jeweils zwei Echsen und Köhlerschildkröten in Terrarien im ganzen Haus verteilt. Was der Besuch sagt? „Manche finden es schrecklich, aber viele sind total interessiert“, sagt Nicole Wüstefeld.

Und wer füttert im Urlaub? Die Oma, sagt Gerrit, aber die müsse keine Mäuse an die größeren Schlangen verfüttern. Eine Maus reiche ziemlich lange, und bis die Schlange wieder Hunger verspüre, sei man schon zu Hause. „Aber wir fahren auch nie länger als eine Woche weg“, ergänzt seine Mutter.

Beim Duderstädter Gerrit Wüstefeld leben 13 Schlangen. Verteilt hat er sie in Terrarien im Haus seiner Eltern.

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Gerrit betreibt sein Hobby mit wissenschaftlicher Akribie. „Mich faszinieren diese Tiere, aber ich finde auch Aufklärung wichtig“, sagt er und verweist auf viele Vorurteile, unter denen Schlangen in allen Ländern der Erde zu leiden hätten. Daher gehört er mittlerweile zu den meistbesuchten Ausstellern auf Schulveranstaltungen. Ob Tag der offenen Tür am EGD oder die Umweltschule auf Gut Herbigshagen – Gerrits Schlangen ziehen die Schüler an wie das Licht die Motten. Ob das Klischee stimmt? Kreischende Mädchen und coole Jungs, wenn es darum geht, eine Schlange zu halten? „Eigentlich nicht“, stellt die Familie übereinstimmend fest. Manche Menschen ließen sich von Schlangen begeistern, andere nicht, egal ob Mädchen oder Junge.

Keine giftigen Tiere

Giftig ist keines der Tiere bei den Wüstefelds. Das wäre unvernünftig und unverantwortlich, sind sich alle einig, denn niemand könne ganz sicher sein, dass kein Reptil ausbüxt und in Nachbars Garten Unruhe stiftet. Allerdings plant Gerrit, sich mehr mit Schlangengiften zu beschäftigen, nicht im Wohnzimmer, sondern an der Universität. Latein lernt er bereits an der Schule, und er kennt natürlich die lateinischen Bezeichnungen der Schlangen. Biologie ist sein Profilfach und auch sein Studienwunsch, und im Hauptsemester, so der Plan, steht Herpetologie (Amphibien- und Reptilienkunde) auf dem Programm. Doch auch für die Zukunft soll nicht nur eigenes Interesse im Mittelpunkt stehen, sondern ebenso Aufklärung über Tierarten, die immerhin etwa 280 Millionen Jahre länger auf der Erde leben als der Mensch.

Schlangen  
Nicht erst seit der Schöpfungsgeschichte haben Schlangen einen schlechten Ruf. Die Skepsis der meisten Säugetiere, einschließlich des Menschen, begründet sich auch auf der Urangst gegenüber der manchmal giftigen Kriechtiere. In der Mythologie vieler Kulturkreise werden Schlangen allerdings heilende oder übersinnliche Kräfte nachgesagt. So sind sie am Stab des Asklepios in der griechischen Mythologie zu finden und bis heute das Symbol medizinischer und pharmazeutischer Berufe. Weltweit sind etwa 3000 Schlangenarten auf allen Kontinenten anzutreffen.  

Von Claudia Nachtwey

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