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„Besuch hat das Selbstbewusstsein verändert“

Jahrestag des Papstbesuchs „Besuch hat das Selbstbewusstsein verändert“

Ein deutscher Papst im Eichsfeld - der Besuch Benedikts XVI. am 23. September 2011 war ein Jahrtausendereignis. Mit riesigem Aufwand hatte sich die Region vorbereitet. Das wurde kritisiert, letztlich war der Papstbesuch aber emotionales Erlebnis für Zehntausende. Was wirkt nach? Das hat Ulrich Lottmann Duderstadts Propst Bernd Galluschke gefragt.

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Tut einfach gut: Das Eichsfeld sei geehrt durch den Besuch des Papstes im Eichsfeld, sagt Propst Galluschke.

Quelle: Blank

Hat der Papstbesuch Spuren im Dekanat hinterlassen?

Ich meine ja, denn die Wallfahrten in diesem Jahr haben mehr Menschen angesprochen als zuvor. Ich führe das auf die großartige Ermutigung des Heiligen Vaters zurück. Wir Katholiken sind mehr zusammengerückt und haben eher das Gefühl, das wir Kirche sind. Der Auftritt der Kirche beim Tag der Niedersachsen und das Engagement dafür scheint auch eine Konsequenz gewachsenen Selbstbewusstseins. Darüber hinaus hat der Besuch im Herzen Spuren hinterlassen, die freilich nicht messbar sind, die aber einfach gut tun, wenn man durch den Besuch des Heiligen Vaters so geehrt wird.

Was ist übrig von der Begeisterung, hat der Papstbesuch das kirchliche Leben im Dekanat verändert?

Das ist eine gute Frage – es scheint mir, dass der Besuch unser Selbstbewusstsein verändert hat. Gerade wenn Eichsfelder in der Fremde auftreten, sich als Katholiken zu erkennen geben, zum Beispiel Studenten an der Uni oder Christen am Arbeitsplatz, dann ist häufig ein mildes Lächeln der Fall, in dem Sinne: Na ja, die sind halt etwas zurück geblieben. Und überhaupt wo liegt das Eichsfeld – nie gehört. Jetzt nach dem Besuch kann man sagen: Wir kommen aus der Nähe von Etzelsbach. Das kennen jetzt viele. Neulich habe ich mich vorgestellt und gesagt, ich komme aus Duderstadt, das liegt bei Etzelsbach – und sofort wussten alle Bescheid. Natürlich ist die Begeisterung nicht so wie vor einem Jahr aufrecht zu erhalten, auch der Tag der Niedersachsen ist schon wieder weit weg.

Gerade für uns Untereichsfelder ist durch die Vorbereitung des Papstbesuches und das gemeinsame Erleben das Obereichsfeld emotional viel näher gerückt und viel sympathischer geworden. Man sieht das auch daran, dass von Familien mit Kindern bis hin zu Seniorengruppen immer wieder Menschen einen Ausflug nach Etzelsbach machen, um sich zu erinnern. Mit Jugendlichen sind wir zur Nacht der offenen Kirchen nach Heiligenstadt gefahren, um mit den dortigen Jugendlichen in großer Zahl spätabends durch vier Kirchen zu pilgern. Ich habe den Eindruck, der Papstbesuch hat tatsächlich eine neue Verbindung, auch Einheit, zwischen den Christen im Ober- und Untereichsfeld bewirkt. Das war vielleicht nicht das erste Ziel, aber eine für mich wohltuende Entwicklung. Ich persönlich fühle mich im Obereichsfeld mittlerweile auch sehr zuhause.

Können Sie auch für die Zukunft von dem Ereignis profitieren, worauf wollen Sie aufbauen?

Ein Jahr nach dem Papstbesuch, also am 22. September, werden wir mit Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Untereichsfeld nach Etzelsbach fahren und von dort nach Leinefelde pilgern, um mit den Jugendlichen aus dem Obereichsfeld ein Glaubensfestival mit Workshops und Musik zu feiern. Auch im Wallfahrtswesen des Untereichsfeldes tut sich etwas. Wir haben beim Tag der Niedersachsen einen gemeinsamen Stand über die Wallfahrten bestückt und gestaltet. Wir haben eine Projektgruppe Wallfahrten gegründet, in der wir mit vielen begeisterten Engagierten an der Weiterentwicklung der Wallfahrten im Eichsfeld arbeiten. Für das Jahr 2013 ist eine große Kindergarten-Wallfahrt, eine Motorrad-Wallfahrt und eine Kommunionkinder-Wallfahrt angedacht.  Damit bauen wir auf der Erfahrung des Papstbesuches auf, die zusammengefasst auch auf dem Plakat an St. Cyriakus zu lesen ist: Kirche be(WEG)t sich! Es sieht so aus, als ob in den Veränderungen der kirchlichen Landschaft der letzten Jahre, der Besuch des Heiligen Vaters eine große Ermutigung war und bleibt, das Neues wächst, wenn auch Altes vergeht.

Was ist für Sie persönlich die schönste, lebhafteste Erinnerung an das Ereignis?

Für mich war das schon der Start der Jugendfußwallfahrt mit unserem Bischof Trelle in St. Cyriakus. Rund 1200 Jugendliche in der Kirche und noch ein paar Hundert vor der Kirchen haben einen sehr bewegenden Eindruck hinterlassen. Während des kurzen Gottesdienstes hatte nicht nur Bischof Trelle vor Bewegtheit eine Träne im Auge, sondern auch ich. In der Tat habe ich selten in meinem Leben die Gegenwart Gottes so handgreiflich und berührend erfahren. In der Vorfreude auf die Begegnung, durch die Begegnung in Etzelsbach und im Zusammensein der Menschen lag eine enorme Kraft. Soviel gegenseitige Rücksichtnahme und Achtung, das Erlebnis einer großen Familie, hat tiefe Spuren hinterlassen. Ja, ich meine es war die Erfahrung einer alternativen Gesellschaft, die dort entsteht, wo die Liebe Gottes zu jedem einzelnen spürbar ist und die Kraft gibt, jeden Nächsten so zu nehmen, wie er ist. Dieser Tag hat wohl jeden einzelnen insoweit verändert, dass wir erfahren haben, die Vision einer Zivilisation der Liebe ist real lebbar.

 

Themensammlung: der Papst im Eichsfeld. Texte, Fotos, Hintergründe - erinnern Sie sich an den Papstbesuch in Etzelsbach.
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Erinnerung an Papstbesuch

Ein Jahr Papstbesuch in Etzelsbach. Was ist für das Eichsfeld geblieben? „Eine ganze Menge“, antwortet Hans-Georg Kracht spontan. Der Geschäftsführer des Heimat- und Verkehrsverbandes Eichsfeld (HVE) ennt Beispiele: „Abgesehen von etlichen Besuchern, die täglich per Bus oder Auto Etzelsbach besuchen, um dort zu beten, planen wir dort den Ausbau der Infrastruktur“.

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