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Bild der Kindheit hat sich stark verändert

Erzählcafé in Bilshausen Bild der Kindheit hat sich stark verändert

„Kinder – Enkelkinder – Urenkelkinder“. So lautete das Thema der jüngsten Veranstaltung im Rahmen der Reihe Erzählcafé im Haus St. Martinus in Bilshausen. Im Kreise der Bewohner des Altenpflegeheims und zahlreicher Gäste widmete sich Moderatorin Sigrid Jacobi diesmal dem Begriff Kindheit.

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Im Kreise der Bewohner und Gäste: Moderatorin Sigrid Jacobi widmet sich im Haus St. Martinus dem Thema Kindheit.

Quelle: EF

Kindheit habe im Mittelalter etwa ab dem siebten Lebensjahr aufgehört, stellte Jacobi fest. Kinder seien „kleine Erwachsene“, und auch so gekleidet gewesen. Sie hätten früh arbeiten müssen und seien in der rauen Erwachsenenwelt mitgelaufen.

Kindheit als soziale Struktur, so Jacobi, habe sich erst im 16.Jahrhundert herausgearbeitet. Kinderprogramm habe es nicht gegeben. „Eltern haben sich emotional nicht so stark an die Kinder gebunden, mussten sie doch damit rechnen, dass nicht alle am Leben blieben.“

„Wie war die Rolle der Kinder früher? Wie wichtig sind Kinder heute in der Gesellschaft?“ lauteten zwei der Fragen der Erzählcafé-Initiatorin und Moderatoren an die Gesprächsrunde. „Bei uns waren an die 50 Kinder in der Klasse“, erinnerte sich eine Lehrerin, es seien weit mehr als doppelt so viele Kinder wie heute geboren worden.

Wie konnte man es schaffen, hinreichend Ruhe in eine so große Kindergruppe zu bringen? Die Kinder seien disziplinierter gewesen, auch aus Angst vor Prügel, meinte ein Gesprächsteilnehmer: „Wenn ein Schüler vom Lehrer gezüchtigt wurde stimmten die Eltern dem Lehrer eindeutig zu: Der Lehrer hat schon recht.“

Heute stünden die Eltern in der Regel auf Seiten der Kinder und nähmen diese in Schutz, war man sich in der Runde einig. Für die Kinder sei die Schule heute schöner, sie können besser, weil angstfreier lernen. „Früher hatten wir die Bibel als Buch, Kinderbücher gab es doch kaum“, wusste ein alter Mann zu berichten. Wie schaffte man es früher, fünf oder sieben Kinder aufzuziehen? „Wir haben uns selbst erzogen“, sagte eine Frau, „die großen Geschwister mussten die kleinen mitversorgen.“ Die Mütter hätten auf dem Feld mitarbeiten müssen. Zur Erntezeit hätten die Kinder auch mit anfassen müssen. „Ich nahm die Kinder auf dem Pferdewagen mit aufs Feld. Wenn wir an der Schule vorbeikamen, deckte ich einen Sack über sie, damit die Kinder die Schule nicht sehen“, schmunzelte ein Bauer. Viel lieber wären sie in den Unterricht gegangen.

„Für die Erziehung eines Kindes brauchte man ein ganzes Dorf“, erinnerte sich eine Frau. „In meiner Straße konnte ich vor jedem Haus spielen, überall waren Kinder und jede der Mütter kannte ich gut“.

Und die Väter? Kindererziehung war Sache der Frau. Wie viel öffentliche Erziehung in Kita und Schule wollen wir? „Die Schule soll heute die Kindererziehung leisten, die im Elternhaus auf der Strecke bleibt, das kann nicht gehen“, bemerkte eine Lehrerin.

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