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„Deutsche Einheit – noch immer wie ein Wunder“

Rudolf Seiters (CDU) hält Festrede „Deutsche Einheit – noch immer wie ein Wunder“

„Ohne Gottes Hilfe hätten wir es nicht geschafft.“ Sehr persönlich und authentisch hat Rudolf Seiters, ehemaliger Kanzleramtsminister im Kabinett von Helmut Kohl, am Sonnabend im Duderstädter Rathaus die Wiedervereinigung Deutschlands in Erinnerung gerufen. Der CDU-Politiker, der seit 2003 Präsident des Deutschen Roten Kreuzes ist, hielt die Festrede bei einer Neujahrsbenefizveranstaltung der Hospizstiftung Niedersachsen.

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Festrede im Rathaus: Rudolf Seiters blickt auf die historischen Ereignisse in den Jahren 1989 und 1990 zurück.

Quelle: Kunze

„Im Rückblick erscheint die Einheit noch immer wie ein Wunder“, stellte Seiters in seinem 45-minütigem Vortrag im voll besetzten Bürgersaal fest. Als er im April 1989 zum Leiter des Bundeskanzleramtes berufen worden sei, habe niemand damit gerechnet, dass es eineinhalb Jahre später die Deutsche Wiedervereinigung geben würde, sagte Seiters. Auch bei seinem Besuch am 4. Juli 1989 bei Erich Honecker habe es keine Hinweise auf „tiefe Erschütterungen in der DDR“ gegeben.

Ungarn habe am 10. September die Grenze nach Österreich geöffnet, erläuterte der gebürtige Osnabrücker, der als einer der Architekten der Deutschen Einheit gilt und später auch Bundesinnenminister war. Den ungarischen und polnischen Freunden, vor allem auch der Solidarnosc-Bewegung sei unheimlich viel zu verdanken, berichtete der Zeitzeuge.

Den 30. September, den 9. November und den 19. Dezember, führte Seiters als Tage von Ereignissen auf, die „überzeugend die Hilflosigkeit und die Führungslosigkeit“ der DDR-Regierung deutlich gemacht hätten. In Prag, wo er damals mit Außenminister Hans Dietrich Genscher (FDP) auf dem Balkon der Botschaft gestanden habe, sei der erste Stein der Mauer gebrochen worden, schilderte Seiters. Der 9. November sei die Folge von „chaotischen Beratungen der DDR-Führung“ gewesen. Am 19. Dezember sei Bundeskanzler Kohl bei seiner Rede an der Frauenkirche in Dresden euphorisch empfangen worden. „In dieser Nacht waren wir überzeugt, möglichst schnell freie Wahlen durchzuführen“, erklärte Seiters. „Die Menschen in der DDR wollten die Deutsche Einheit.“

Das richtige und konsequente Handeln der damaligen Bundesregierung habe zum Gelingen der Einheit beigetragen, erläuterte Seiters. Ob damals nicht alles viel zu schnell ging? Ob nicht vielleicht erst eine neue Verfassung für die zu vereinenden deutschen Staaten hätte ausgearbeitet werden sollen? Seiters verneint dies. Es hätte viel Zeit gekostet und das Zeitfenster sei eng gewesen. „Erst mit der Einführung der D-Mark geriet das Ausbluten und Übersiedlerstrom von DDR-Bürgern in den Westens ins Stocken.“ Außerdem sei später der Resonanzboden für die Wiedervereinigung bei den Großmächten nicht mehr erreicht worden. „Es gab keine vernünftige Alternative“, sagte Seiters. Und: die Erblast der DDR sei weitaus größer als angenommen gewesen.

Blühende Landschaften? Nicht überall könne davon die Rede sein, sagte Seiters, dem auch die Probleme im Untereichsfeld nach dem Wegfall der Zonenrandförderung nicht fremd sind. „Ich bin fest davon überzeugt, dass sich das Zusammenwachsen in den kommenden Jahren noch verstärken wird“, sagte Seiters. „Das ist nicht die Sache einer Generation.“ Auch gelte es, die Erinnerungen wachzuhalten, dass in der DDR gefoltert und bespitzelt worden sei.

Eine Anmerkung in der Rede des ehemaligen Kanzleramtsministers bleibt den Zuhörern besonders in Erinnerung und verdeutlicht das „Glück der Einheit“, von dem Seiters berichtete: „Mein stellvertretender Büroleiter fragte mich am 9. November, ob er wegen des Geburtstages seines Kindes früher nach Hause gehen könnte. Ich sagte nur: Gehen Sie ruhig, heute passiert ja nichts mehr. Und dann fiel die Mauer.“

Von Heinz Hobrecht

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