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Wolf bei Lödingsen gesichtet

Nicht weit von Wohnhäusern entfernt Wolf bei Lödingsen gesichtet

Nur wenige hundert Meter von Wohnhäusern entfernt ist Ende der vergangenen Woche ein Wolf gesichtet worden. Der Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), Raoul Reding, hat das gesichtete Tier eindeutig als Wolf identifiziert.

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Quelle: r

Lödingsen. Gesichtet wurde der Wolf von der Landstraße zwischen Hettensen und Lödingsen aus. Ein Augenzeuge bemerkte das Tier vom Auto aus, als er die Straße entlangfuhr. Der Wolf stand dabei etwa 200 Meter nördlich der Lödingser Einzelhäuser oberhalb der Landstraße auf einem Feld. Geistesgegenwärtig drehte der junge Mann ein Video. Dabei entstanden auch Standfotos.

Bilder und Video wurden an den Wolfsbeauftragten der LJN, Reding, geschickt. Ohne jeden Zweifel habe es sich bei dem Tier um einen Wolf gehandelt, erklärt Reding. Das habe er nach genauerer Überprüfung des Bildmaterials festgestellt.

Sorgen wegen möglichen Gefährdungen von Menschen macht sich der Lödingser Bürgermeister Norbert Hille (Wählergemeinschaft GLL) nicht. Ohne Zweifel handele es sich um ein junges Einzeltier, sagte Hille, nachdem er das Video in Augenschein genommen hatte: „Der hat mehr Angst vor Menschen als umgekehrt.“ Niemand müsse wegen des Wolfs in irgendeiner Weise besorgt sein. Das Tier sei mit Sicherheit „nur auf Durchreise“. In den vergangenen Tagen habe es außerdem keine Auffälligkeiten wie etwa gerissene Tiere gegeben.

Dass es sich bei dem Lödingser Wolf um ein Einzeltier handeln muss, bestätigt auch der LJN-Wolfsbeauftragte Reding. Hinweise im Netz, im Bereich Uslar sei sogar ein ganzes Wolfsrudel mit fünf oder sechs einzelnen Tieren gesichtet worden, bezeichnete Reding als „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Unsinn“.

Der Vorsitzende der Jägerschaft Göttingen, Dieter Hildebrandt, berichtet, dass er in den vergangenen Tagen bereits mehrfach auf Wolfssichtungen angesprochen worden sei. "Diese Sichtungen sind aber unbestätigt", sagt er, es gebe kein Beweismaterial. Auch Jägerschafts-Geschäftsführer Heinz Schirmacher hat sofort von der Wolfssichtung erfahren. Ein Jungjäger aus Lödingsen habe umgehend dafür gesorgt, dass die Sichtung von offiziellen Fachleuten bestätigt werden konnte.

Einer der offiziellen Fachleute ist Jörg Behling, Wolfsberater des Landes für den Bereich Göttingen. Nachdem der Wolf bei Lödingsen gesichtet und gemeldet wurde, habe Reding ihn gebeten, den Ort zu verifizieren. "Ich konnte die Perspektive exakt finden, es war die richtige Stelle", sagt er. Damit war das letzte Puzzleteilchen erbracht, die Sichtung bestätigt. Ob es sich bei dem Tier und ein Männchen oder ein weibliches Tier handelt, lasse sich nicht sagen. "Ich vermute, es ist ein einjähriges Tier, das sich jetzt ein eigenes Revier sucht", sagt Behling. Vermutlich ziehe es nur durch die Region. Sollte sich der Wolf hier niederlassen, müssten sich die Sichtungen nun häufen. Für die Aussage, ob der Wolf "territorial" werde, sei es noch zu früh. Sicher aber ist: "Es ist die erste Bestätigung eines Wolfes im Landkreis Göttingen seit langer, langer Zeit."

Nicht alle Bürger von Lödingsen und Hettensen sehen das Auftauchen des Wolfes gelassen. Eine Bürgerin weist darauf hin, dass ganz in der Nähe der Sichtung auf einem Feld Ponys gehalten würden. Und: „Mir ist ein Leben ohne Wolf lieber.“

Das Lödingser Tier ist nicht der erste Wolf, der in diesem Jahr in der Region gesichtet wurde. Ende April tauchte an der Bundesstraße 64 bei Bad Gandersheim ein Wolf auf, der eindeutig als ein solcher identifiziert wurde. Auch dabei habe es sich klar um einen sogenannten Durchwanderer ohne Zugehörigkeit zu einem Rudel gehandelt, meint Ole Anders, Wolfsexperte beim Naturpark Harz. Zwei nicht zu 100 Prozent gesicherte Sichtungen hatte es zuvor bei Seesen gegeben.

2012 sichtete ein Jäger einen Wolf im Kaufunger Wald, 2016 tappte dort ein weiteres Tier in eine Fotofalle. 2006 tauchte im Reinhardswald ein Wolf auf, der 2011 tot aufgefunden wurde. In ganz Niedersachsen gibt es etwa 90 bis 100 wildlebende Wölfe.

Von Matthias Heinzel und Britta Bielefeld

Richtiges Verhalten bei unerwarteten Zusammentreffen

Wolfsexperten sind sich einig: Übergriffe von Wölfen auf Menschen sind sehr selten. Dennoch ist bei unerwarteten Begegnungen mit Wölfen Vorsicht geboten, meint das Bundesumweltministerium. Begegnungen auf eine Entfernung von weniger als 100 Metern gibt es in der Regel dann, wenn die Wölfe den Menschen noch nicht bemerkt haben. Wenn sie den Menschen wahrnehmen, fliehen sie meist nicht, sondern orientieren sich zunächst kurz und ziehen sich dann zurück.

Die Tipps des Ministeriums: ruhig verhalten und Abstand halten. Wenn der Wolf sich nicht zurückzieht, laut sprechen oder in die Hände klatschen. Nicht davonrennen, weil dies den Jagdinstinkt des Tieres wecken könnte. Sollte sich der Wolf dennoch nähern, sollte sich der Mensch groß machen und versuchen, das Tier einzuschüchtern.

Wölfe sehen Hunde manchmal als Artgenossen an. Weil sich Hunde aber anders verhalten, kann dies zu „Missverständnissen“ führen. Außerdem kann der Wolf das Auftauchen eines Hundes als Verletzung seines Territoriums ansehen. In Wolfsgebieten sollten Hunde angeleint oder nahe beim Besitzer geführt werden. hein

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