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Komödie der Theatermacher am Backenberg in Güntersen

„Für die Familie kann man nichts“ Komödie der Theatermacher am Backenberg in Güntersen

Achtmal haben die Theatermacher am Backenberg vor ausverkauftem Haus in Güntersen Hans Schimmels Kömodie „Für die Familie kann man nichts“ gezeigt. Ein Gag jagte den nächsten. Das Publikum lachte schallend und brachte die Schauspieler mit Zwischenrufen aus dem Konzept.

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Quelle: Peter Heller

Güntersen. Eigentlich soll Björn Trampenau in der verwickelten Familiengeschichte einen Toten mimen. Doch der Schauspieler hat Mühe bei den vielen Sticheleien der Zuschauer nicht loszulachen. Der Leichenwagen, mit dem er ins Krematorium nach Polen gebracht werden soll, musste in die Werkstatt. Dorthin durfte der Tote nicht mit. So hat ihn der überforderte Leichenwagenfahrer Willi (Marco Ilse) im Wohnzimmer aufs Sofa gesetzt.

Dort in der Stube will die nette, aber spießige Freundin (Paula Fladung) von Willis ebenso spießigem Bruder Friedhelm (Marius Hille) die Bekanntschaft des wortkargen Gesellen machen. Willi hebt den Arm des Toten zum Händeschütteln und entschuldigt dessen Schüchternheit gegenüber Frauen. Als die junge Frau später erfährt, neben wem sie da so nett auf dem Sofa gesessen hat, fällt sie in Ohnmacht. Friedhelm beugt sich besorgt über sie. „Mund-zu-Mund-Beatmung“, fordert das Publikum lautstark. Nun muss Hille lachen.

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Komödie der Theatermacher am Backenberg in Güntersen

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Die Brüder haben eine Schwester. Hermine (Liane Trampenau) folgt einem Guru. Auf dessen Rat hat sie sich seit einem einem halben Jahr nicht mehr gewaschen – damit sich ihre Aura enfalten kann. „Ich riech mal, ob sie da ist“, sagt ihr Bruder, als Hermines Freundin vor der Tür steht.

Gundula (Ina Teuteberg), die stottert, will sich von Hermine die Zukunft vorhersagen lassen. Auch Hermines dritter Bruder, Hubbi (Andreas Kleinert), stottert. Der Daniel Düsentrieb mit den in alle Richtungen abstehenden Haaren findet mit seinen „Erfindungen“ nicht immer Anklang: etwa als er Friedhelms Wagen zum Null-Liter-Auto „umbaut“. Er bricht den Zündschlüssel ab. Das Auto fährt nicht mehr. Der Spritverbrauch ist auf Null gesunkten. „Wenn wir die Rollen verteilen, bekomme ich immer die des Bekloppten“, amüsiert sich Kleinert in der Pause und schiebt nach: „Böse Zungen behaupten, dass das kein Zufall sei.“

Dann gibt es noch die ehemalige Finanzbeamtin Traudel (Marion Koeschel), die nach einem Glas Wein enthemmt über Männer herfällt. Die neugierige Hausbesitzerin Gertrud (Petra Hillebrecht) schnüffelt ihren Mietern hinterher. Und Verfassungsschützer Gerd (Elias Körbel) hat Leichenwagenfahrer Willi im Visier, der in seiner Freizeit die Computer von Regierungsstellen knackt. Der gebürtige Günterser Körbel studiert in Göttingen auf Lehramt. Seine Mutter, Birte Körbel, schaut sich die Aufführung bereits das zweite Mal an.

Auch andere im Publikum kennen die Schauspieler: aus dem Dorf, vom Sport oder von der Arbeit. Über eine Arbeitskollegin, die mit auf der Bühne steht, hat zum Beispiel Heike Heise aus Erbsen Karten bekommen. Ihr Vater Karl Brill aus Lödingsen hat mit einigen der 22 aktiven Theatermacher Fußball gespielt. Aus Adelebsen, Dransfeld oder Elliehausen, aber auch aus dem Eichsfeld sind Zuschauer gekommen. Ein paar gebürtige Günterser reisten aus Hamburg, Stade oder Nürnberg an.

„Bereits 14 Tage vor der Premiere waren alle 720 Karten der acht Aufführungen weg“, freut sich Regisseur Klaus-Peter Just. Bei einer Einwohnerzahl von 640 ist das eine beachtliches Ergebnis.

Seit 2010 führen die Theatermacher jährlich eine Komödie auf. Seit 2011 nutzen sie eine alte Scheune des Guts an der Brennereistraße. „Wir knüpfen an die Tradition des Freilichttheaters auf dem Backenberg an, wo es bis 1956 Stücke zu sehen gab“, erklärt Just.

Von Michael Caspar

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