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"Der Wolf gehört in die Natur"

Alles zur Sichtung bei Lödingsen "Der Wolf gehört in die Natur"

Gibt es bereits mehr als einen Wolf im Kreis Göttingen? Vor der Sichtung eines jungen Wolfes bei Lödingsen Ende vergangener Woche ist im oder sehr nah am Landkreis Göttingen ein weiterer Wolf gesichtet worden: Zwischen Osterode und Clausthal-Zellerfeld lief Ende April ein Tier, das als Wolf identifiziert wurde.

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Lödingsens Ortsbürgermeister Norbert Hille zeigt den Ort, an dem der Wolf gesichtet wurde.

Quelle: Hinzmann

Lödingsen/Hannover. Ob sich dieser Wolf im Grenzgebiet zwischen den Landkreisen Göttingen und Goslar tatsächlich auf Göttinger Gebiet aufgehalten hat, sei allerdings nicht vollständig geklärt, sagt Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), der die Wölfe identifiziert hat.

Bei weiteren Meldungen, beispielsweise aus Oberode bei Münden im Juni dieses Jahres, sei es unklar, ob es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt habe. Im Göttinger Kreisgebiet seien seit Beginn des Wolfsmonitorings Ende 2011 keine Wölfe gesehen worden, die als solche zweifelsfrei identifiziert wurden.

Sind Wölfe gefährlich?

Angst vor dem Lödingser Wolf müssten Spaziergänger nicht haben, versichert Reding. Zwar sei ein junges Tier meist neugieriger als ältere Artgenossen, aber auch bei einer Annäherung helfe es, stehenzubleiben und gegebenenfalls Lärm zu machen und mit den Armen zu wedeln. Im Regelfall verziehe der Wolf sich dann. Nur zwei Dinge dürfe man niemals tun: weglaufen und den Wolf aus den Augen verlieren.

Zur Frage, ob er sich Sorgen macht, hat sich auch der Lödingser Ortsbürgermeister Norbert Hille (Wählergemeinschaft GLL) geäußert.

Was müssen Hundehalter beachten?

Hundehalter sollten ihre Hunde in Wolfsgebieten grundsätzlich an der Leine führen. Bei einer Wolfsbegegnung sollten sie ihren Hund nah bei sich halten und unbedingt verhindern, dass ihr Tier auf den Wolf zuläuft. Sollte sich das Wildtier nähern, sollten sich Hundehalter selbst langsam entfernen, dabei auf sich aufmerksam machen und den Wolf nicht aus den Augen lassen.

Wer beobachtet die Wölfe professionell?

In Niedersachsen gibt es seit zehn Jahren definitive Nachweise für Wolfsvorkommen. 2009 wurden daraufhin Ministerium für Umwelt ehrenamtliche Wolfsberater benannt. Für die Region Göttingen gibt es drei.  Die Ausbreitung des Wolfes wird wissenschaftlich dokumentiert. Das sogenannte Wolfsmonitoring für das Land Niedersachsen organisiert die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) im Auftrag des  Umweltministeriums  mit mehr als 100 ehrenamtlichen Wolfsberatern.

Ansprechpartner für das Wolfsmonitoring in Hannover und damit für das Melden von Wölfen ist Raoul Reding (Telefon 0511 53043-18).

An wen kann ich mich außerdem wenden, wenn ich meine, einen Wolf gesehen zu haben?

Augenzeugen können sich an den zuständigen Wolfsberater vor Ort wenden. Jörg Behling im Forstamt Münden ist für den Altkreis Göttingen zuständig (Telefon 05544/951319), Hartmut Kiene-Kroos (05541/953391) für die Bereiche Stadt Hann. Münden, Samtgemeinde Dransfeld  und die Gemeinde Staufenberg sowie Lilli Middelhoff für den Altkreis Osterode (05582/9189-37).

Was meinen die Landwirte?

“Wir brauchen den Wolf hier nicht”, sagt Kreislandwirt Hubert Kellner. Er gehe aber davon aus, dass das Tier nur durchziehe. Sollte sich der Wolf hier festsetzen, sehe die Sache anders aus. “Ich bin abends allein auf dem Feld und möchte ihm nicht begegnen”, sagt Kellner. Sollte der Wolf sich in der Region sein Revier suchen, “müssen wir noch mal darüber reden”, so der Kreislandwirt.

Was sagen die Jäger?

Wölfe unterliegen in Niedersachsen nicht dem Jagd-, sondern dem Naturschutzrecht. Sie gehören durch eine Vielzahl nationaler und internationaler Übereinkommen zu den am strengsten geschützten Arten. “Der Wolf gehört in die Natur und wir sind Naturschützer”, sagt Dieter Hildebrandt, Vorsitzende der Jägerschaft Göttingen. “Wir haben nichts gegen ihn.”

Dort, wo viele Wölfe leben, sei eine Obergrenze sinnvoll. Solange sich Wölfe normal verhalten, gebe es keine Probleme. Sollte sich ein Wolf zum Problemwolf entwickeln, müsse der Umweltminister des Landes, Stefan Wenzel (Grüne) darüber entscheiden, ob er geschossen werden muss. Das sei nur zulässig, wenn eine konkrete Gefährdung von Menschenleben nicht ausgeschlossen werden könne, sagt der LJN-Wolfsbeauftragte Raoul Reding. Diese letzte Maßnahme dürfe im Prinzip auch dann greifen, "wenn das Tier übermäßig wirtschaftliche Schäden anrichtet". Aber: "Das muss ganz individuell bewertet werden", meint Reding. "Und das letzte Wort hat immer der Umweltminister."

Hat der Wolf schon Spuren hinterlassen?

Nur auf Fotos und einem Video. Wolfsberater Jörg Behling hat in Lödingsen keine weiteren Spuren sichern können. Auch sei noch kein gerissenes Tier gefunden worden. Wenn, dann werde eine DNA-Probe genommen. Reisst ein Wolf ein Nutztier, enthalten Landwirte bei einem sicheren Nachweis eine Entschädigung. War es ein Hund, dann nicht.

Was frisst der Wolf?

Rehe, Hasen, dort, wo es vorkommt, auch Rotwild. Wie Jörg Behling erklärt, seien Wölfe, “opportunistisch”. Dort, wo sie ihr Revier haben, kommt es auch zu Nutztier-Rissen, “wenn sich kein Mensch in der Nähe aufhält”. Das lasse sich nicht ausschließen. Wandernde Wölfe seien selten auffällig geworden.

Wohin wandert der Wolf?

Das wisse niemand, sagt Jörg Behling. Junge Wölfe, die selbstständig werden und sich ein eigenes Revier suchen, wandern. Die norddeutschen Wölfe seien ursprünglich Auswanderer aus Sachsen, in Süddeutschland stammen die Wölfe von italienischen Tieren ab. Auch in Thüringen gibt es eine Population. In Hessen gebe es bislang nur Einzelsichtungen.

Wie weit wandert ein Wolf?

Ein Wolf auf Wanderschaft könne täglich bis zu 70 Kilometer zurücklegen, erläutert Reding. Mit großer Sicherheit sei der Lödingser Wolf auf Suche nach einer Paarungspartnerin und einem eigenen Revier. Ein Wolfsterritorium gebe es in der Region nicht. Die Behörden warteten jetzt auf weitere Meldungen.

So reagiert das Internet

Von Britta Bielefeld und Matthias Heinzel

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