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„Finden Sie mal mit drei Kindern eine Wohnung“

Alleinerziehend, kein Job und krank „Finden Sie mal mit drei Kindern eine Wohnung“

Immer wieder geraten Menschen in Not, werden Opfer von persönlichen Katastrophen und Tiefschlägen. Diesen Menschen bieten soziale Einrichtungen in der Region Hilfe. Zugunsten dieser Anlaufstellen in Krisenzeiten sammelt „Keiner soll einsam sein“, die Weihnachtshilfe des Göttinger Tageblatts, Spenden. In loser Folge stellen wir einige Schicksale vor.

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Nina Fahlbusch sucht für sich und ihre drei Kinder eine passende Wohnung und hofft auf Umzugshilfe.

 

Quelle: Hinzmann

Bovenden. Es sollte eigentlich alles anders laufen: Lehramtsstudium, Verbeamtung, ein guter Partner, sicheres Einkommen und dann eine Großfamilie mit vielen Kindern. Ein Lebenstraum, den Nina Fahlbusch bis heute noch nicht ganz aufgegeben hat, auch wenn es für die 37-Jährige ganz anders gelaufen ist.

Als ihr zweites Kind zur Welt kommt, bricht Fahlbusch ihr Germanistikstudium für das Lehramt ab – kurz vor dem Ersten Staatsexamen. Da hatte der Vater ihres ersten Kindes (heute 11 Jahre) sie lange verlassen, der Vater des zweiten (9) ebenso. Auch zum Vater ihrer jüngsten Tochter (2) besteht nur noch förmlicher Kontakt. Die Folge: alleinerziehend mit drei Kindern und Hartz IV; keine eine Chance, das Studium wieder aufzunehmen; nur geringe Chancen, die zwischenzeitlichen Erzieherjobs auszubauen. Und dann erkrankt die junge Frau in der dritten Schwangerschaft auch noch an Polyneurophatie. Ihre Nervenbahnen reißen, Hände, Arme und Beine kribbeln ständig, schmerzen oft und werden zunehmend taub.

Dann scheint sich alles zum Guten zu wenden. Die Hamelnerin mit Wohnsitz in Göttingen lernt einen neuen Mann kennen: ein alleinerziehender Vater mit zwei Kindern. Sie kommen gut miteinander klar, im vergangenen Mai ziehen beide Familie zusammen in ein großes Haus in Harste: 170 Quadratmeter Wohnfläche, Zimmer für alle Kinder, 700 Euro Kaltmiete. Das liegt weiter unter dem Satz für Harz-IV-Empfänger in einer siebenköpfigen Familie.

Umzug, Schulwechsel, ein Krippenplatz für die Jüngste, neue Vereine und gute Nachbarn – alles läuft wunderbar in den ersten Wochen. Dann wird der neue Lebenspartner von Fahlbusch immer aggressiver. „Er war wohl überfordert mit so vielen Menschen in einem straff organisierten Haushalt“, sagt sie fast entschuldigend. Erst schlägt er ihren ältesten Sohn, dann sie. Er bekommt Hausverbot, zieht mit seinen Kindern aus.

Das war im Sommer – und der Auslöser einer finanziellen Abwärtsspirale. Bisher sei sie finanziell immer klar gekommen, sagt die dreifache Mutter. Jetzt kürzt „das Amt“ die Zahlungen, „muss es nach den gesetzlichen Vorgaben“. Vier Personen stehen nur maximal 650 Euro für eine 90-Qudratmeter-Wohnung zu. Um die hohen Nebenkosten zahlen zu können, habe sie erstmals Geld geliehen. Ihre zwei Untermieter – ein Auszubildender und ein Student – könnten das Problem auch nicht lösen.

Fahlbusch soll aus dem Haus ausziehen, mit verlängerter Frist spätestens zum 1. Juni nächsten Jahres. „Aber finden Sie mal mit drei Kindern eine bezahlbare Wohnung, keine Chance“, sagt sie. Und selbst wenn sie eine finden sollte, zahle das Jobcenter des Landkreises für einen zweiten Umzug in so kurzer Zeit nicht noch einmal Umzugshilfe für einen Transporter und Helfer. Und Geld für eine neue Küche habe sie schon gar nicht – „meine eigene habe ich im Sommer verschenkt, hier im Haus ist ja eine drin“. Jetzt hofft die Familie auf ein gutes Wohnungsangebot, und dann auf einen Zuschuss aus dem „Keiner-soll-einsam-sein“-Topf für den Umzug.

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