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„Wir haben von Luft und Liebe gelebt“

Eiserne Hochzeit „Wir haben von Luft und Liebe gelebt“

Das Ehepaar Gertrud und Erwin Sosnowski ist heute auf den Tag genau seit 65 Jahren verheiratet. Im heimischen Garten soll deshalb die große Feier anlässlich ihres Ehe-Jubiläums gefeiert werden. Mit der ganzen Familie kämen über 20 Leute zusammen, kündigt das Paar an.

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„Ein Geheimrezept gibt es nicht“, sagt Gertrud Sosnowski, die mit ihrem Mann Erwin seit 65 Jahren verheiratet ist.

Quelle: Arne Bänsch

Eddigehausen. Gertrud und Erwin Sosnowski stammen beide ursprünglich aus Schlesien. Dort mehr als 70 Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen, lernten sie sich im Dorf Eddigehausen kennen und lieben. „Wir haben uns durch meinen zwei Jahre jüngeren Bruder kennengelernt und sind dann fast jedes Wochenende tanzen gegangen“, sagt Gertrud Sosnowski. „Damals war ich 18 und wollte eigentlich noch keinen Freund. Ich war ja noch ein Kind und noch nicht so weit“, erinnert sich die heute 86-Jährige. „Und dann kam ich um die Ecke“, ergänzt Erwin Sosnowski und lacht. „Damals schrieben wir das Jahr 1949“ und es habe noch keine Straßen gegeben, erzählt der 91-Jährige, als sich das Pärchen auf den Weg zum Tanzen nach Mariaspring gemacht habe. „Als wir dort ankamen, waren unsere Schuhe meist ganz lehmig und dreckig durch die matschigen Schotterwege. Wir mussten immer etwas mitnehmen, um sie vor Ort wieder sauber zu machen. Aber das ging jedem so“, erzählt Erwin Sosnowski.

Drei Jahre später, am 25. Juli 1952, heirateten sie. „Wir haben unten am Bauernhof in Eddigehausen gewohnt. Meine Eltern hatten ein Schwein im Stall. Zur Hochzeit schlachteten sie es und wir hatten einen tollen Braten. Kuchen gab es auch. Gefeiert haben wir ganz schlicht zu Hause.“ Gertrud Sosnowski schwelgt in Erinnerungen: „Meine Tante hat mein Hochzeitskleid genäht. Sie hat auf der Arbeit mit Mädchen aus Polen getauscht und Seide bekommen. Im Gegenzug hat sie ihnen Essen geschenkt. Es war ein schönes Kleid!“

Die Familie von Erwin Sosnowski habe „wegen der Grenze“ nicht bei der Hochzeit dabei sein können, berichtet er. „Meine Mutter und meine drei Geschwister sind in Leipzig geblieben, als ich in den 40ern nach Bovenden kam. Mein Vater war im letzten Kriegsjahr verstorben. Zu der Zeit, als wir geheiratet haben, hatte ich sieben Jahre keinen Kontakt zu ihnen“, erinnert sich der Jubilar und ergänzt: „Als die Kinder später da waren, durften wir jedes zweite oder dritte Jahr zu Besuch nach Leipzig kommen.“

Das Ehepaar Sosnowski hat sechs Kinder, vier Enkel und einen dreijährigen Urenkel. Zwei weitere Urenkel seien unterwegs. „Als unser Urenkel vor fast vier Jahren geboren wurde, war das für uns das Schönste,“ sagt der 91-Jährige. „Wenn man Urgroßeltern ist, nimmt man dieses Geschenk viel eher wahr als bei den eigenen Kindern oder Enkeln“, meint Erwin Sosnowski weiter. „Wir waren als Eltern zu jung und mussten viel arbeiten. Also haben wir alles auf uns zukommen lassen“, erzählt Gertrud Sosnowski. Natürlich habe es bei dem Ehepaar auch einige Reibereien gegeben. „Aber ich möchte ein Ehepaar sehen, das sich nicht streitet!“, sagt Erwin Sosnowski und lacht. Streitereien kämen bei jedem vor. „Allerdings denkt man bei sechs Kindern nicht viel über so was nach. Da sieht man zu, dass alles funktioniert“, so der Jubilar weiter und lobt seine Gertrud, wie sie das alles organisiert habe. „Das war nicht einfach für sie, aber wir haben es irgendwie geschafft.“

„Und jetzt genießen wir das, was wir geschafft haben“, sagen beide einhellig. Dazu zählt nicht nur die Familie, sondern auch das Haus in Eddigehausen, in welches das Paar im November 1965 einzog.

Gertrud Sosnowski ist nach den Kindern wieder arbeiten gegangen, das letzte kam 1963 auf die Welt. „Mein ganzes Geld war für den Abtrag des Hauses, gelebt haben wir von Luft und Liebe!“, sagt Erwin Sosnowski. „Wir sind froh, dass wir hier gelandet sind. Als wir hierherkamen, hatte Eddigehausen 350 Einwohner. Jetzt sind es mehr als 2000!“

Auf die Frage, ob das Ehepaar nach 65 Jahren Ehe einen Tipp hätte, wie sie es so lange miteinander ausgehalten hätten, antwortet Gertrud Sosnowski: „Ein Geheimrezept gibt es da nicht.“

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