Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Mutter der betroffenen Frau sagt als Zeugin aus

Prozess um mutmaßliche Vergewaltigung in Dransfeld Mutter der betroffenen Frau sagt als Zeugin aus

Im Prozess um eine mutmaßliche Vergewaltigung in Dransfeld hat am Dienstag die Mutter der betroffenen Frau als Zeugin vor dem Landgericht Göttingen ausgesagt. Ihre Tochter habe sie damals angerufen, berichtete die 41-Jährige.

Voriger Artikel
Zehn Kilometer rund um Dransfelder Dörfer
Nächster Artikel
Schutz der Bevölkerung bei Bedrohung

Im Prozess um eine mutmaßliche Vergewaltigung in Dransfeld hat am Dienstag die Mutter der betroffenen Frau ausgesagt.

Quelle: dpa

Göttingen/Dransfeld. „ Einen so lauten Schrei habe ich von ihr im ganzen Leben noch nicht gehört. Ich hab gedacht, jemand hat sie umgebracht“, sagte die immer noch geschockt wirkende Frau. Die damals 19-Jährige habe ins Telefon geschrien: „Mami, er hat versucht mich zu vergewaltigen, und er schlägt mich.“ Sie habe alles stehen und liegen lassen und sei zu ihrer Tochter gefahren.

In dem Prozess muss sich ein 20-jähriger Mann aus Hann.Münden wegen sexueller Nötigung, Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im März 2015 seine frühere Freundin in deren Wohnung in Dransfeld gewürgt und vergewaltigt zu haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

Die 41-Jährige hatte nach eigenen Angaben damals auf der Fahrt zu ihrer Tochter deren Ex-Freund angerufen und ihn gefragt: „Was hast du getan?“ Der Angeklagte habe ihr gesagt: „Es war nicht so.“ Als sie in der Wohnung eintraf, habe sie die 19-Jährige zitternd und weinend vorgefunden: „Sie war fix und fertig.“

„Ich wollte das klären“

Die 41-Jährige hatte dann zunächst versucht, den Vater des Angeklagten anzurufen. „Ich wollte das klären“, berichtete die Zeugin. Sie habe dann jedoch nur dessen Mutter erreicht und dieser gesagt, dass deren Sohn zu weit gegangen sei und ihrer Tochter wehgetan habe. Die Mutter des Ex-Freundes habe jedoch alles abgestritten und behauptet, dass ihr Sohn zuhause gewesen sei. Aufgrund dieser Reaktion hätten sie dann entschieden, die Polizei zu verständigen und Anzeige zu erstatten. Dieser Schritt sei ihnen sehr schwer gefallen, weil sie den Angeklagten gut gekannt hätten und er zeitweilig wie ein Teil der Familie gewesen sei. „Er ist ein richtig guter Junge gewesen“, meinte die 41-Jährige. Sein Verhalten könne aber nicht akzeptiert werden und müsse Konsequenzen haben.

Nach Angaben der Mutter leidet die heute 21 Jahre alte Tochter auch zwei Jahre nach dem Vorfall weiterhin schwer unter den Folgen der Tat. „Bis heute hat sie Angst unter der Dusche“, sagte die Zeugin. Laut Anklage soll der damals 18 Jahre alte Angeklagte seine Ex-Freundin massiv sexuell bedrängt haben, als sie unter der Dusche stand. Später soll er sie gepackt und auf ein Sofa geworfen haben, wo er sie gewürgt und vergewaltigt habe.

„Es war wie eine Obsession“

Die 19-Jährige hatte ihrer Mutter auch von einer Nachricht erzählt, die ihr der Angeklagte in der Nacht zuvor geschickt haben soll. Darin soll er unter anderem geäußert haben, dass sie in die Küche gehöre und ein Kopftuch tragen solle. Sie habe dann gedacht, „dass der nicht richtig tickt“, meinte die Zeugin. „Es war wie eine Obsession.“ Der Angeklagte sei vermutlich eifersüchtig gewesen, weil ihre Tochter zu einem anderen Mann Kontakt gehabt habe.

Die Tochter hatte diesen Freund ebenfalls nach dem Vorfall angerufen. Der 23-Jährige war daraufhin sofort zu ihr gefahren. Bei seiner Zeugenvernehmung vor Gericht legte er ein ausgesprochen bockiges Verhalten an den Tag. Angeblich konnte er sich kaum an etwas erinnern. Nicht einmal daran, dass er der 19-Jährigen noch kurz vor dem angeklagten Vorfall geschrieben hatte: „Du, dein Ex steht bei dir vor der Tür, weißt du das?“ Während er zuvor den Kontakt zu ihr gesucht hatte, brach er ihn danach ab. „Für mich war dieser Vorfall als solcher zu viel“, meinte der 23-Jährige – so, als wäre er der Betroffene gewesen und nicht die 19-Jährige. Wie es ihr danach erging, interessierte ihn offenbar nicht mehr. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dransfeld
Die Bilder der Woche vom 2. bis 8. Dezember