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30 Bürger pflegen seit August alten Dialekt

Bührener Plattgruppe 30 Bürger pflegen seit August alten Dialekt

Platt zu sprechen, gibt ein Gefühl von Heimat und stärkt den Zusammenhalt im Ort, meint die Bührenerin Dorfmoderatorin Anke Herzmann. Sie organisiert mit zwei ihrer Kollegen die Plattdeutsch-Arbeitsgruppe. 30 Bührener zwischen 13 und 86 Jahren treffen sich alle zwei Wochen im Jugendraum.

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Beherrschen noch das Bührener Platt: Hanna Rahlf, Ilse Reineke und Helga Rinke (v. l.).

Quelle: Michael Caspar

Bühren. Die Tische sind in U-Form aufgestellt. In großer Runde wird lebhaft gesprochen – auf Platt. Herzmann, die zugezogen ist, gibt im Platt ihrer norddeutschen Heimat die nächsten Termine bekannt. Am Montag, 23. Oktober, bekommen die Bührener Besuch aus Adelebsen. Andreas Kompart von der dortigen Plattgruppe hat sich angekündigt.

Dann geht es in die Kleingruppen. Dort trauen sich auch die zu Wort, die den Dialekt erst noch lernen wollen. Eine Gruppe zieht sich in die Kirche zurück, eine andere in den Bewegungsraum des Kindergartens im Erdgeschoss. „Inköpen“ (einkaufen) ist das heutige Thema. „Zwetschenkauken“ (Pflaumenkuchen) ist im Dorfladen im Angebot, erklärt Dorfmoderatorin Anna-Lena Surup im Rollenspiel. Für einen „Taner“ (Zehner) wird zugelangt. Es bleibt noch Zeit fürs „Leechen“ (Herziehen) über die Nichtanwesenden.

MIt der Schubkarre nach Hause

Hilmar Korf, der zusammen mit den anderen Kleingruppenleitern Albert Dempewolf, Rolf Flecken und Helga Rinke das Platt noch flüssig spricht, erzählt von früher. Da wurde Likör in großen Gefäßen angesetzt und mit dem Schlauch in Flaschen abgefüllt. Wer beim Ansaugen auch an sich dachte, musste hinterher mit der Schubkarre nach Hause gefahren werden, amüsiert sich Korf.

Willi Pape von der Hemelner Plattgruppe erzählt von einem Bauern, der am Schlachtetag in der Küche auf dem Teller Knochen spaltete. Als er den dritten Teller zerschlagen hatte, warf ihn die Frau hinaus. In Papes Kleingruppe gibt es Tipps zum Zubereiten von Linsensuppe: Ein Brathering verleiht dem Gericht eine pikante Note.

Danach sitzen wieder alle im Jugendraum in großer Runde zusammen. Bier, Cola und Mineralwasser steht auf den Tischen. Helga Rinke liest eine Geschichte auf Platt vor. Sie spielt in den ersten Nachkriegsjahren. Da fischte ein Flüchtling aus den deutschen Ostgebieten den Speck aus der Suppe und verpackte sie sorgfältig. Die Delikatesse wolle er Frau und Kindern mitbringen, erklärte er seinem Chef, einem Bauern. „1946/47 verdoppelte sich in Bühren die Zahl der Einwohner auf 1000 Menschen“, erinnert sich Rinke an ihre Kindheit.

Schweine durchs Dorf getrieben

Die Flüchtlinge halfen auf den Bauernhöfen. Frauen und Kinder gingen nach der Ernte noch mal über die Felder. Sie sammelten Kartoffeln auf. Bei der Getreideernte mit der Sense fiel manche Ähre zu Boden. Damals wurden noch die Schweine durchs Dorf getrieben, erzählen andere. Vom Eber gedeckte Sauen bekamen einen blauen Strich zwischen die Schultern gemalt. Die Stimmung ist gelöst.

„Es gibt vielleicht noch 30 Bührener, die gut Platt sprechen“, schätzt Rinke. Früher hätten viele Kinder erst in der Schule Hochdeutsch gelernt. Doch im Laufe der vergangenen Jahrzehnte sei Platt aus der Mode gekommen. Um so mehr freut sie sich, dass die jungen Leute den alten Dialekt wieder erlernen wollen. Der jüngste in der Gruppe ist der 13-jährige Arne Dempewolf.

Die Plattgruppe trifft sich das nächste Mal am Montag, 9. Oktober, um 19 Uhr im Bührener Jugendraum, Oberdorfstraße 5.

Von Michael Caspar

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