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Spuren von steinzeitlichem Erdwerk entdeckt

Kreisarchäologie untersucht Gelände bei Niedernjesa Spuren von steinzeitlichem Erdwerk entdeckt

Vor den Toren von Niedernjesa sind Spuren steinzeitlicher Siedlung entdeckt worden. In dieser Woche haben die Archäologen des Landkreises Göttingen und Wissenschaftler der Uni Regensburg gemeinsam Spuren eines neolithischen Erdwerks freigelegt.

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Kreisarchäologin Andrea Bulla und Grabungsleiterin Binnie Feierabend (2. und 3. v. r.) erläutern den Befund der Schnittgrabung in Niedernjesa.

Quelle: Niklas Richter

Niedernjesa. Wo in den vergangenen Wochen die Maisfelder abgeerntet wurden, lag zwischen 5300 bis 3500 vor Christus südöstlich des heutigen Friedhofs ein bis zu vier Hektar großes Areal – außerhalb der Siedlung und von Graben und Palisadenzäunen eingefasst. Eine genauere Datierung ist nach jetzigem Stand nicht möglich. Welche Funktion diese Anlagen hatten, ist in der Wissenschaft durchaus umstritten. „Es könnte sich um einen kultischen Versammlungsplatz gehandelt haben“, erklärt Kreisarchäologin Andrea Bulla. Auch die Nutzung als Viehpferch oder Fluchtburg würden als mögliche Funktionen in Frage kommen. Sicher sei nur, dass es sich um eine Gemeinschaftsarchitektur gehandelt habe.

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Grabungen östlich von Niedernjesa

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An nur vier Stellen im Bereich des Landkreises Göttingen wurden bisher ähnliche Entdeckungen gemacht. Neben Niedernjesa gibt es steinzeitliche Erdwerke in Obernjesa, Diemarden und Seulingen. Die Form der Anlagen, die sich in ganz Mitteleuropa finden lassen, variiert von kreisrund bis eckig. Mal werden im Innenraum Reste von Bebauung entdeckt, Mal sind die Flächen frei. Allen gemein ist der umlaufende Graben und eine Umzäunung. Dabei macht das Niedernjesaer Erdwerk keine Ausnahme.

Dass das entdeckt wurde, verdanken die Archäologen dem mittlerweile verworfenen Vorhaben der Gemeinde Friedland, hier ein Baugebiet zu entwickeln. Durch frühere Begehungen sei das Areal als Fundstelle steinzeitlicher Gegenstände bekannt gewesen, so Bulla. Im Jahr 2014 habe man dann mithilfe geomagnetischer Prospektion das großräumige Bodendenkmal lokalisiert. Auf den Aufnahmen erkennt der Laie zwei parallel verlaufende Linien in Form eines Viertelkreises. Für die Archäologen war klar, hier verlief ursprünglich ein innerer Ring aus Palisaden mit einem Durchmesser von 200 Metern und ein umlaufender Graben. Ob dazwischen ein Wall aufgeschüttet war, lässt sich heute bestenfalls vermuten. Der wäre wie auch die restlichen Teile des Rings den Bodenarbeiten und der Erosion der Jahrtausende zum Opfer gefallen.

Landwirt überlässt Wissenschaftlern das Feld

Um die Ergebnisse der geophysikalischen Erforschung bestätigen zu können, hat die Kreisarchäologie in einem Gemeinschaftsprojekt mit den Regensburger Forschern eine wenige Meter lange Schnittgrabung vorgenommen. Der Landwirt hat den Archäologen das Feld vorübergehend überlassen, indem er zwischen der Maisernte und der anschließenden Aussaat eine Pause eingelegt hat.

Zufrieden weist Grabungsleiterin Binnie Feierabend in die Grube, in der Studenten die Erdschichten untersuchen und im Maßstab 1:20 abzeichnen. Deutlich sichtbar ist eine dunkle Verfärbung in halbrunder Form: der Graben. Einige Meter weiter zeigt sich die gleiche dunklere Erde in Form einer senkrechten Vertiefung. Hier steckten die Pfähle mehr als einen Meter tief im Boden. „Man geht davon aus, dass die vierfache Länge aus dem Boden ragte“, sagt Bulla. Am Freitag wird das Loch wieder zugeschüttet, der Fund verschwindet unter der Erde und die Studenten beginnen mit der Auswertung.

Wenn die Niedernjesar künftig ihren Blick über die Fläche östlich des Ortes schweifen lassen, können sie mit etwas Fantasie eine große umzäunten Kultstätte erkennen.

Von Markus Scharf

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