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Haben Ohrenkneifer das Wasser verunreinigt?

Lichtenhagen Haben Ohrenkneifer das Wasser verunreinigt?

Haben Ohrenkneifer einen Teil des Trinkwassers in der Gemeinde Friedland verunreinigt? Diesen Verdacht hegt zumindest der zuständige Wasserverband Leine-Süd. Sicher ist: Das Trinkwasser in Lichtenhagen, Reiffenhausen und Niedergandern ist mit Bakterien belastet. Betroffen sind 300 Haushalte.

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So wie Ruth Haepe müssen die Einwohner in den Orten derzeit ihr Wasser abkochen. Oder sich mit Wasser aus dem Supermarkt behelfen.

Quelle: Vera Wölk

Friedland. Die Verunreinigung war bei einer Routinekontrolle aufgefallen. Bei den Bakterien handelt es sich nach Angaben des Gesundheitsamtes für Stadt und Landkreis Göttingen um Coliforme Bakterien, Escherichia coli (E. coli) und Enterokokken. Diese seien sogenannte Indikatorbakterien, die selbst nicht krank machten. Durch die Anzeige von Indikatorbakterien solle ein größtmöglicher Schutz vor Seuchen beziehungsweise Krankheitserregern sichergestellt werden. So könne frühzeitig gehandelt werden. „Da mit dem Nachweis von E. coli und Enterokokken ein Hinweis auf mögliche fäkale Einträge besteht, wurden Sofortmaßnahmen angeordnet“, so das Gesundheitsamt.

Folge: Getrunken werden darf nur abgekochtes Wasser, das einmal auf 100 Grad Celsius, also sprudelnd, erhitzt wurde. Auch zur Zubereitung von Nahrung, zum Zähneputzen und zum Reinigen offener Wunden darf nur abgekochtes Wasser genutzt werden. Für die Toilettenspülung und ähnliche Zwecke kann das Wasser ohne Abkochen genutzt werden.

Außerdem wird das Wasser derzeit aus Vorsorgegründen gechlort. Das könne zu vereinzelten Geruchsbelästigungen und Geschmacksbeeinträchtigungen führen, „die jedoch nicht gesundheitsgefährdend sind“, erklärt der Verband. „Mit diesen Maßnahmen ist eine zuverlässige Abtötung von möglichen Krankheitserregern sichergestellt“, ergänzt das Gesundheitsamt.

Unterdessen laufen die Untersuchungen zur Ursache auf Hochtouren. In Reiffenhausen und Niedergandern gehen Gesundheitsamt und Wasserverband derzeit davon aus, dass die Verunreinigungen des Wassers durch starke Niederschläge in den vergangenen Tagen entstanden sein könnten.

Was die Ursachenforschung in Lichtenhagen betrifft, hat Christoph Kraaibeek, Technischer Geschäftsführer des Wasserverbandes, noch eine andere, kuriose Theorie. Der Ort wird derzeit aus einem großen Tank mit Wasser versorgt, weil ein neuer Hochbehälter gebaut wird. Und in diesem Tank seien ebenfalls Bakterien gefunden worden, sagt Kreibeek. Eine möglich Ursache: „Dort sind Ohrenkneifer reingekrabbelt“, sagt Kreibeek, das habe man bereits festgestellt. Die Tierchen könnten das Wasser durchaus mit Bakterien verunreinigt haben. „Das ist sehr ungewöhnlich, so etwas haben wir noch nie gehabt“, erklärt der Technische Leiter. Das sei aber bislang nur eine Vermutung.

Unterdessen haben Wasserverband und Gemeinde Friedland Informationsschreiben an die Haushalte in den betroffenen Dörfern verteilt. „Wir haben die Verunreinigung erkannt und sofort gehandelt“, sagt Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD). „Das hat super geklappt.“ Derzeit sei keine Gefahr im Verzug. „Ich möchte alle Bürger zur Ruhe aufrufen. Das ist nichts Schlimmes. Das abgekochte Wasser kann jeder trinken, auch Babys“, betont der Bürgermeister.

Wann das Problem behoben ist und das Wasser in den drei Ortschaften wieder bedenkenlos getrunken werden kann, ist derzeit noch offen. Er gehe derzeit von etwa einer Woche aus, sagt Kreibeek. „Das ist schwer einzuschätzen. Aber wir arbeiten mit Hochdruck daran.“ Die Bürger würden rechtzeitig informiert.

Weitere Auskünfte erteilt der Wasserverband unter den Rufnummern 05504/937760 und 0171/9353786. Das Gesundheitsamt ist telefonisch erreichbar unter 0551/4004802.

Bürger hoffen auf schnelle Lösung

Bakterien im Trinkwasser: Das hat natürlich auch Auswirkungen auf das Leben der Einwohner in den betroffenen Ortschaften Lichtenhagen, Reiffenhausen und Niedergandern. Sie hoffen vor allem, dass das Problem so schnell wie möglich gelöst wird.  

So auch Annette Wollenweber. Die Betreiberin des Gasthauses Wollenweber in Lichtenhagen muss jetzt sogar das Wasser abkochen, mit dem sie Salat für ihre Gäste wäscht. „Wir hatten die vergangenen Tage nicht so viel Betrieb und dadurch Glück“, sagt Wollenweber. Dennoch hofft sie, dass das Problem schnell behoben wird.

Ortsbürgermeisterin Anni Dembke (SPD) findet die Verunreinigung des Wassers "schlimm". Doch die Vorgaben zum Abkochen des Wassers seien für die Gesundheit der Einwohner von enormer Bedeutung. „Wichtig ist auch, dass der Bau des neuen Hochbehälters schnell vorangeht, damit so etwas nicht nochmal passiert“, erklärt Dembke. Zufrieden ist sie aber mit den Informationen durch den Wasserverband Leine-Süd. Denn es seien nicht nur Zettel verteilt worden. Mitarbeiter des Wasserverbandes hätten auch an den Haustüren geklingelt und die Menschen persönlich informiert.

Dies bestätigt auch Niederganderns Ortsbürgermeister Melchior von Bodenhausen (CDU). „Ich vermute, dass die Regenfälle der vergangen Woche eine Ursache für die Probleme sind“, sagt er. Wichtig sei aber, dass nach der Ursache gesucht werde. Außerdem hofft er, dass in wenigen Tagen alles wieder vorbei ist: Seine Pferde hätten nur noch für einige Tage Wasser. „Wenn nicht, dann muss ich mir für ihre Wasserversorgung etwas überlegen“, so von Bodenhausen.

Auch Dagmar Hildebrand-Linne (SPD), Ortsbürgermeisterin von Reiffenhausen, lobt die Arbeit des Wasserverbandes. Dessen Mitarbeiter seien noch am Dienstagabend in Reiffenhausen von Tür zu Tür gegangen. Auf dem Campingplatz in Reiffenhausen haben die Betreiber Wasser an die Camper verteilt. „Zudem haben wir an allen Wasserhähnen Zettel angebracht, dass das Wasser nicht zum Trinken geeignet ist“, berichtet der Vorsitzende Peter Schoonewolf.

Die meisten Einwohner in den betroffenen Orten haben sich mit Wasser bevorratet, das sie zum Kaffee kochen benutzen können. Dennoch hoffen sie, dass sie das Leitungswasser so schnell wie möglich wieder ohne Einschränkungen benutzen können.

Von Vera Wölk

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