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Rentner kommen zur „Lügenbank“

Kult in Krebeck Rentner kommen zur „Lügenbank“

Sie ist Nachrichtenbörse und Treffpunkt mit Kultstatus. Auf der "Lügenbank" im Krebeck treffen sich täglich vorwiegend Rentner, um über "Gott und die Welt" zu sprechen. Auch Einwohner aus anderen Orten machen gerne einen Zwischenstopp an der überdachten Sitzgelegenheit.

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Heinrich Fischer, Heinz Sorhage, Georg Rudolph und Adelbert Heine (v.l.) sind regelmäßige Besucher der Lügenbank.

Quelle: art

Krebeck. "Wer mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist, bleibt stehen und dann wird sich unterhalten und geprahlt", sagt Heinz Sorhage und ergänzt: "So wissen wir, was in Südniedersachsen geschieht." Während der vergangenen Wochen machten auch viele Autofahrer einen Stopp, die durch die Sperrung der Bundesstraße 27 nicht mehr wussten, wie sie weiterfahren sollten. "Wir zeigen denen dann den besten Weg, den es gibt", sagt der 75-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Holzkonstruktion dient als Schutz

Die Geschichte des Treffpunkts beginnt Anfang des Jahrtausends als sich sechs Rentner regelmäßig auf einer Bank am Ellerbach in der Nähe des Ortsausgangs Richtung Krebeck trafen. "Dann haben wir uns gedacht, dass es auf der anderen Seite besser ist", erzählt Sorhage. 
Den Worten folgten Taten, die Sitzgelegenheit wurde wenige Meter weiter auf die andere Seite der Straße versetzt und aufgebockt, um bequemer und höher sitzen und einfacher aufstehen zu können. Einige Zeit später kam eine zweite Bank hinzu. Um nicht länger Regen und Ungeziefer ausgeliefert zu sein, das von den Lindenbäumen fällt, errichteten die engagierten Krebecker eine Holzkonstruktion als Schutz.

Nutzer der Bank und weitere Einwohner unterstützten das Vorhaben mit Geld- und Sachspenden. Sie steuerten unter anderem Platten, Kies und Betonrosten aus einem Schweinestall als Unterlage bei. Handwerklich begabte Krebecker brachten ihr Können und Wissen ein, "wie das auf dem Dorf eben so ist", betont Sorhage.

Am Morgen nach dem Richtfest erlebten die Initiatoren eine Überraschung. Über der Bank hing an der Holzkonstruktion ein Schild mit der Aufschrift "Lügenhütte". "Wir haben eine Vermutung, wer es gemacht hat, aber er hat das nie gesagt", berichtet der gebürtige Krebecker.

Rentner wollen Neuigkeiten hören

Die meisten Besucher kommen montags bis sonnabends ab 9.30 Uhr zu der Bank, einige bleiben eine halbe Stunde, andere länger. Viele kommen nachmittags wieder, um die Gesprächsrunde fortzusetzen. „Ich möchte Neuigkeiten aus dem Ort hören“, beschreibt Adelbert Heine, warum er gerne an dem idyllisch gelegenen Ort vorbeischaut. „Mein Hund geht beim Gassigehen immer nur bis zu der Bank“, berichtet Georg Rudolph, wie er zu der rüstigen Rentnergruppe gestoßen ist.

“Wir haben hier auch schon Geburtstage gefeiert und gegrillt", erläutert Heinrich Fischer. Jeden Sonnabend spendiert einer der Bankbesucher Bienenstich vom mobilen Bäcker aus Renshausen, der vor dem Unterstand hält. Abends werde die Bank ebenfalls gerne angesteuert, an Sonntagen begegnen sich die Stammbesucher oft an anderer Stelle, erzählt der 67-Jährige.

Auch im Winter möchten die Krebecker ihren Treffpunkt zumindest für eine Viertelstunde nicht missen und kleiden sich entsprechend und setzen sich auf Kissen. Die Inhalte der Gespräche reichten vom neuesten Klatsch und Tratsch aus Krebeck bis zur Weltpolitik und aktuellen Sportereignissen. Die Rentner von der "Lügenbank", deren ältestes Mitglied 80 Jahre alt ist, sind wiederum schon desöfteren ein Thema in den Büttenreden des Krebecker Karnevals gewesen. Auch künftig lautet nach Sorhages Worten das Motto der Gruppe: „Lügen tun wir nicht, aber wir übertreiben manchmal.“

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