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Wallfahrtsauftakt in Germershausen

Frühjahrsputz Wallfahrtsauftakt in Germershausen

Zur Halbzeit der Fastenzeit begrüßte Pfarrer Michael Kreye die Gläubigen zur Wallfahrtseröffnung in Germershausen. Es sei die Zeit zu überlegen, was von den Vorsätzen für die Fastenzeit noch übrig geblieben sei. Zelebrant Jan Opiéla aus Köln verglich den Kirchgang gar mit dem Frühjahrsputz.

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Quelle: NR

Germershausen. „Man sagt, die Sonne bringt es an das Tageslicht“, so Opiéla, Seelsorger für Sinti und Roma im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz. Sie zeige jetzt im Frühjahr, das die Fenster geputzt werden müssten. „Und wenn das Licht dann reinscheint, sehen wir den Grauschleier auf den Gardinen.“ Und so sei es auch bei den Gläubigen. Sie müssen auch immer wieder mit sich ins Reine kommen. So sei das „Kyrie“ zu Beginn des Gottesdienstes wie ein Durchwischen. Bei diesem „Durchwischen“ sprach Opiéla an, dass die Menschen bei Umweltthemen oft Tomaten auf den Augen hätten und sie mit Blindheit geschlagen seien im Umgang mit anderen Menschen. Und so sei es durchaus gut, wenn frischer Wind für raumgreifende Ideen und klaren Durchblick sorge.

Eine Glaubensgeschichte

Die Wunderheilung eines Blindgeborenen durch Jesus aus dem Johannesevangelium stand im Mittelpunkt der Predigt. Der Seelsorger erklärte, dass zu der damaligen Zeit, eine Behinderung als Strafe Gottes galt. Und jemand, der damit geboren sei, büße für die Sünden seiner Vorfahren. Jesus aber habe die so genannte Kausalitätenkette durchbrochen, indem er den Blinden heilte. Dabei habe die Geschichte auch immer noch aktuelle Bezüge, wenn man sie im übertragenen Sinn sehe. Am Ende sei es keine Heilungs- sondern eine Glaubensgeschichte. „Uns wird die Geschichte eines ganz persönlichen Durchbruchs zum Glauben erzählt“, erklärte der Pfarrer. So sei der Blinde sehend geworden, während die Pharisäer nicht mehr den Durchblick gehabt hätten. Vielleicht sei ein Wallfahrtsort wie Germershausen gut dafür, um einen Glaubensdurchblick zu erhalten. „Jeder kann überprüfen, an welcher Stelle der Geschichte er sich befindet“, so Opiéla.

Am Ende kehrte der Pfarrer noch einmal zum Frühjahrsputz zurück. „Denn wenn man beim Fensterputz nicht richtig bei der Sache ist, gibt es Streifen“, zog er wieder den Vergleich zum Glauben. Denn das passiere auch, wenn sich die Christen uneins seien und miteinander stritten.

"Gehet hin und bleibet und höret zu"

Opiéla beendete den Gottesdienst mit den Worten: „Gehet hin und bleibet und höret zu.“ Und die, die blieben, wurden noch mit einer kkurzen Matinee des Kinder- und Jugendchores Pueri Cantoris der Singschule St. Aegidien aus Braunschweig unterhalten. Die rund 70 Kinder weilten am zu einem Übungswochenende in der Bildungsstätte St. Martin und Gaben in der Kirche ein Abschlusskonzert.

Miteinander auf den Weg gemacht

„Miteinander auf den Weg gemacht“, verkündete Cornelia Kurth-Scharf von der katholischen Frauengemeinschaft Germershausen zum Ende der Wallfahrtseröffnung sei das Motto für das Jahr 2017. Auf einen modernen Weg gemacht habe sich die Kirche im Ort. „Wir haben uns entschlossen, die neuen Medien einzusetzen“, erklärte sie. Denn auf den herkömmlichen Wegen erreiche man nicht mehr alle Generationen. Und so würden die Neuigkeiten auch über Internet, Smartphone, Facebook und Apps verbreitet. „Und ich war erstaunt, als mich gestern ein junger Mann anrief und fragte, ob die Wallfahrtseröffnung stattfinde“, sagte sie. Der junge Mann war Lukas Schlicht. Der 26-Jährige Architekturstudent aus Weimar machte sich dann gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Marcus auf den Weg, von Weimar nach Heiligenstadt mit dem Zug, von dort zu Fuß. „Um 17 Uhr sind wir in Heiligenstadt losgegangen“, erzählt er. Gegen 21 Uhr kamen sie in Germershausen an, wo sie dann am Fluss ihr Zelt aufschlugen. „Es war eisig kalt und wir haben auch nicht geschlafen“, berichteten sie. Aber die Tour sei gut gewesen, um den Kopf freizubekommen. Denn in zwei Monaten muss Lukas Schlicht seine  Masterarbeit abgeben, den Entwurf einer Wallfahrtskirche. Und dafür hatten die Pfarrer Michael Kreye und Jan Opiéla auch noch einige Tipps für ihn. Der Weg hatte sich gelohnt.

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