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Die wechselvolle Geschichte des Waterloo

Gasthaus, Stripbar und Spielhalle Die wechselvolle Geschichte des Waterloo

Es hatte schon viele Namen, vom „Gasthaus Waterloo“ bis zur „Ponderosa“: Das ehemalige Gasthaus auf dem Grundstück bei Benniehausen wird in diesem Jahr 200 Jahre alt. Was 1817 von dem Soldaten Christoph Heinrich Hoffmann aufgebaut wurde, ist heute zugewachsen, verfallen und ungenutzt.

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Das Gasthaus Waterloo in früherer Zeit.

Quelle: r

Benniehausen. Tatsächlich trägt dieser ehemalige, beliebte Ausflugsort in der heutigen Gemeinde Gleichen nicht nur den Namen des Dorfes Waterloo, das durch Napoleons letzte Schlacht im Jahr 1815 so bekannt geworden ist - die Schlacht bei Waterloo -, sondern steht auch mit diesem Geschichtsereignis in Verbindung. Einer der Soldaten dieser Schlacht war nämlich Christoph Heinrich Hoffmann, der auf der Seite des ersten Kurhannoverschen Infanterie-Regiments gekämpft hat. Der in Rittmarshausen geborene Mann bekam nach dem Sieg zum Dank für seine Dienste ebendieses Stück Land bei Benniehausen geschenkt, auf dem er das Gasthaus Waterloo errichtete.

Gasthaus, Stripbar und Spielhalle

„Das Waterloo hat mehrere Gesichter“, sagt Heike Sauerland. Sie ist Mitglied des Benniehäuser Arbeitskreises Ortsheimatpflege und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte dieses Hauses mit seinem Grundstück zu erforschen. „Wir wollen zu jedem Haus im Ort die Geschichte recherchieren“, ergänzt Katharina Wille, die ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises ist. So sei das Waterloo in seiner 200-jährigen Geschichte bereits Gasthaus, Stripbar und auch Spielhalle gewesen, bevor es nach einem Brand im Jahr 1986 über unterschiedliche Verkäufe und Versteigerungen 2009 in die Hände des heutigen Besitzers Jürgen Witter gelangte, der es seitdem nicht nutzt. Ein Zaun grenzt das Grundstück ab, Bäume und Büsche gewähren nur einen Blick auf ein paar rote Ziegel des einen Hauses - das Haupthaus brannte 1986 ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

Profit durch die Gartetalbahn

Doch wo jetzt nichts mehr zu sehen ist, herrschte lange Zeit Hochbetrieb: „Hoffmann hat die Gaststätte rund 40 Jahre geführt“, erzählt Sauerland. Weitere knapp 100 Jahre führten Nachfahren des ehemaligen Soldaten das Gasthaus weiter, wie die Benniehäuserin berichtet. Juliane Manzel sei die letzte Gastwirtin gewesen, die mit dem Erbauer durch Heirat verwandt war - und das Waterloo bis 1956 führte. Was dem Gasthaus lange Zeit zugute kam, war die Gartetalbahn, die von 1897 bis 1959 zwischen Göttingen und Rittmarshausen verkehrte. Eine Station: die Haltestelle Waterloo. In dieser Zeit seien viele Studenten und Wochenendgäste regelmäßig mit der Bahn gekommen und im Waterloo eingekehrt.

„Außerdem wurden Filme im Gartetal gedreht“, erzählt Wille - so beispielsweise „Der tolle Bomberg“. Schauspieler und andere Mitglieder der Filmcrews hätten dann im Waterloo logiert, denn das hatte auch Zimmer zum Übernachten. Der 81-jährige Werner Hitzing, Initiator und Mitglied des Ortsheimatpflege-Arbeitskreises in Benniehausen hat noch viele persönliche Erinnerungen an die Gaststätte. Zum Beispiel an den damaligen Sportverein GSW Waterloo: „Der wurde 1946 da gegründet“, erzählt er, das Waterloo sei das Vereinslokal gewesen. „Da wurde gefeiert oder alles heruntergespült“, sagt er scherzend.

Das Gasthaus Waterloo heute und früher.

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Und ihn verbindet noch eine wesentlich persönlichere Erinnerung mit dem Lokal: „Ich habe dort meine Frau kennengelernt“, sagt Hitzing. Das sei zu der Zeit gewesen, als die Familie Nikolaus von 1955 bis etwa 1961 das Gasthaus pachtete und mit Schankwirtschaft und Landküche weiterführte. „Ich war jeden Tag da, wenn meine Frau auch da war“, erzählt Hitzing, in Erinnerungen schwelgend. Sie habe dort abends bedient. Zu dieser Zeit habe das Gasthaus auch nochmal eine „Blütezeit“ gehabt: „Da wurden viele Hochzeiten gefeiert und es waren oft Feriengäste da“, sagt der 81-Jährige.

Von der Ponderosa zum Nachtclub

Es folgten noch wildere Zeiten: Von 1963 bis 1969 war das Waterloo eine Wildwest-Disko mit dem Namen „Ponderosa“. „Der Besitzer hatte zwei Affen“, erzählt Hitzing, die seien immer eine Attraktion gewesen - und auch mal ausgebüxt.

Aus der Ponderosa wurde anschließend der Nachtclub „Pigalle“. „Es gab immer Schlagzeilen, dass es dort drunter und drüber ging“, erzählt Wille. Vom „Verfall der Sitten“ sei die Rede gewesen. In einem Tageblatt-Artikel aus dem Jahr 1969 wird der damalige Bürgermeister Helmut Stahlke mit den Worten „Wieso soll der Benniehäuser nach Göttingen fahren, wenn er sich einen Strip ansehen will?“ zitiert.

Auf den Nachtclub folgte der letzte Betreiber: Der Koreaner Soong Bong Kang machte aus dem Waterloo einen Spielbetrieb mit dem Namen „Rouletta 24“. Doch mit dem Brand hatte es sich ausgespielt. 200 Jahre nach der Gründung des beliebten Ausflugsziels ist nur noch eine eingezäunte Ruine vom Waterloo übrig geblieben.

Mehr zur Waterloo-Geschichte: www.benniehausen.de

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Von Redakteur Hannah Scheiwe

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