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Landwirtschaft statt Affenforschung

Sennickerode Landwirtschaft statt Affenforschung

Es ist ein kleines Natur-Eldorado in Südniedersachsen und bis heute wissen nur wenige, dass dort bis 2008 mehr als 100 Affen gelebt haben. Denn die Universität Göttingen hat ihre Forschungsanlage längst verlassen. Jetzt soll das sechs Hektar große Areal südwestlich von Göttingen für die Landwirtschaft ausgewiesen werden.

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Quelle: Hinzmann

Sennickerode. Nur ein großes Gewächshaus mit Heizung und auffällig großer Schiebe-Öffnung sowie Betonfundamente in inselartig angelegten Wäldchen auf dem großen Areal zeugen heute noch von der ursprünglichen Nutzung der versteckten Anlage bei Sennickerode. "Wohl mehr als 100 Weißbüscheläffchenin aus der Primatenfamilie der Krallenäffchen haben hier gelebt", erinnert sich der Diplombiologe Eckhardt Wiesenthal. Um ihr Verhalten zu studieren, seien sie gechipt gewesen.

"Die Station war zugleich 'der' Krallenäffchenlieferant für Zoos in Europa und weit darüber hinaus", ergänzt Wiesenthal. Der Biologe berät mit seinem Bruder schon seit vielen Jahren Zoos und Tierparks bei der Planung neuer Anlagen. Inzwischen sind sie die neuen Mieter des Geländes einschließlich eingeschossigem Verwaltungsgebäude mit Büros, Sanitäranlagen und einem 200 Quadratmeter großen Gewächshaus - das einstige Affenhaus.

Kein Affe abgehauen

"Schon das war beeindruckend", sagt Wiesenthal, noch mehr aber die weitere Struktur der Anlage. Auf der weitläufigen Fläche gab es elf feste Holzhütten in kleinen inselartigen Wäldchen für bis zu elf Affenfamilien. Über Solitärbäume, Laten und Schaukeln konnten die Affen vom Gewächshaus zu dem Bauminseln gelangen und zwischen ihnen hin und her springen. Abgesehen von einem normalen Zaun war das Areal nicht weiter abgeriegelt, "trotzdem ist kein Affen abgehauen". Krallenäffchen lebten ausschließlich in hohen Baumwipfeln und vermieden konsequent offenes Gelände, erklärt der Experte, das Areal sei aber von einem Grünstreifen ohne Bäume und Büsche umgeben gewesen.

1995 hatte die Universität Göttingen das Gelände gepachtet, erschlossen und bebaut: für Verhaltensstudien an Krallenäffchen durch das Institut für Anthropologie. Die Einrichtung wurde aufgegeben, als die verantwortliche Professur auslief. Zuvor lebte die Primatenkolonie in Göttingen an der Bürgerstraße. Mehr Informationen liegen der Uni nicht vor. "Es gibt keine alten Unterlagen und wir finden auch keine ehemaligen Mitarbeiter mehr, die wir fragen können", bedauert Uni-Pressesprecher Romas Bielke.

Leineschafe statt Affen

Sicher sei allerdings, dass die Universität ihre Gebäude eigentlich wieder abreißen muss, wenn es keinen Nachnutzer gibt. Die gibt es mit den Wiesenthal-Brüdern, sie sind bereits neue Pächter. Die Tirparkplaner wollen das Areal vor allem landwirtschaftlich nutzen und dort Leineschafe züchten. Das ist allerdings nur möglich, wenn die Gemeinde Gleichen das Gelände im Flächennutzungsplan dafür ausweist. Zurzeit darf es ausschließlich als Sonderbaufläche und Hochschulgebiet für Primatenforschung genutzt werden, erklärt der Bürgermeister der Gemeinde Gleichen, Manfred Kuhlmann (SPD). Das Änderungsverfahren laufe aber bereits - auf Kosten der Universität.

Unterdessen habe sich die Fläche als kleines Naturparadies entwickelt, schwärmt Wiesenthal: "Hier leben Dachse und Siebenschläfer, Eidechsen und Blindschleichen, der Milan, Uhus und unzählige Singvögel." Und vielleicht bald auch Schafe.

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