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Jugendliche begeistern mit Graffito auf Turnhalle Diemarden

Graffiti gegen Menschenfeindlichkeit Jugendliche begeistern mit Graffito auf Turnhalle Diemarden

Mit einem Fest haben die Diemardener ihr Projekt „Graffiti gegen Menschenfeindlichkeit“ gefeiert und (vorerst) abgeschlossen. Das Sozialprojekt mit 18 Kindern und Jugendlichen findet überregional Beachtung und „kommt vor allem auch im Dorf gut an“, bestätigte Ortsbürgermeister Martin Worbes am Wochenende während einer Graffiti-Feier.

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Das Graffiti-Projekt in Diemarden mit politischem Hintergrund begeistert die Jugendlichen und Dorfbewohner.

Quelle: Arne Bänsch

Diemarden. Mit einem Fest haben die Diemardener ihr Projekt „Graffiti gegen Menschenfeindlichkeit“ gefeiert und (vorerst) abgeschlossen. Das Sozialprojekt mit 18 Kindern und Jugendlichen findet überregional Beachtung und „kommt vor allem auch im Dorf gut an“, bestätigte Ortsbürgermeister Martin Worbes am Wochenende während einer Graffiti-Feier.

Sie sind spürbar stolz auf ihr Graffito - aber auch auf ihre Gruppe, die in den vergangenen Wochen mit der Arbeit zusammengewachsen ist. 18 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 19 Jahren hatten in dieser Zeit Ideen und Skizzen entworfen, über mögliche symbolische Botschaften diskutiert, sich mit Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Kunst auseinandergesetzt und schließlich während einer Projektwoche das große Graffito mit dem Kunstpädagogen Thomas Deisel an die Wand der Diemardener Turnhalle gebracht. Entstanden ist ein ein 45 mal 3,80 Meter großes Bild. Im Mittelpunkt steht der große Schriftzug „FRIEDEN“ in sonnigen Farben auf blauem Grund. Eingebettet ist es in die Flaggen-Symbole der meisten Staaten der Erde. Den oberen Abschluss bildet ein Band aktiver Sportler-Figuren – die passende Verbindung zur Sporthalle.

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Mit einem Fest haben die Diemardener ihr Projekt „Graffiti gegen Menschenfeindlichkeit“ gefeiert und (vorerst) abgeschlossen. Das Sozialprojekt mit 18 Kindern und Jugendlichen findet überregional Beachtung und „kommt vor allem auch im Dorf gut an“, bestätigte Ortsbürgermeister Martin Worbes am Wochenende während einer Graffiti-Feier.

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Das Motiv haben die Jugendlichen selbst entwickelt. „Das war ein so unglaublich spannender und toller Prozess“, bilanziert die Gleichener Jugendreferentin Lara Goerres. Die Gruppe habe sich sehr intensiv und offen auch mit Gewalt und Frieden, Vandalismus und Kunst auseinandergesetzt und gelernt, wie wichtig demokratische Prozesse sind. „Sie sind zusammengewachsen und es sind neue Freundschaften entstanden“, ergänzte Goerres. „Natürlich“ habe es vor allem bei den jüngeren auch Ängste und Sorgen gegeben, ob sie der Aufgabe gewachsen sein werden und mit Sprühdosen öffentliche Kunst gestalten können, hatte Moritz Keppler vom Projekt „Respekt für Vielfalt und gegen Menschenfeindlichkeit“ zur Rechtsextremismusprävention im Landkreis Göttingen beobachtet. Mit der Arbeit aber sei ihr Selbstvertrauen gewachsen.

„Wir sind eine Gruppe geworden“

Das bestätigten auch die Teilnehmer. „Am Anfang dachte ich, dass ist aber schwer, den Sprühknopf so lange zu drücken, aber dann war es doch ganz o.k.“, erinnert sich die elfjährige Matilda. Auch Sophie (19) und Luise (17) beschreiben den Prozess als eine ganz besondere Erfahrung - „wir sind eine Gruppe geworden“, bilanzierte Luise. Matilda hatte sich zunächst für den zentralen Schriftzug Freiheit stark gemacht. „Aber dann haben wir überlegt, dass Freiheit in verschiedenen Ländern eine ganz andere Bedeutung haben kann – und uns auf Frieden geeinigt“. Die Idee zu den Sportlern am oberen Bildrand kam von Luise. „Ich hatte dabei auch an die Bundesjugendspiele gedacht“, erklärte sie den Entstehungsprozess.

Anlass für das Projekt waren Farbschmierereien an der Fassade der Sporthalle, über die anscheinend ein politischer Konflikt unter Jugendlichen um extrem rechte und menschenfeindliche Symbolik ausgetragen wurde, erklärte Goerres. Von der Jugendreferentin initiiert entstand die Idee, mit den Jugendlichen über Graffiti zu diskutieren und diese Art von Kunst positiv zu besetzen. An dem Projekt beteiligten sich schließlich Kinder und Jugendliche aus mehreren Ortschaften der Gemeinde Gleichen.

Träger des Projektes war der Sportverein Germania Diemarden in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendbüro Gleichen und dem Modellprojekt „Respekt für Vielfalt“. Finanziell gefördert wurde es von der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Göttingen sowie durch ein niedersächsische Landesprogramm für Demokratie und Toleranz mit zusammen 8000 Euro.

„Im Dorf kommt es ausnahmslos gut an“

„Das Projekt ist einfach nur ganz toll und der zentralen Botschaft kann man eigentlich nichts hinzufügen“, kommentierte Ortsbürgermeister Worbes (Grüne) das Graffito. „Eine klasse Aktion“, sagte auch Gleichens Bürgermeister Manfred Kuhlmann (SPD). Die Jugendlichen hätten mit dem Bild „auch einfach etwas schönes gestaltet“. „Im Dorf kommt es ausnahmslos gut an“, ergänzte der Sportvereinsvorsitzende Hans-Werner Lüther. Und erst Recht bei den Kindern, die daran nicht mitgewirkt haben, aber beim Abschlussfest auf einer langen Folie ordentlich sprühen durften.

„Das ist cool“, schwärmte der neunjährige Raphael nicht nur vom BVB-Logo, das er mit dem 12-jährigen Emilius und anderen Jungs mit Sprühdosen und bunten Fingern gemalt hat. Wie die Farbe von den Fingern später wieder abgewaschen werden kann, weiß Emilius bereits: „mit viel heißem Wasser“.

Von Ulrich Schubert

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