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Schutz nach langem Streit

Landschaftsschutzgebiet Schutz nach langem Streit

Gegen die Stimmen der CDU hat der Göttinger Kreistag in seiner November-Sitzung die Ausweisung großer Teile des Reinhäuser Waldes als Landschaftsschutzgebiet (LSG) beschlossen. Die Ausweisung war und ist hochumstritten.

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Buchen, Flechten, Felsen und Farne finden sich zuhauf im Reinhäuser Wald.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen/Reinhausen. Umstritten deshalb, weil die Schutzvorschriften Waldbesitzern und Felsenkletterern zu weit und Naturschützern nicht weit genug gehen. Waldeigentümer kritisieren, ihnen werde die Nutzung des Forstes derart eingeschränkt, dass ihnen massive wirtschaftliche Nachteile entstünden. Kletterverbände monieren, dass sie auf den markanten Felsüberhängen des Waldes nur noch auf bestimmten Felsen mit und ohne Hilfsmittel klettern dürfen. Das wiederum kritisiert die Naturschutzorganisation Bund Göttingen, weil in ihrer Sicht auch die freigegebenen Felsen potenzielle Lebensräume für die gefundenen seltenen Arten seien.

Die jetzt als LSG ausgewiesenen Flächen umfassen ein großes Waldgebiet südlich von Reinhausen und südwestlich der Landesstraße 568 sowie weitere kleinere Flächen nördlich und südwestlich von Ischenrode und Flächen nördlich und östlich von Reiffenhausen. Spätestens seit dem Jahr 2012 läuft eine teils erhitzt geführte Diskussion über den Schutzstatus der Flächen.

Laut Verordnung umfasst das nun unter Schutz gestellten Gebiet „das bedeutendste Vorkommen von Silikatfelsen (Sandstein) im niedersächsischen Teil des Weser-Leineberglandes. Zusammen mit einigen angrenzenden Gebieten ist hier die größte Gruppe von Abris (Felsüberhängen) in Mitteleuropa anzutreffen. Die Buntsandsteinfelsen weisen eine bedeutende Moos-, Flechten- und Farnvegetation auf und beherbergen den größten Bestand des Prächtigen Dünnfarn in Niedersachsen“ Darüber hinaus weise das Gebiet „für den Naturraum Göttingen-Northeimer Wald große und repräsentative Bestände des Waldmeister-Buchenwaldes und Hainsimsen-Buchenwaldes auf. Hinzu kommen Bachläufe mit Au- und Eichen- Hainbuchenwäldern sowie sehr kleinflächig feuchte Hochstaudenfluren, Grünland und Stillgewässer mit Tauch- und Schwimmblattpflanzen.“

Einige der aufgeführten seltenen Pflanzen wurden erst kürzlich entdeckt – lange nach Beginn der Debatte über den Schutzstatus des Reinhäuser Waldes. Verschiedene Moose und Flechten wurden niedersachsenweit erstmals an den Felsen im Reinhäuser Wald gefunden.

In der Novembersitzung des Kreistags, in der die Entscheidung für die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet schlussendlich fiel, monierte Werner Wille für die CDU, die Verordnung sei “ein Musterbeispiel für überbordende Bürokratie”, die “ideologisch einseitig an den Interessen der Grundbesitzer vorbei” laufe. Er sei “entsetzt über die Überheblichkeit der Fachbehörden” den Waldeigentümern gegenüber.

Das unterschreibt auch Melchior von Bodenhausen, dem große Teile des Reinhäuser Waldes gehören. Nach der Abstimmung des Kreistags im Göttinger Rathaus meldete sich von Bodenhausen in der Bürgerstunde zwar nicht zu Wort, hielt aber beim Verlassen des Ratssaals ein Protestschild hoch. Auf bis zu 60000 Euro jährlich könne sich sein finanzieller Verlust durch die Vorschriften der Landschaftsschutzgebietsverordnung belaufen, schätzt von Bodenhausen. Seit mehr als 800 Jahren sei der Wald im Besitz seiner Familie, die ihn mit Sinn und Verstand nachhaltig genutzt habe. “Doch jetzt”, sagt von Bodenhausen, “fühle ich mich enteignet.”

Von Matthias Heinzel

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