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Hubschrauber mit 1000 PS und Säge

Forstarbeiten mit Helikoptereinsatz Hubschrauber mit 1000 PS und Säge

Die Bahnstrecke zwischen Kassel und Hann. Münden ist derzeit gesperrt. Mit schwerem Gerät und unter Einsatz von Spezialkräften sowie einem Helikopter lässt die Deutsche Bahn AG noch bis zum 31. Juli 1400 Bäume fällen, die bei Unwetter umstürzen und die Strecke blockieren könnten.

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Quelle: sw

Hann. Münden. Stundenlang kreiste der Hubschrauber am Dienstagmorgen über dem Waldstück in Wilhelmshausen. Schon aus der Ferne beobachteten interessierte Besucher, wie Baumkronen und Stämme mit einer Seilwinde aus dem Dickicht gezogen und durch die Luft abtransportiert wurden. 

Als „spektakulären Helikoptereinsatz für den gesunden Forst“ wertete Bahn-Sprecherin Maja Weihgold die Baumsicherungsarbeiten. Vor Ort verwies sie auf die  teils in extremer Steilhanglage verwurzelten Bäume, die „gerade bei extremen Wettersituationen eine erhebliche Gefahr für den Bahnbetrieb darstellen können“. Stürme, Wind und Starkregen seien nach ihren Angaben immer wieder ausschlaggebend für kurzfristige Sicherungsarbeiten, die „nicht selten zu Verspätungen im Bahnverkehr führen“. Daher entschied die Bahn sich, den teils sehr alten Baumbestand entlang der Strecke Hann. Münden – Kassel zu fällen.

„Wir arbeiten bei diesem Vorhaben eng mit der Naturschutzbehörde zusammen“, erklärte Projektleiter Rainer Gleim. Die Arbeiten werden nach seinen Angaben in zwei Abschnitten ausgeführt. Zuerst flog der Helikopter mit einer daran befestigten Säge über den Forst und entfernte hohe Baumkronen und Äste. „In Absprache mit der Naturschutzbehörde entstehen durch die Kappung starker Bäume neue Lebensräume“, erklärte Bahn-Sprecherin Weihgold. 

In einem zweiten Abschnitt werden die Bäume, die im steinigen Boden am Steilhang über der Bahnlinie nicht mehr ausreichend verankert sind, durch Spezialisten gefällt. Ein Hubschrauber sorgt für den Abtransport von Blattwerk und Stämmen in einem Stück. Dies biete nach Angaben von Gleim den Vorteil, dass „Pflanzen, Tiere und Boden weitestgehend geschont werden“. Außerdem könnten die vorhandenen jungen Bäume so besser neue Wurzeln bilden. 

Insgesamt werden bei dem Projekt etwa 1400 Bäume gefällt. Rund 1,5 Streckenkilometer werden nach Angaben von Gleim so innerhalb von 14 Tagen bearbeitet. Eine Alternative zu den Arbeiten mit dem Helikopter gebe es nicht: „Die Abhänge sind so steil, dass wir keinen Unimog mit Seilwinde zum Transport nach oben stationieren können.“ Eine Entsorgung der Stämme nach unten sei ebenfalls ausgeschlossen. „Dann würden die Stämme auf dem Gleisbett liegen.“

„Ich muss mich hundertprozentig auf mein Team verlassen können“, berichtete der Helikopterpilot Peter Schweiger. Außerdem sei es wichtig, sehr präzise zu fliegen und auf die Anweisungen der Einweiser zu achten. „Ich habe nur die Sicht von oben und muss den Abstand zum Boden immer richtig schätzen.“ Dabei helfe dem Österreicher, der schon seit 17 Jahren als Helikopterpilot arbeitet, aber vor allem seine umfangreiche Erfahrung. Sein Modell, eine AS 350 B3, sei ein leichter Mehrzweckhubschrauber mit einem Triebwerk. Mit seinem 1000 PS starken Motor könne er Lasten bis zu 1250 Kilogramm befördern, sagte der 39-Jährige.

Als besonders schwierig ordnete er den Abtransport der Bäume ein, die erst vor Ort gefällt werden. „Dabei hängt ein Teammitglied direkt im Baum und gibt Anweisungen zum Herablassen der Seilwinde.“ Nach der Verankerung der Winde wird der Ast von dem Mitarbeiter abgesägt. „Auf sein Zeichen hin, muss ich den Hubschrauber dann langsam nach oben bewegen und so die Spannung des Seils herstellen.“ Der anschließende Abtransport erfordere besondere Präzision: „Man muss sehr langsam und ruhig fliegen, um niemanden in Gefahr zu bringen.“ sw

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