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Die Gläubigen von Schloss Dillich

Buddha-Tempel hinter alten Mauern Die Gläubigen von Schloss Dillich

463 Einwohner hat Dillich in Nordhessen. Keinen Bäcker, keinen Fleischer - aber neuerdings einen buddhistischen Tempel. Thailändische Mönche und Nonnen haben ein altes Schloss gekauft und in ein Glaubenszentrum umgewandelt. Sie lehren den Weg zum inneren Frieden und teilen ihr Wissen gern.

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Meister Luang Pho im Garten des Schlosses Dillich.

Quelle: dpa

Dillich. Besuchern des Schlosses Dillich im Schwalm-Eder-Kreis schlägt ein verrückter Mix von östlicher und westlicher Kultur entgegen: Die neuen Besitzer des mehrstöckigen Schlosses mit Turm haben das Gebäude innen wie außen nicht umgestaltet. Sie haben es nur ergänzt.
Nun sitzt ein goldener Buddha in einem Zeremonienraum vor einem großen Kamin. Selbstgemalte farbenfrohe Bilder des buddhistischen Lehrmeisters Amnat Klanprachar hängen neben finsteren Gemälden. In einer Bibliothek stehen deutsche Klassiker neben thailändischen Schriften.

Meister Luang Pho (M) und die Mönche Tikino (l) und Teerasit

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Neun Nonnen und sechs Mönche leben in dem Schloss mit 35 Zimmern. Sie tragen orangefarbene Gewänder, haben kahlgeschorene Köpfe. Jeder Besucher wird ruhig, aber freundlich begrüßt.
Buddha Dhamma Bhom Wimutti heißt der Verein, der das leerstehende Schloss gekauft hat. Weil ein Schulungszentrum ein paar Kilometer weiter zu klein geworden war, suchten die Buddhisten ein neues Gebäude - und fanden Dillich. Ihr spiritueller Lehrmeister Amnat Klanprachar habe es gesehen und sofort gesagt: „Das Schloss ist als Tempel geeignet.“
Eine Million Euro sollte das Gebäude kosten, dessen Ursprünge bis zum Jahr 1361 zurückreichen. „Doch wir hatten kein Geld“, sagt Vereinsvorstand Thitiwat Plangkamon. Der Verein nehme keine Beiträge von seinen Mitgliedern. Alles laufe über Spenden.
Doch Meister Amnat Klanprachar sei sehr bekannt. Er habe in seiner Heimat Thailand um Spenden gebeten - und das Geld in wenigen Wochen fast komplett zusammenbekommen. Die Verkäufer kamen den Mönchen finanziell entgegen.
Klanprachar ist die Seele des Vereins. Er ist laut Plangkamon als spiritueller Lehrer in 30 Ländern aktiv. Auch ist er Künstler, war unter anderem Professor für Kunstmalerei in Bangkok.
Sendungsbewusstsein oder gar der Wille, andere zu bekehren, ist den Buddhisten fremd: Es gehe nicht um Religion, sondern um den Weg zum inneren Frieden, sagt Plangkamon. „Wir wollen etwas teilen.“ Achtsamkeitsübungen - das kann auch Gartenarbeit sein - und Meditation gehören zum Alltag der Mönche und Nonnen.
Bisher kommen die meisten Bewohner aus Thailand. Doch der Verein will sich öffnen. Der Unterricht soll bald auch in Deutsch erfolgen. Seminare sollen Gäste ins Schloss holen. Mönch sein, das ist in Thailand nämlich auf Zeit möglich, sagt Plangkamon, der selbst diesen Weg beschritten hat. Heute betreibt er ein thailändisches Restaurant in Nordhessen.
Die erste größere Begegnung zwischen den Bewohnern Dillichs und den Mönchen steht noch aus. Für Samstag haben die Buddhisten zum Tag der offenen Tür geladen. In der Stadt Borken, zu der Dillich gehört, ist man froh über die Mönche.
Es sei gut, dass sich ein neuer Besitzer für das Schloss gefunden habe, sagt Stadtsprecher Siegfried Bank: „Wir haben den Eindruck, dass man sich nicht abkapseln, sondern integrieren will.“
Dass die Mönche bei aller Besinnung auf ihr Inneres noch offen für die Welt sind, zeigt der Fernseher. Den gibt es nämlich in Schloss Dillich. Das Programm dürfe der Information dienen, sagt Plangkamon. Unterhaltung ist dagegen nicht erlaubt. dpa

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