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126 Feuerwehrleute gehen an ihre Grenzen

Europas Challenge in Hardegsen 126 Feuerwehrleute gehen an ihre Grenzen

126 Feuerwehrleute sind bei der zehnten Auflagen von Europas Challenge in Hardegsen bis an ihre Grenzen gegangen. Auf Burg Hardeg starteten Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien in einem harten Wettkampf um die schnellste Zeit.

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Zum Abschluss des Wettkampfes müssen die Teilnehmer einen 88 Kilogramm schweren Dummy 25 Meter weit ziehen.

Quelle: Peter Heller

Hardegsen. „EurOPAs-Challenge ist ein sportlicher Wettkampf, bei dem Kraft und Kondition kombiniert mit kleineren feuerwehrtechnischen Aufgaben auf Zeit absolviert werden“, erklärt Veranstalter Thomas Ziaja, der von allen nur „Opa“ genannte wird. 2007 habe er auf seinem 50. Geburtstag bekannt gegeben, dass er im darauf folgenden Jahr einen Wettkampf ausrichten werde. „Für viele Teilnehmer ist das eine der schönsten, wenn nicht die schönste Wettkampfstätte“, sagt er. Der Wettkampf sei bewusst sehr praxisnah gehalten. „Wir wollen der Bevölkerung zeigen, was wir bei einem Einsatz leisten“, sagt er. „Wir rennen rein, wo andere rausrennen.“ Und dafür würden Feuerwehrleute immer häufiger angepöbelt, erzählt er, dass das Verständnis für die Arbeit der Feuerwehr immer geringer werde. Doch das erzählte er bei der Challenge nur am Rand.

Begeistert vom Event ist der Brite John Gregory aus Leicester, der vor zwei Jahren erstmals nach Hardegsen kam. Doch es sei nicht nur die besondere Atmosphäre der Wettkampfstätte, welche Europas Challenge zu etwas Besonderem machen würde. „Wir sind Freunde von Opa“, sagt er. Sie würden auch in seinem Haus übernachten. Überhaupt sei es eine große Familie, die sich auf diesen Wettkämpfen treffen würde. Der Wettkampf selbst sei ziemlich hart und ziemlich lang. Gregory lieferte am Ende mit 6:01:28 Minuten die achtbeste Zeit ab.

Hartes Wettkampfprogramm

Zunächst müssen die Teilnehmer 500 Meter auf einer Rudermaschine zurücklegen. Es folgen 30 Steps mit zehn Kilogramm schweren Kanistern in jeder Hand sowie zehnmal Kreuzheben mit einer 60 Kilogramm schweren Hantel. Nach dem Fitnessteil heißt es die Einsatzkleidung anziehen, eine Leiter hochklettern und über die Rutschstange zurück auf den Parcours. Auf der 25 Meter entfernten Seite wird der Presslufatmer geschultert. In der Folge setzen die Teilnehmer ein Standrohr, rollen zwei B-Schläuche aus, kuppeln diese an und ziehen sie zum Startpunkt, wo sie an ein B-Rohr angekuppelt werden müssen. Über vier Treppen mit je zehn Stufen erklimmen die Feuerwehrleute ein Gerüst. Oben angekommen ziehen sie ein Schlauchpaket hoch und laufen wieder nach unten, wo schon zwei 25 Kilogramm schwere Kanister warten. Diese gilt es etwa 48 Meter weit um Wendepunkte herum zu tragen. Zum Abschluss muss noch ein 88 Kilogramm schwerer Dummy in Form eines Baumstammes etwa 25 Meter weit ins Ziel gezogen werden.

Im Ziel angekommen, sind die Teilnehmer am Ende ihrer Kräfte. Helfer schieben ihnen einen Stuhl hin, andere legen sich für einen kurzen Moment auf den Boden und werden mit Wasser übergossen. Doch die austrainierten Männer und acht Frauen regenerieren schnell. Ab wann der Wettkampf weh tut? Der Österreicher Andreas Gassner (8:12:40 Minuten, Platz 77) aus der Nähe von Wien sagt: „Beim Rudern musst Du schon richtig was tun, sonst wird das nichts. Auf den Stiegen merkt man es dann schon.“ Einer seiner fünf österreichischen Kameraden wirft ein: „Die Oberschenkel brennen erst richtig, wenn Du ein Spiegelei darauf braten kannst.“

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Zum zehnten Mal hat die Europas Challenge auf der Burg Hardeg in Hardegsen stattgefunden. Als einziges Event weltweit starten hier bei einem Feuerwehrwettkampf vier Sportler gegeneinander. Unter anderem kommen die Sportler aus der Schweiz, Österreich, UK und aus ganz Deutschland.

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Große Familie trifft Freunde

Und auch der Bilshäuser Thorsten Schalcher, mit 7:15:22 Minuten auf Rang 39, sagt: „Die Challenge ist sehr hart und anstrengend, aber immer wieder schön.“ Zum siebenten Mal ist er dabei. Ihm liegen die Ausdauerwettkämpfe eher als die kurzen schnellen. Aber da sei für viele, gerade junge und unerfahrene Teilnehmer die Gefahr. „Beim Rudern schießen sich viele schon ab“, sagt er. „Wir machen, was wir können“, fügt er hinzu und meint sich und die übrigen Bilshäuser Sven und Elias Bringmann, Florian Krautwurst und Johannes Deppe. Die Gruppe würde für diese Wettkämpfe auch nicht speziell trainieren.

Auch die Bilshäuser betonen, dass die Teilnehmer wie eine große Familie seien. Und so fahren auch die Frauen mit zu den Wettkämpfen. „Man trifft Freunde“, sagt Sabine Bringmann als Frau eines Teilnehmers. So hätten sich beispielsweise zu Berliner Teilnehmern über die Jahre gute Kontakte entwickelt.

Feuerwehr-Ehrenkreuz für Ziaja

Für Organisator Thomas Ziaja gab es auf seinem Event noch eine Überraschung. Er wurde mit dem Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze ausgezeichnet. „Alle haben es gewusst, nur ich nicht“, sagt er. Normalerweise würde die Geheimhaltung bei der Feuerwehr nicht so gut funktionieren. Geehrt wurden auch die Sieger. Das waren am Ende Martin Hebenstreit vom Team David-Ziaja-Stiftung (5:24:59 Minuten), Sören Warzok (Challenge Team Hardegsen / 5:27:16) und Joachim Posanz (TfaXcross / 5:29:71). Am Ende bauen alle Teilnehmer gemeinsam den Parcours nebst Gerüst ab. „Das ist ebenfalls einzigartig für solch einen Wettkampf“, sagt der Organisator. Doch damit ist das Ende noch nicht erreicht. „Nicht nur der Wettkampf ist gut“, erklärt der Brite Gregory. „Auch die Party ist jedes Jahr super.“

Von Rüdiger Franke

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