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Hitzige Diskussion zum Thema Wolf in Northeim

„Letale Entnahme“ Hitzige Diskussion zum Thema Wolf in Northeim

Das Interesse am Thema „Wolf“ ist in groß. Das zeigte sich an der Podiumsdiskussion zum Thema Wolf, zu der am Mittwochabend rund 500 Besucher in die Northeimer Stadthalle kamen. Die Jägerschaft Northeim hatte fünf Experten aufgeboten, die sich auf der Bühne eine hitzige Diskussion lieferten.

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Verändert der Wolf bei seiner Ausbreitung sein Verhalten?

Quelle: dpa

Northeim. „Die Meldungen über Wolfssichtungen und vereinzelt auch schon über Wolfsrisse aus der Region Südniedersachsen nehmen zu“, sagt Ralf-Günter Rahnert, Vorsitzender der Jägerschaft Northeim einleitend. Vor wenigen Wochen, Anfang September, seien im Bereich der Revierförsterei Dassel im Solling zeitgleich zwei Wölfe gesichtet worden. Eine Paarbildung und damit ein Wurf Wolfswelpen sei für das Frühjahr 2018 nicht mehr auszuschließen. Auch bestätigt der Jäger einige Tierrisse im Soling, die seiner Meinung nach offensichtlich auf das Konto von Wölfen gehen. „Diese Tatsache allein ist kein Grund zur Panikmache, aber die Ausbreitungsdynamik des Wolfes in Deutschland ist schon beachtenswert“, betont Rahnert. Mit zunehmender Besiedlung neuer Lebensräume würden auch Übergriffe auf Weidetiere wie Schafe, Rinder, Pferde und Gatterwild immer wahrscheinlicher.

Auf Einladung der Jägerschaft Northeim diskutierten Miriam Staudte, MdL Bündnis 90/Die Grünen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Helmut Dammann-Tamke, MdL CDU und Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Joachim Rehse, Sprecher der Interessengemeinschaft der Weidetierhalter Deutschland, Matthias Vogelsang, Leiter des Wolfsgeheges im Wisentgehege Springe sowie Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen.

Das Thema Wolf polarisiert. Rund 400 Wölfe leben laut Schätzungen aktuell in Deutschland. In einigen Regionen wird der Wolf bereits zum Problem. „Insbesondere im Raum Cuxhaven beobachten Behörden die Entwicklung mit Sorge“, berichtet Reding. Dort sei eine Veränderung des Verhaltens eines Rudels zu beobachten. „Die Wölfe machen Jagd auf Rinder“, erzählt Reding. Es sei zu beobachten, dass sich die Tiere an den Lebensraum in der Ebene angepasst und spezielle Jagd-Strategien entwickelt haben. „Einzelne Rinder wurden bereits gezielt in ein Moorloch getrieben und vom Rudel getötet“, so Reding.

„Der Wolf ist intelligent und sehr anpassungsfähig“, betonte Dammann-Tamke. Er sei sich sicher, dass der Wolf sich weiter ausbreiten werde und wie das Wildschwein schon bald in der Innenstadt von Berlin gesichtet werde. Der Wolf werde sein Verhalten an die neue Umgebung anpassen.

Nach einer Hochrechnung, die von einer Zunahmewachsrate der Population von 30 Prozent ausgeht, werde es im Jahr 2027 rund 5500  Wölfe geben. Diesem Szenario müsse Einhalt geboten werden. Dabei stehe die Frage im Raum, ob eine „Letale Entnahme“ angemessen sei, oder nicht. „Wir haben es in Deutschland noch nie geschafft, mit dem Wolf friedlich zusammenzuleben“, warnte Dammann-Tamke.

Nach EU-Recht genießt der Wolf allerdings in Deutschland den höchsten Schutzstatus. Das formulierte Schutzziel der EU sei die Erhaltung beziehungsweise die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands prioritärer Arten. Daran wollen sich auch die Jäger halten.  Entsprechend der Definition in „Leitlinien für Managementpläne für Großraubtiere in Europa auf Populationsebene“ sei der günstige Erhaltungszustand einer isolierten Wolfspopulation mit etwa 1000 adulten Individuen erreicht.

Für Miriam Staudte sei der Abschuss von Wölfen keine Lösung. Sie plädierte für einen wirkungsvollen Wolfsschutz durch entsprechend hohe und elektrische Zäune. „Wir müssen lernen, mit dem Wolf zu leben“, betonte sie. Dabei forderte sie finanzielle Unterstützung für die Landwirtschaft und private Weidetierhalter. „Wolfssichere Zäune kenne ich nur aus dem Zoo“, sagte Joachim Rehse. Zäune mit einer Höhe von 1,4 Metern würde der Wolf leicht überspringen. Ähnlich argumentierte Vogelsang. Er geht davon aus, dass vor allem private Tierhalter ihre Zäune selbst zahlen müssen, weil dafür keine EU-Gelder vorgesehen sind.

Ob Zäune die richtige Maßnahme gegen den Wolf sein könnten, fragt man sich aktuell auch im Wildpark Hardegsen, dies war am Rande der Veranstaltung zu erfahren. Dort sucht man einen wirkungsvollen Schutz gegen den Wolf.

Von Bernard Marks

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