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Scherben-Puzzle mit Geschichte

Nörten-Hardenberg Scherben-Puzzle mit Geschichte

Viele Keramikfunde sind 2014 bei der Krypta-Ausgrabung an der St.-Martini-Kirche am Stiftsplatz in Nörten-Hardenberg wieder ans Tageslicht gekommen. Jetzt haben Mitglieder des Heimatvereins unter Anleitung von Archäologen das historische Scherben-Puzzle zusammengesetzt.

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Frank Wedekind und Gudrun Körber versuchen die Bruchstücke einer Ofenkachel zusammenzusetzen.

Quelle: Foto: Heller

Nörten-Hardenberg. Kartonweise Scherben von der Krypta-Ausgrabung am Stiftsplatz wurden gesichert. Einige vorsortierten Fundstücke sind jetzt im Heimathaus Nörten-Hardenberg zusammengesetzt worden. Es ist geplant, einige der Fundstücke künftig hier auszustellen, kündigte der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Gerhard Jungheim, an.

„Ich habe mich schon als Kind für Archäologie interessiert und wollte das sogar mal studieren“, sagte Gudrun Körber und schielte voller Vorfreude auf die vielen Tüten mit Keramik-Fundstücken, die Archäologe Frank Wedekind und Grabungstechniker Olaf Olifka ins Heimathaus an der Langen Straße in Nörten-Hardenberg mitgebracht haben. Das Archäologen-Team von Streichart & Wedekind aus Göttingen war 2014 mit den Ausgrabungen am Stiftsplatz in Nörten-Hardenberg beauftragt. Jetzt hat der Geschichtsverein die Grabungsexperten eingeladen, um mit Interessierten einige der Funde zu bearbeiten.

„Kistenweise Material gefunden“

Es seien eine ganze Menge Scherben gewesen, die seinerzeit vor der St.-Martini-Kirche gefunden wurden, erinnert sich Jungheim. Viele der Keramikteile waren sortiert und in Tüten verpackt worden – darunter Ofenkacheln, Gefäße und anderes mehr. „Wir haben kistenweise Material gefunden“, sagt Wedekind, „und dabei haben wir nur auf einem ganz kleinen Teil des Stiftsplatzes gegraben. Die Funde seien zunächst datiert, ihr Nutzen abgeklärt und schließlich gezeichnet worden. Einige der Zeichnungen haben Wedekind und Olifka mitgebracht.

Sie wohne schräg gegenüber des Heimathauses, berichtete Waltraud Fischer. Sie habe im Keller ihres Hauses auch schon Scherben gefunden und diese zu einem kleinen, bauchigen Gefäß zusammengesetzt. Olifka betrachtet das Fundstück Fischers und identifiziert es als „ein typisches Schankgeschirr“, wie es um 1300 aufgekommen sei. Vermutlich handle es sich um einen Mehrpassbecher, wie er typisch für die Region gewesen sei.

Teile mit Kreppband fixiert

Unterdessen hatte Körber das Scherben-Puzzle aus einer der Tüten auf dem Tisch ausgebreitet und versuchte mit Hilfe von Wedekind zueinanderpassende Teile mit Kreppband zu fixieren. Der Archäologe gab dabei einige Tipps und gab immer wieder auch Informationen zur Geschichte der Stiftskirche und zur Geschichte mancher Fundstücke. Archäologie sei für ihn weniger wie die Suche nach dem einen großen Schatz, sondern vielmehr interessiere ihn die Geschichte hinter den Fundstücken.

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Keramikfunde, die bei der Krypta-Ausgrabung an der St.-Martini-Kirche am Stiftsplatz in Nörten-Hardenberg im Jahr 2014 wieder ans Tageslicht gekommen sind, haben Mitglieder des Heimatvereins unter Anleitung von Archäologen zusammengepuzzelt.

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Die Grabungen in Nörten seien für ihn schon etwas besonderes gewesen, blickte Wedekind zurück. „Manches, was wir da rausgeholt haben, ist schon eine große Nummer“, ergänzte er. So hatte er außer verschiedenen Tüten mit Keramik und Irdenware am Freitag auch ganz besondere Metallstücke aus der Grabung am Stiftsplatz dabei. Diese seien vom Bistum Hildesheim bereits aufgearbeitet worden, erklärte er und packte eigens fürs Foto zum Beispiel einen Messing-Anhänger mit der Darstellung des Erzengels Michael aus dem Schutztütchen. „Das war sozusagen der Clubausweis für die katholische Michaelisbruderschaft“, sagte Wedekind. Da der Anhänger im Fußbodenbereich in Turmnähe gefunden worden war, stamme er vermutlich von einem süddeutschen Würdenträger, der zur Wiedereinweihung der Kirche in Nörten gekommen war. Auch ein Anhänger in Kreuzform mit eingefassten Bergkristallen und den Gesichtern von vier Evangelisten zeigte Wedekind den Teilnehmern der Aktion.

„Ein bisschen wie Schliemann“

Körber hatte nach einer Weile schon einige Teile ihrer wie ein Napf geformten Ofenkachel zusammengesetzt. „Man kommt sich ein bisschen vor wie Schliemann“, kommentierte sie. Auch Fischer machte einen zufriedenen Eindruck, nachdem sie zusammen mit Jungheim ihre grün glasierten Puzzlestücke zusammengeklebt hatte. Dabei zeigte sich, dass Olifka mit seinem ersten Tipp, es handle sich um einen Grapen (ein dreibeiniges Gefäß mit Henkel) falsch lag. „Das ist wohl auch eine Ofenkachel“, sagte Wedekind. Nach etwa vier Stunden Keramik-Puzzelei – dabei wurde unter anderem auch ein braunes Trinkgefäß mit Henkel zusammengesetzt, der am Boden der Krypta gefunden worden war – bilanzierte Jungheim: „Das war eine sehr erfolgreiche Aktion, die wir noch einmal wiederholen möchten.“

Von Britta Eichner-Ramm

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