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Spurensuche mit Hund und Handy

Prozess um getötete Frau in Hardegsen Spurensuche mit Hund und Handy

Keine direkten Tatzeugen, kein sichergestelltes Tatwerkzeug, aber eine Vielzahl von Indizien, die auf den Angeklagten hinweisen: So lässt sich das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen nach der Tötung einer 23-jährigen Frau in Hardegsen zusammenfassen, die am Freitag im Prozess vor dem Landgericht Göttingen präsentiert wurden.

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Ermittler sagen bei Tötungsprozess aus.

Quelle: Hanselmann

Hardegsen/Göttingen. Ein wichtiges Indiz lieferte ein speziell ausgebildeter Suchhund. Der Mantrailer habe eine Socke des 29-jährigen Ex-Freundes der Getöteten vor die Spürnase gehalten bekommen, berichtete der Polizist, der damals die Ermittlungen geführt hatte. Der Hund sei dann vom Tatort entlang des Teichs am Kurpark zum Wohnhaus des Angeklagten bis direkt zu dessen Wohnungstür gegangen. „Das war beeindruckend, so etwas habe ich bei früheren Einsätzen mit Mantrailern noch nie erlebt“, sagte der Polizist.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 29-Jährigen vor, am Abend des 11. August 2016 seiner früheren Freundin in Hardegsen aufgelauert und nach einem Streitgespräch mehrfach mit einem Messer auf sie eingestochen zu haben. Wenige Stunden später erlag sie im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Der Suchhund war damals unterwegs auch auf einen Steg gegangen. Die Polizei hatte deshalb dort eine größere Suchaktion gestartet, um eventuell das Tatmesser oder Kleidungsstücke zu finden. Dazu wurde auch das Wasser aus dem Teich abgelassen. Man habe aber nichts gefunden, was mit der Tat in Zusammenhang stehen könnte, sagte der Ermittler.

Die Polizei hatte zahlreiche Zeugen aus dem Umfeld der Getöteten befragt. Es habe niemanden gegeben, der der 23-Jährigen feindlich gesonnen gewesen sei, sagte der Ermittler. Im Gegenteil: Die hübsche junge Frau sei absolut beliebt gewesen. Sie habe sich um die Probleme anderer Menschen gekümmert und sich für sie Zeit genommen. Zeugenaussagen zufolge hatte sie sich aber kurz vor der Tat verfolgt gefühlt. Ein Motorradfahrer war ihr auf dem Weg zu ihrer Praktikumsstätte in Göttingen gefolgt und hatte sich dabei sehr auffällig verhalten. Man habe nicht klären können, ob es einen Zusammenhang zu der Tat gab.

Die Fahnder hatten knapp zwei Stunden nach der tödlichen Messerattacke bei dem Angeklagten geklingelt, wenige Minuten später um 0.10 Uhr nahmen sie ihn fest. Der 29-Jährige gab an, dass er an dem Abend einen Film geschaut und das Haus nicht verlassen habe. Die Ermittler hielten dieses Alibi allerdings nicht für stichhaltig. Nachbarn hätten berichtet, dass er erst nach der mutmaßlichen Tatzeit nach Hause gekommen sei, sagte der Polizeibeamte. Das Haus sei sehr hellhörig. Die Nachbarn hätten spätabends nicht nur seine Wohnungstür, sondern auch andere auffällige Geräusche aus seiner Wohnung gehört.

Eine andere Zeugin habe am Tatabend gesehen, dass zweimal ein dunkler Golf an dem Parkplatz vorbeigefahren sei, wo die 23-Jährige immer ihr Auto abstellte. Die Ermittlungen ergaben, dass der Angeklagte an dem Abend mit dem Golf seines Bruders unterwegs gewesen war. In den Tagen zuvor hätten Zeugen den Angeklagten ebenfalls an dem Parkplatz gesehen. Dieser habe dort in das Auto der 23-Jährigen hineingeschaut.

Noch etwas fiel den Fahndern auf: Am Tatabend gab es keinerlei Handy-Aktivitäten des Angeklagten. Dies sei angesichts des sonstigen Verhaltens ungewöhnlich, sagte der Beamte. Außerdem ergaben die Auswertungen, dass zur Tatzeit sein Handy innerhalb der Funkzelle mehrfach die so genannte Mobilfunkzellenidentifikation wechselte und bei einer anderen „Cell-ID“ einloggte. Dies sei insofern auffallend, als es in den Tagen davor nie einen Wechsel der „Cell-ID“ gegeben habe, nur am Tatabend. Der Prozess wird Ende August fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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