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Staatsanwältin fordert zwölf Jahre Freiheitsstrafe für 30-Jährigen

Prozess um getötete Frau in Hardegsen Staatsanwältin fordert zwölf Jahre Freiheitsstrafe für 30-Jährigen

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 23-jährigen Frau in Hardegsen sind am Mittwoch vor dem Landgericht Göttingen die Plädoyers gehalten worden. Die Staatsanwaltschaft beantragte, den 30-jährigen Angeklagten wegen Totschlages zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren zu verurteilen.

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Die Verteidigung plädierte auf Freispruch, weil es keine stichhaltigen Beweise für eine Schuld des Angeklagten gebe.

Quelle: dpa

Göttingen/Hardegsen. Die Anwälte der als Nebenkläger auftretenden Eltern und Geschwister der Getöteten forderten dagegen eine lebenslange Freiheitsstrafe. Sie werten die Tat als Mord. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch, weil es keine stichhaltigen Beweise für eine Schuld des Angeklagten gebe.

Zum Schluss meldete sich der 30-Jährige selbst zu Wort. „Ich möchte beteuern, dass ich Katharina nicht getötet habe“, sagte er. Vorher hatte er während des achtmonatigen Prozesses geschwiegen und ständig nach unten geblickt.

Zahlreiche Indizien und Hinweise

Die Staatsanwaltschaft hält es allerdings für erwiesen, dass er im August vergangenen Jahres seiner früheren Freundin abends in Hardegsen aufgelauert und nach einem Streitgespräch mit einem Messer auf sie eingestochen hat. Es gebe zwar keine Spuren und keine direkten Tatzeugen, aber zahlreiche Indizien und Hinweise, sagte Staatsanwältin Karin von Sivers-Habermann. „Der Angeklagte hatte kein Alibi, und er hatte ein Motiv.“

Die 23-Jährige hatte sich kurz zuvor nach mehrmonatiger Beziehung von ihm getrennt. Der 30-Jährige habe dies nicht akzeptieren wollen, sagte die Staatsanwältin. Die fröhliche, lebenslustige und ausgesprochen beliebte Frau sei die Liebe seines Lebens gewesen, sie habe ihn aus seinem depressiven „Seelenloch“ herausgeholt. Der von Selbsthass und Selbstzweifeln geprägte Angeklagte habe sich in einer pathologischen emotionalen Abhängigkeit befunden. „Er war wie besessen von dem Wunsch, sie nicht zu verlieren.“

Zeugin hörte Streitgespräch

Obwohl die 23-Jährige ihm deutlich gemacht hatte, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihm wollte, habe er am Tatabend auf sie gewartet. „Er war getrieben von dem Wunsch, noch einmal mit ihr zu sprechen und sie zum Bleiben zu bewegen.“ Eine Zeugin hatte damals ein Streitgespräch zwischen einem Mann und einer Frau gehört. Als die Frau „Ich gehe jetzt“ sagte, habe der Mann, der bis dahin weinerlich geklungen hatte, wütend „Verdammt“ gesagt. Kurz darauf hörten Zeugen laute Schreie. Wenig später brach die 23-Jährige auf der Straße zusammen. Die rechtsmedizinische Untersuchung ergab, dass sie insgesamt elf Stichverletzungen erlitten hatte. Sie verstarb noch in der gleichen Nacht an inneren Blutungen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte keinen Tötungsvorsatz. Als sie ihn abwies, hätten sich alle verdrängten Ängste und Gefühle spontan entladen. Er habe ihren Tod billigend in Kauf genommen und nicht nur das Leben seiner Ex-Freundin, sondern auch das Leben ihrer Familie zerstört.

Schwere Folgen für Angehörige

Die Vertreter der Nebenklage verwiesen auf die schweren Folgen für die Angehörigen der Getöteten. Für sie sei der Prozess phasenweise eine regelrechte Tortur gewesen, sagte Nebenklageanwalt Steffen Hörning. Anders als die Staatsanwaltschaft sehen die Nebenkläger das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an. Der Angeklagte habe den Tatort vorher ausgekundschaftet, sagte Hörning. Die 23-Jährige habe nicht damit gerechnet, dass er ihr etwas antun könnte. Sie sei bei der Messerattacke arg- und wehrlos gewesen.

Verteidiger Olaf Wiesemann machte geltend, dass die Ermittler weder die Tatwaffe noch die Tatkleidung gefunden hätten. Es gebe keine Spuren und keine sonstigen Beweise dafür, dass sein Mandant die Tat begangen habe. Auch andere Täter kämen in Betracht. Das Gericht will sein Urteil Mitte Oktober verkünden.

Von Heidi Niemann

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