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Rollator-Führerschein Alle haben bestanden

Bordstein, Gulli-Schlitz oder Bordsteinkante - wer mit dem Rollator unterwegs ist, hat verschiedene Tücken im Alltag zu bewältigen. Bei einer Veranstaltung von Verkehrswacht und Ortsverband Hardegsen des Sozialverbands haben am Dienstag zehn Frauen und Männer den Rollator-Führerschein gemacht.

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Erna Storre hat ihren neuen Rollator erstmals beim Training im Burghof in Gebrauch und hat, wie sie sagt, "etwas dazugelernt".

Quelle: Mischke

Hardegsen. Fred Fricke von der Verkehrswacht Uslar betätigt sich am Dienstagnachmittag im Burghof als Geh-Hilfen-Lehrer. „Zu Fuß unterwegs - Praxisbaustein Rollator-Führerschein“ lautet der Titel der Schulung, die jetzt von Sozialverband (SoVD) und Verkehrswacht mit Unterstützung von DRK und Awo Hardegsen auf Wunsch einiger Besucher regelmäßiger Treffen angeboten wurde. „Da kann man eine Menge falsch machen“, sagt Otto Fischer vom Hardegser SoVD und begrüßt die Teilnehmer - größtenteils Frauen.

Nicht alle sind mit dem Rollator da. Luzia Welzel zum Beispiel gesteht, dass sie lieber am Stock gehe und sich davor scheue, „dass die Leute gucken“. Die 83-jährige Hardegserin ergänzt: „Wenn man mit dem Rollator unterwegs ist, ist man uralt.“ Keine Stunde später hat sie ihre Meinung revidiert: „Das ist ja ein tolles Ding. Da kann man sich ja sehen lassen“, kommentiert sie Aussehen und Praktikabilität des Leih-Rollators, den Fricke mitgebracht hat. „Damit kann ich noch alleine losgehen zum Einkaufen“, stellt die Hardegserin außerdem fest.

Alltägliche Situationen werden simuliert

„Das ist der Porsche unter den Rollatoren“, ruft der Geh-Hilfen-Lehrer seinen Schülern zu - leicht, wendig und mit nur einem Handgriff zusammenklappbar sei das Modell, das er mitgebracht hat. Außerdem verfügt es über eine Klingel. Andere Rollatoren gebe es mit Reflektoren, Rückengurt, Schloss oder Schirmhalter. Fricke ergänzt die Infos mit praktischen Tipps.

Er begleitet seine Schüler durch den im Burghof aufgebauten Parcours. Hier werden alltägliche Situationen wie eine Bordsteinkante, Fahrstuhl oder Restaurantstuhl simuliert. Die Senioren erfahren zum Beispiel, dass sie an der Bordsteinkante den Rollator vorne ankippen müssen, um hinauf zu kommen. Hinein in den Fahrstuhl geht es vorwärts, dann erfahren die Teilnehmer, wie sie ihre vierrädrigen Geh-Hilfen auf engstem Raum drehen können. Und beim Hinsetzen oder Aufstehen im Restaurant eignet sich der Rollator als Stütze - „aber immer vorher die Feststellbremsen betätigen“, betont Fricke.

Wie Luzia Welzel hat sich auch Brigitte Kunert davor gescheut, einen Rollator zu benutzen, sagt sie zu Beginn der Veranstaltung. Zu Hause habe sie zwar das zehn Jahre alte Modell ihres Mannes gelegentlich verwendet, doch damit aus dem Haus zu gehen, koste Überwindung. Weil ihr aber das Laufen immer schwerer falle und sie meist nur noch zu Hause bleibe, berichtet die 87-Jährige, habe sie sich von ihrer Tochter zur Teilnahme an der Rollator-Schulung überreden lassen.

Nutzung eines Rollators ist keine Frage des Alters

Wie Welzel ist auch Kunert nach der Runde durch den Parcours sichtlich angetan. Auf die Frage, wie es war, antwortet sie: „Ich fand‘s gut, auch innerlich.“ Sich mit dem Rollator auf die Straße zu trauen, bedeute zwar Überwindung: „Aber es gibt ja viele, die damit gehen.“ Zur Freude ihrer Tochter sagt die 87-Jährige dann: „Ich habe es ja besser, wenn ich daran gehe.“ Außer reichlich Tipps zum Umgang mit dem Rollator bekommt Kunert am Ende ihrer Parcours-Runde auch noch Beifall.Erst vor wenigen Tagen hat sich Erna Storre ihren Rollator zugelegt - ein Discounter hatte die Geh-Hilfe kürzlich im Angebot, sagt die 79-Jährige. „Ich wollte damit gleich meine Einkäufe nach Hause bringen“, berichtet die Hardegserin. Doch der Rollator habe zunächst zusammengebaut werden müssen. Zwei Kundinnen hätten ihr den Karton nach Hause gebracht, so Storre. Die Runde auf dem Parcours im Burghof ist für Storre und ihren neuen Begleiter Premiere. „Ich habe was dazugelernt“, lautet Storres Fazit.

Geh-Hilfen-Lehrer Fricke versucht am Ende letzte Skeptiker davon zu überzeugen, dass das Nutzen eines Rollators keine Frage des Alters sei. „Es kann alle treffen“, sagt er, „auch junge Leute“. Am Ende stellt Fricke zufrieden fest: „Alle haben bestanden.“ Zur Belohnung gibt es für die Teilnehmer den Rollator-Führerschein.

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