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Im eigenen Zuhause alt werden – geht das?

Osterode Im eigenen Zuhause alt werden – geht das?

Beim zehnten Niedersächsischen Fachtag „Wohnen im Alter“ hat Cornelia Rundt, noch amtierende SPD-Sozialministerin in Niedersachsen, in einem Impulsvortrag in der Osteroder Stadthalle angeregt, neue Konzepte wie integriertes und betreutes Wohnen im ländlichen Raum zu schaffen.

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Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) spricht zum Thema „Wohnen im Alter“ in Osterode.

Quelle: Mark Härtl

Osterode, Osterode. Beim Niedersächsischen Fachtag „Wohnen im Alter“ in Osterode hat sich Sozialministerin Cornelia Rundt in ihrem Impulsvortrag mit der Frage beschäftigt, wie es älteren Menschen ermöglicht werden könnte, trotz sinkender Mobilität und ungeeigneter Immobilien in ihrem gewohnten Umfeld wohnen zu bleiben. Ein Lösungsansatz dafür könne sein, ältere Immobilien im ländlichen Raum wie Schulen, Bauernhöfe oder Kirchen „wiederzubeleben, die sonst dem Verfall überlassen wären“ und sie zu neuen barrierefreien Wohn- und Wohnpflegeformen umzubauen, sagte Rundt.

Neue Konzepte

Eine altersgerechte, barrierefreie Wohnung allein garantiere keine Selbstständigkeit. Vielmehr müssten neue Konzepte wie integriertes und betreutes Wohnen geschaffen werden. Das erfordere auch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Pflege. Im Anschluss an Rundts Vortrag sprachen die Demografiebeauftragte des Landkreises, Regina Meyer, mit dem Vorsitzenden der Bundesvereinigung des Forums Gemeinschaftliches Wohnen, Josef Bura, dem Landesbeauftragten für regionale Landesentwicklung Braunschweig, Matthias Wunderling-Weilbier, und der Ersten Kreisrätin im Landkreis Göttingen, Christel Wemheuer, über „die Entwicklung lokaler Strukturen der Sorge und Mitverantwortung“.

Bisher sei es noch nicht gelungen, neue Wohn- und Wohnpflegekonzepte im ländlichen Bereich zu etablieren, berichtete Bura. Es gebe zwar Fördermöglichkeiten, am Ende seien die Kommunen aber der Ort der Daseinsführsorge. Doch viele Orte fühlten sich wirtschaftlich abgehängt, weshalb vor allem die jungen Menschen wegzögen. Das Leben im Dorf sei nur so lange attraktiv, wie jemand mobil ist. Es gehe nicht nur darum, bestehenden Wohnraum umzubauen, sondern gezielt neue Wohn- und Lebensformen zu entwickeln. „Wenn man vor Ort eine Wohnpflegeform schafft, hilfst du da wirklich“, betonte Bura.

An die „ganz einfachen Dinge“ denken

Wunderling-Weilbier sah den Schwerpunkt auf der innerstädtischen Entwicklung. Eine barrierefreie Wohnung nütze wenig, wenn jemand auf dem Land seine Grundbedürfnisse nicht mehr befriedigen könne, weil es keine Versorgungsstrukturen wie Einkaufsmöglichkeiten mehr gebe. Bei der ganzen Debatte vergesse man häufig, „an die ganz einfachen Dinge“ zu denken. Es bedürfe es einer guten Infrastruktur mit Kitas, weiterführenden Schulen, ärztlicher Versorgung und garantierter Mobilität. Fördermöglichkeiten für Bauprojekte gebe es ausreichend. Wichtiger als Geld aber sei, „innovativ in den Regionen“ zu denken.

Wemheuer stimmte Wunderling-Weilbier zu, dass die Strukturen und das Soziale stimmen müssten. „Die Frage ist, wie kann das Leben im Dorf attraktiv gestaltet werden, damit wir nicht weniger werden.“ Es gebe viel kreative Kraft in den Dörfern, die man „heben und fördern muss“. Doch stießen diese Initiativen irgendwann an ihre Grenzen. An dieser Stelle müsse angesetzt werden, unter anderem durch Dorfmoderatoren und die Unterstützung durch den Landkreis. Doch warum gebe es im ländlichen Bereich so wenige Projekte für das Wohnen im Alter, fragte Wemheuer. Die zentrale Herausforderung sei es, Menschen dazu zu bewegen, zusammenzuziehen, bevor die eigene Mobilität eingeschränkt ist. „Das haben wir noch nicht geschafft.“

Förderprogramm des Landes

Beim Fachtag „Wohnen im Alter“ hat Andrea Bebensee vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales und Gesundheit über das Niedersächsische Förderprogramm „Wohnen und Pflege im Alter“, für das jedes Jahr eine Million Euro bereitgestellt werden, informiert. Damit fördere das Land Projekte, die ein weitgehend selbstständiges Leben älterer Menschen in einem häuslichen Wohnumfeld auch in hohem Alter und bei Pflegebedürftigkeit ermöglichen. Ziel: alters- und pflegegerechte Bedingungen im Wohnumfeld älterer und pflegebedürftiger Menschen zu schaffen.

Henning Isensee, Referat Landentwicklung und ländliche Bodenordnung, informierte über die Zile-Richtlinie (Zuwendungen zur integrierten ländlichen Entwicklung) zu Maßnahmen der Dorfentwicklung im Bereich Basisdienstleistungen und Kleinstunternehmen. Die Sicherung der Grundversorgung der Bevölkerung und die Förderung der dörflichen Gemeinschaft durch Kleinstunternehmen seien eine wesentliche Voraussetzung für die Attraktivität von Dörfern. Gleichzeitig soll dem demografischen Wandel entgegengewirkt und Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen geschaffen werden.

Zuwendungsfähig seien unter anderem Ausgaben für Vorarbeiten wie Analysen, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, Versorgungseinrichtungen des täglichen Bedarfs wie kleine Dienstleistungs- und Versorgungszentren mit Einzelhandel, Bäcker, Schlachter, Poststelle und Bank. Antragsberechtigt seien Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern, nicht aber Landwirtschaftsbetriebe, Arztpraxen und Apotheken.

Von Nora Garben

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