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Prozess gegen Einbrecherbande aus Osterode

Sieben Jahre Haft gefordert Prozess gegen Einbrecherbande aus Osterode

Genau neun Monate nach der Festnahme einer vierköpfigen Einbrecher- und Drogendealerbande aus Osterode haben am Dienstag im Landgericht Göttingen die Prozessbeteiligten ihre Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft forderte für die Angeklagten Freiheitsstrafen zwischen fünf und sieben Jahren

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Osterode. Die Verteidiger plädierten auf deutlich niedrigere Haftstrafen. Da sämtliche Angeklagten seit Jahren drogen- oder schmerzmittelabhängig sind, sollten sie für zwei Jahre in einer Therapieeinrichtung untergebracht werden, um sich einer Entzugsbehandlung zu unterziehen.

Die Polizei hatte die vier Angeklagten im September vergangenen Jahres bei einem Großeinsatz mit 80 Beamten festgenommen. Einige Monate zuvor hatte sie eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet, nachdem sich die Einbrüche in Osterode gehäuft hatten. Bei der Durchsuchung eines Kiosks und mehrerer Wohnungen entdeckten die Fahnder nicht nur diverses Diebesgut, sondern auch mehrere Waffen sowie größere Mengen an Drogen und zwei Indoor-Plantagen mit etwa 100 erntereifen Cannabis-Pflanzen.

In dem Prozess mussten sich der 28-jährige Kioskbetreiber, dessen 55-jähriger Vater sowie zwei 19 und 33 Jahre alte Brüder unter anderem schweren Bandendiebstahls, schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung sowie unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verantworten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war der 28-Jährige der „Kopf“ der Gruppe. Er habe die Einbrüche geplant und die Drogen besorgt, die dann über den Kiosk vertrieben wurden. Die übrigen Angeklagten seien Mitttäter gewesen. Der Anklagevertreter beantragte sowohl für den 28-Jährigen als auch für den 33-Jährigen eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Der 33-Jährige habe bereits zahlreiche Vorstrafen und zum Tatzeitpunkt unter Bewährung gestanden. Für den 55-Jährige, in dessen Haus sich die Indoor-Plantage befand, forderte er eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der 19-Jähriger solle eine Jugendstrafe von sechs Jahren erhalten.

Die Verteidiger verwiesen darauf, dass die Angeklagten bei ihren Einbrüchen ausgesprochen dilettantisch vorgegangen waren. „Das war keine Bande, das war ein Haufen“, sagte der Anwalt des 33-Jährigen, Raphael H. Busch. Der Anwalt monierte, dass die Polizei das Treiben bereits deutlich früher hätte stoppen können. Die Angeklagten hätten bereits lange Zeit vorher unter Beobachtung gestanden, ehe im September die Durchsuchung stattfand. Die Polizei habe dies damit begründet, dass vorher kein Personal zur Verfügung gestanden habe. Der Anwalt plädierte für seinen Mandanten auf eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als fünfeinhalb Jahren, ebenso der Verteidiger des 28-Jährigen. Der Verteidiger des 55-Jährigen stellte keinen konkreten Antrag, der Anwalt des 19-Jährigen beantragte eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren. 

Zuvor hatte eine psychiatrische Sachverständige in ihren Gutachten dargelegt, dass alle vier Angeklagten aus schwierigen Familienverhältnissen kommen und aufgrund ihrer massiven Sucht zur Tatzeit in ihrer Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen seien. Bei drei Angeklagten habe die Drogensucht die gesamte Lebensführung bestimmt, sie hätten ausschließlich Kontakte in der Drogenszene gehabt. Durch den Drogenkonsum seien bereits Hirnleistungsstörungen eingetreten, die aber bei entsprechender Behandlung reversibel seien. Die schwerste Drogenproblematik liege bei dem 28-Jährigen vor. Der Vater von vier Kindern sei seit zehn Jahren abhängig und habe einen Hang zum übermäßigen Konsum von Heroin und anderen Drogen. Sein mitangeklagter 55-jähriger Vater sagte in seinem Schlusswort: „Hoffentlich kriegt er nicht so viel.“

Von Heidi Niemann

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