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Festgemauert in der Erden ...

50 Seulinger erleben Glockenguss Festgemauert in der Erden ...

Ein außergewöhnliches Ereignis haben 50 Seulinger in Karlsruhe erlebt. In der Glockengießerei Bachert wurden die drei neuen Bronzeglocken gegossen, die in den kommenden 800 Jahren vom Turm der Kirche St. Johannes der Täufer in Seulingen viele erfreuliche Begebenheiten einläuten sollen.

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Die Glockengießer lassen die 1100 Grad heiße Bronze in die Glockenformen fließen.

Quelle: r

Seulingen / Karlsruhe. „Fest gemauert in der Erden, steht die Form, aus Lehm gebrannt. Heute muß die Glocke werden, frisch, Gesellen! seyd zur Hand.“ Friedrich Schillers Gedicht „Das Lied von der Glocke“ aus dem Jahr 1800 machte im Bus die Runde, mit dem die Seulinger voller Vorfreude Richtung Karlsruhe fuhren. „Die Firma Bachert zeigte uns einen anschaulichen Film, um die vielen vorbereitenden Arbeiten nochmals zu erläutern“, berichtete Ansgar Tauchmann, Mitglied im Kirchenvorstand der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer in Seulingen. Denn außer einem großen Berg Erde sei von den Glocken nichts mehr zu sehen gewesen. „Sie waren, wie Schiller es ja beschrieb in der Erde eingemauert“, sagte Tauchmann. „Sieben Glocken unterschiedlicher Größen hatte das Team von Geschäftsführer Albert Bachert in einem sehr aufwendigen Verfahren vorbereitet und eingegraben.“

Die Seulinger Gruppe vor dem Unternehmen Bachert in Karlsruhe

Die Seulinger Gruppe vor dem Unternehmen Bachert in Karlsruhe

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Sehen konnten die Seulinger sowie die Mitglieder zweier weiterer Gemeinden einen riesigen Kessel brodelnder Glockenbronze. „Hell wie eine glühende Sonne blitzte das 1100 Grad heiße Metall aus dem Kessel heraus“, beschrieb Tauchmann seinen Eindruck. Geschäftsführer Albert Bachert und seine Mitarbeiter hätten um 5 Uhr am Morgen begonnen, den Kessel anzuheizen, erfuhren die Seulinger. Zehn Stunden stand die Bronze also auf dem Feuer. Sogar die Flusswege zu den Glocken seien mit glühender Holzkohle vorgeheizt worden.

„Ganz still wurde es in der rauchigen, urtümlichen und riesig hohen Halle, als Herr Bachert das Wort ergriff und alle Anwesenden begrüßte“, berichtete Tauchmann. Wie eine kleine Andacht mit Fürbitten und ein sehr passendes Gebet sei es manchem unter die Haut gegangen und habe die Bedeutsamkeit des bevorstehenden Glockengusses spürbar werden lassen. „Dann wurde der Kessel aufgestoßen und das leuchtende Metall floss in den vorbereiteten Wegen zu den einzelnen Glocken“, erzählte Tauchmann. „Es war sehr beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit die Bronze herausschoss“, ergänzte Seulingens Bürgermeister Matthias Rink.

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Während die Zuschauer gebannt den Fluss der Bronze beobachteten, erklärte Tauchmann, habe bei den Glockengießern emsige Geschäftigkeit geherrscht, damit das heiße Metall im richtigen Moment weiter geleitet wurde von einer Glocke zu nächsten. Christiane Bachert habe parallel den andächtig staunenden Besuchern vorgelesen, für welche Gemeinde die gerade entstehende Glocke gegossen werde, in welchen Ton sie erklingen werde, wie schwer sie sein werde, welchem Heiligen sie geweiht werde und wie die jeweiligen Aufschriften lauten.

Nachdem das gesamte Metall sich auf die Glocken verteilt hatte, habe nach Tauchmanns Angaben Albert Bachert noch einmal das Wort ergriffen. Gemeinsam beteten alle das „Vater unser“ und mit einem „Großer Gott wir loben dich“ schlossen alle Anwesenden den Glockenguss ab. „Ganz bewegt und von der Hitze des Metalls geschasst verließen alle doch ein wenig eingestaubt von der Asche aber glücklich und zufrieden die Halle“, berichtete Tauchmann. Den nächsten Tag verbrachten alle Mitreisenden in der Stadt Speyer. Rundum sei die Fahrt ein wirklich außergewöhnliches Ereignis gewesen. „Die Glocken kühlen nun rund zwei Wochen ab und werden dann mühselig und vorsichtig von der Erde und Schlacke gereinigt“, erklärte er. „Bis sie im Turm erklingen sind aber noch einige Hürden zu überstehen und bauliche Veränderungen am Turm zu erbringen.“

 

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Gestaltung der Seulinger Glocken

Während ihres Besuches in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe konnten die 50 Seulinger der Künstlerin Anke Weiß zusehen, wie sie aus Wachs komplizierte Gemälde, Wappen und Aufschriften für Glocken gestaltete. Auf der großen Seulinger Martinsglocke wird der Umriss des Eichsfeldes zu sehen sein, ebenso ist das Wappen der Gemeinde Seulingen aufgebracht, die diese Glocke gestiftet hat und der Heilige St. Martin. Die zweite, die Angelusglocke, wird eine Marienglocke, die mit Darstellungen von Maria in der Wiese in Germershausen und der Marienfigur in der Seulinger Kirche verziert ist. Die dritte Glocke wird als Patronatsglocke das Bild von Johannes dem Täufer aus der Seulinger Kirche sowie das Logo der neuen Pfarrei tragen.

Von Rüdiger Franke

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