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Zu schnell in den Suhlawiesen

Landolfshausen Zu schnell in den Suhlawiesen

Die Suhlawiesen in Landolfs­hau­sen sind als verkehrs­beruhigter Bereich gekenn­zeichnet. Doch viele Autofahrer halten sich nicht an die damit verbundene Schrittgeschwindigkeit. Das haben Anwohner der Verwaltung der Gemeinde mitgeteilt. Der Bauausschuss beriet vor Ort mögliche Gegenmaßnahmen.

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Mitglieder des Bauausschusses diskutieren in den Suhlawiesen über verkehrsregelnde Maßnahmen.

Quelle: Rüdiger Franke

Landolfshausen. Das blaue Verkehrsschild, das im Verkehrsrecht mit der Nummer 325.1 bezeichnet wird, ist kaum zu übersehen. Darauf in Weiß abgebildet, ein Haus, der Straßenverlauf und ein Auto sowie im Vordergrund ein Erwachsener und ein Kind beim Ballspiel. Das Schild weist einen verkehrsberuhigten Bereich aus, von vielen auch als Spielstraße oder Wohnbereich bezeichnet. Hier dürfen Autofahrer nur Schrittgeschwindigkeit fahren.

Die Suhlawiesen in Landolfshausen sind als ein solcher verkehrberuhigter Bereich ausgeschildert. Auch die Veränderung des Straßenbelags vom Asphalt im Erbeck auf die Pflastersteine in den Suhlawiesen weist die Autofahrer darauf hin. Doch kaum jemand fährt Schrittgeschwindigkeit, beschwerten sich einige Anwohner bei der Verwaltung der Gemeinde. Die Mitglieder des Bauausschusses trafen sich an der Einfahrt vom Erbeck und überlegten, mit welchen Maßnahmen die Autofahrer auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht werden könnten. Zusätzliche Schilder seien keine Option. „Die gesetzliche Grundlage ist klar definiert“, erklärte Verwaltungsvertreter Hendrik Seebode. „Jeder Autofahrer sollte wissen, was dieses Schild bedeutet.“ Da müsse niemand noch einmal extra darauf hingewiesen werden, dass das Verkehrsschild auch wirklich gelten würde.

Berliner Kissen oder direkte Ansprache

Als ersten Vorschlag diskutierten die Ausschussmitglieder über ein Berliner Kissen, also eine Schwelle auf der Fahrbahn genannt. Doch schnell waren sie sich einig, dass die Autofahrer an der Schwelle zwar zum Langsamfahren genötigt würden, aber dafür die Lärmbelästigung steigen würde. Denn vermutlich würden viele Autofahrer erst kurz vor dem Hindernis abbremsen und hinterher wieder beschleunigen. Außerdem verursache das Überfahren, besonders mit einem Anhänger zusätzlichen Lärm. Eingezeichnete Parkplatzflächen, welche die Fahrbahnbreite verringerten, würden auch nur helfen, wenn dort auch Autos stünden. Weitere Überlegungen mit befestigten Gegenständen wie zum Beispiel einem Spielzeugtrecker wurden schnell verworfen, weil es Eingriffe in den Straßenverkehr darstellen würden.

Die Einfahrt in die Suhlawiesen beginnt mit einer langen Geraden

Die Einfahrt in die Suhlawiesen beginnt mit einer langen Geraden.

Quelle: Rüdiger Franke

Dass Kinder die Autofahrer mit Hilfe der Polizei anhalten und direkt fragen, warum sie so schnell fahren würden, schlug Hans-Ulrich Hübner (SPD) vor: „Das würde zumindest das schlechte Gewissen wecken.“ Eine weitere Möglichkeit seien Geschwindigkeitsmessungen, waren sich die Mitglieder einig. Und das könnte teuer werden. Schrittgeschwindigkeit wird im deutschen Verkehrsrecht mit maximal sieben Stundenkilometern definiert. Wer also in einem verkehrsberuhigten Bereich mit einem Tempo von 28 Stundenkilometern fährt, riskiert nach Angaben im aktuellen Bußgeldkatalog bereits einen Punkt beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg und ein Bußgeld von 80 Euro. Bei zweimaligem Verstoß innerhalb eines Jahres kommt bei mehr als 25 Stundenkilometern zu viel noch ein einmonatiges Fahrverbot hinzu. Ab Tempo 38 gibt es bereits zwei Punkte und ein einmonatiges Fahrverbot bei einem Bußgeld von 160 Euro.

Regeln für den verkehrberuhigten Bereich

Charakteristisch für einen verkehrsberuhigten Bereich sei die besondere gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz aller Verkehrsteilnehmer, teilt Verkehrswacht Niedersachsen mit. Fußgänger dürfen die ganze Straßenbreite nutzen und haben grundsätzlich Vorrang vor anderen Verkehrsteilnehmern. Kinder dürfen überall spielen. Fahrzeugführer müssen deshalb gegebenenfalls warten. Kraftfahrzeuge und Fahrräder müssen Schrittgeschwindigkeit (maximal sieben Stundenkilometer) fahren. Parken ist nur auf speziell gekennzeichneten Flächen erlaubt. Das Ein- und Aussteigen beziehungsweise Be- und Entladen ist dagegen überall möglich, wenn Andere dadurch nicht gefährdet beziehungsweise unzumutbar behindert werden. Beim Ausfahren aus dem verkehrsberuhigten Bereich ist immer Vorfahrt zu gewähren. Die Rechts-vor-links-Regel gilt bei der Ausfahrt nicht.

Von Rüdiger Franke

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