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7500 Jahre alte Fundstelle sorgt für Diskussion

Ortsheimatpfleger tagen in Seulingen 7500 Jahre alte Fundstelle sorgt für Diskussion

Die Bedeutung kleiner Heimatmuseen in Südniedersachsen und archäologische Fundstellen sind Themen gewesen, mit denen sich Ortsheimatpfleger des Landkreises Göttingen während ihrer Herbsttagung in Seulingen beschäftigt haben. Erstmals war der Altkreis Osterode vertreten.

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Karl-Heinz Held (l.) und Rolf Adler begutachten Fundstücke.

Quelle: Artmann

Seulingen. „Kleine Heimatmuseen sind total wichtig, um die regionale und kulturelle Identität zu stärken“, sagte Astrid Vettel, Museumsberaterin beim Landschaftsverband Südniedersachsen. Es gelte Mittel und Wege zu finden, diese Einrichtungen „wieder zukunftsfähig zu machen und quasi aktive Nachwuchsförderung zu betreiben“. Museumspädagogische Projekte könnten angestoßen und Schulen und Kindergärten vor Ort „in den Prozess der Museen einbezogen werden“. In zwei Projekten im Dorfmuseum „Meierhof“ Hattorf und im Keramikum Fredelsloh würden Projekte initiiert, die zeigen sollen, wie kulturelle Bildung in solchen ehrenamtlich betriebenen Museen vorangebracht werden könne.

Archäologische Besonderheiten

Seulingens stellvertretender Gemeindebürgermeister Jan Wucherpfennig (CDU) schlug einen Bogen von der Gegenwart zur Vergangenheit. „Wir planen im westlichen Teil des Ortes eine Baufläche auszuweisen, haben dort aber ein sogenanntes neolithisches Erdwerk“, berichtete er den Ortsheimatpflegern. Bei Grabungen sei im vergangenen Jahr festgestellt worden, dass es in diesem Bereich bereits vor über 7500 Jahren Ansiedlungen gegeben habe. „So schön wie die Gewissheit ist, dass hier archäologische Besonderheiten von hohem Wert gefunden worden, so teuer ist es auch für den Gemeindehaushalt“, betonte Wucherpfennig und verwies darauf, dass die Gemeinde keine finanzielle Unterstützung erhalte.

Seulingens Ortsheimatpfleger Hans Turi bezeichnete die Fundstelle als „eine Sensation“, denn solche alten Siedlungsfunde gebe es in Europa nur selten. Sechs Gebäude seien entdeckt worden, darunter ein „stattliches Langhaus“. Die Konstruktion mit einem Vorbau werde der Linienbandkeramik zugeschrieben, damit wäre Seulingen einer der wenigen Plätze auf dem Kontinent, die den Beginn dieser Kultur belegen. In dieser Zeit seien die Menschen sesshaft und Jäger und Sammler zu Ackerbauern geworden.

Landeskunde für den Unterricht

Bevor Agathe Palka und Alexandra Philippi, Studentinnen am Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen, einen Überblick über die archäologischen Kulturen Südniedersachsens gaben, erfuhren die Tagungsteilnehmer von Hermann Rohmann, dass die Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Göttingen derzeit für den neuen Landkreis ein Wappenbuch erstelle. Der Schriftführer dieser Gesellschaft berichtete den Zuhörern, dass die Gesellschaft auch Sütterlin-Kurse anbiete, die „wahrscheinlich sehr wichtig für Ortsheimatpfleger sind“.

Annika Jühne vom Landschaftsverband Südniedersachsen stellte den Besuchern die Publikation „Kleine Landeskunde Südniedersachsen“ vor, die Geschichte, Religion, Wirtschaft und Kultur der Region zum Thema hat. Das vom Landschaftsverband Südniedersachsen und der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung herausgegebene Buch könne auch im Schulunterricht eingesetzt werden, betonte Jühne, die als Ortsheimatpflegerin in Klein Schneen tätig ist.

Von Axel Artmann

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