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Plattdeutscher Abend mit aktuellem Bezug

Landolfshausen Plattdeutscher Abend mit aktuellem Bezug

An die Zeit der Wohnungsnot vor 70 Jahren erinnerten Karl-Heinz Schulze und Wilhelm Büermann beim 13. Plattdeutschen Abend des Bürgervereins „Lebendiges Landolfshausen“. Dazu hatten sie für die rund 60 Gäste im Saal der Gaststätte Jünemann auch einige Fotos aus der damaligen Zeit ausgestellt.

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Harald Günther, Vorsitzender des Bürgervereins „Lebendiges Landolfshausen“ und die beiden Moderatoren Karl-Heinz Schulze und Wilhelm Büermann (v. li.) erinnern an alte Zeiten.

Quelle: Rüdiger Franke

Landolfshausen. „Als Landolfshausen noch 1000 Einwohner hatte“, lautete das Motto des Abends. Damit wollte das Moderatorenduo die Zeit von 1944 bis in die 50er-Jahre aufgreifen. „Wir sind auf das Thema gekommen, weil immer wieder Flüchtlinge aus der damaligen Zeit Besuche abstatten“, erläuterte Schulze. So sei auch ihre damalige Schulfreundin Resi kürzlich wieder nach Landolfshausen gekommen. „Sie wohnt jetzt in Neureut“, erzählte Büermann. So sei die Idee entstanden, die Zeit beim Plattdeutschen Abend wieder aufleben zu lassen. Schließlich gebe es auch kaum noch Zeitzeugen. „Wilhelm und ich sind auch schon keine Zeitzeugen mehr“, sagte Schulze. Er halte die Geschichte eines Dorfes aber für sehr wichtig. Und gerade weil derzeit die Flüchtlingsproblematik immer im Fokus stehen würde, könne man an so einem Abend daran erinnern, „dass auch wir Flüchtlinge hatten“.

Einmal im Jahr bereiten Büermann und Schulze einen Plattdeutschen Abend vor. „Wir hatten von Beginn an etwa 50 bis 60 Gäste, auch aus Göttingen und Waake“, sagte Schulze. Das Duo versuche an den Abenden nicht nur einfach Texte vorzulesen, sondern vielmehr einen Abend zu gestalten, an dem der Humor nicht fehle und auch die Anwesenden gern Beiträge liefern dürfen. „Wir suchen uns deshalb auch immer ein Thema, zu dem viele aus der Gemeinde Beiträge liefern könnten“, erklärte Schulze. Büermann ergänzt, dass sie bereits über das Schlachten, Handwerk und Handel im Dorf, die Technisierung mit Einzug von Treckern und Autos gesprochen hätten. Auch seien 25 Jahre Wiedervereinigung, die Historie der Vereine und die Feierlichkeiten im Dorf von Silvester bis Weihnachten an den bisherigen Abenden thematisiert worden.

Wilhelm Büermann (li) und Karl-Heinz Schulze übernehmen traditionell die Moderation der Plattdeutschen Abende in Landolfshausen

Wilhelm Büermann (li.) und Karl-Heinz Schulze übernehmen traditionell die Moderation der Plattdeutschen Abende in Landolfshausen.

Quelle: Rüdiger Franke

Schon während des Zweiten Weltkrieges seien viele Menschen nach Landolfshausen gekommen, erklärte Schulze. 1944/45 seien zuerst Evakuierte aus Köln, Büren, Hannover und Aachen in Landolfshausen gewesen. Vorher habe es seit 1939 schon die Fremdarbeiter/Zwangsarbeiter gegeben. Nachdem diese von den Amerikaner befreit wurden und auch die Evakuierten wieder zurückgegangen seien, wären ab 1945 zunächst Flüchtlinge und später Vertriebene in Landolfshausen angekommen. Sie hätten im Ort viele Impulse hinterlassen. Vorher sei in Landolfshausen zum Beispiel noch kein Fußball gespielt worden. Wilhelm Jebsen, der in seiner Heimat in der Oberliga als Schiedsrichter aktiv gewesen sei, hätte ihn initiiert.

Büermann berichtete, dass in den Häusern zu den Zeiten, als Zimmer beschlagnahmt wurden zum Teil vier Familien gewohnt hätten. Heutzutage sei die Zahl deutlich gesunken. Als Beispiel nannte er ein Haus, wo damals acht Personen lebten, aktuell aber nur noch eine. Dazu präsentierten die beiden eine aktuelle Statistik zu den 107 Häusern im Altdorf. Davon stünden aktuell zehn leer, in 16 lebe nur eine Person und in 35 zwei Personen. Lediglich in 46 Häusern würden mehr als zwei Personen leben. Ende der 40er- und Anfang der 50er-Jahre habe hier Wohnungsnot geherrscht. Damals sei gesagt worden, dass so etwas nie wieder geschehen dürfe, sagte Schulze abschließend zum Thema Flüchtlingsproblematik. Aber wenn man den Fernseher anschalte, sehe man genau das, „worüber wir an diesem Abend erzählt haben“. „Wir haben uns zurückerinnert, als zwölf Millionen Menschen aus dem Osten hergekommen sind“, fasste Schulze zusammen. Und viele der damaligen Flüchtlinge wären auch gern zurückgegangen nach Schlesien, Pommern, nach Königsberg. Aber manche seien in Landolfshausen heimisch geworden. Etwa sieben Familien hätten in den 50er-Jahren ein Haus gebaut und sich in das Dorfleben integriert.

Zwischen den Redebeiträgen standen beim Plattdeutschen Abend verschiedene Liedbeiträge auf dem Programm von „Wo dä Langbarj und dä Sula hült stille Wacht“ über „Kein schöner Land“, das Schlesierlied und das Rennsteiglied bis zu „Seemann lass das Träumen“ reichte das Repertoire, das Karl Köhne und Martin Jebsen vorbereitet hatten und bei dem die Gäste lautstark mitsangen. Aufgezeichnet wurde der Abend vom „Sender Freies Oberdorf“, wie Schulze den Zuschauern erklärte. Er meinte damit Wolfgang Köhne, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, Veranstaltungen und Ereignisse in Landolfshausen mit seiner Videokamera für die Nachwelt in Bild und Ton festzuhalten.

Von Rüdiger Franke

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