Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Die Meute bleibt zu Hause

Schleppjagd in Holzerode abgesagt Die Meute bleibt zu Hause

„Wir können nicht reiten bei dem Boden“, lautete das niederschlagende Fazit von Herbert Klengel. Um kurz nach 6 Uhr morgens habe er die Strecke noch einmal begutachtet – doch der Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Holzerode musste die traditionelle Schleppjagd in Holzerode absagen.

Voriger Artikel
Kuhroulette als Kirmesauftakt
Nächster Artikel
Umbau des Feuerwehrgerätehauses

Haben unerwartet frei bekommen: Die Jagdpferde von Claudia Bartels und Rolf Junge.

Quelle: Niklas Richter

Holzerode. Grund dafür war der starke Regen in der Nacht und den Tagen zuvor. Die Bedingungen seien nicht nur schlecht für die Reiter und Pferde, sondern auch für die Zuschauer, die sonst in Trecker-Anhängern auf der Strecke entlanggefahren werden. „Die wären bei dem Boden seitlich weggeschmiert, das ist einfach zu gefährlich“, sagte Klengel. Doch ganz ins Wasser fallen musste der Tag nicht – und die Jagd mit der Böhmer Harrier Meute (eine „exzellente Hundemeute“, so Klengel) soll nachgeholt werden. „Den neuen Termin müssen wir noch mit der Meute besprechen, aber wir hoffen, dass es noch im Oktober oder Anfang November klappt“, sagte Klengel.

6bf26a56-a82c-11e7-923d-4ef2be6e51d8

Trotz der abgesagten Schleppjagd in Holzerode kamen auf dem Struthkrughof Reiter und Besucher zusammen, feierten die Hubertusmesse und saßen beisammen. Manche unternahmen noch einen kleinen Spazierritt.

Zur Bildergalerie

Die geplante Hubertusmesse in der Reithalle wurde trotz Jagdabsage vor herbstlicher Deko abgehalten, an Bierbänken und -tischen kamen anschließend Reiter und Besucher zusammen, die trotz der Absage ihre gute Laune bewahrten. Die Parforcehorngruppe der Jägerschaft Göttingen spielte noch einen Extra-Ständchen – musste sie doch schon auf ihren Auftritt während der Jagd verzichten.

Die meisten Reiter hatten die Absage rechtzeitig mitbekommen, nur wenige kamen mit Pferd auf dem Holzeröder Struthkrughof an. Einer von ihnen war Rolf Junge. Doch der 76-Jährige nahm es gelassen: „Es ist schade, aber vernünftig“, sagte er, und scherzte: „Die Pferde werden sich jetzt wundern, dass wir sie nur spazierenfahren“. Er reite schon seit 50 Jahren Jagden, erzählte Junge, der natürlich mit seiner Jagdkleidung angereist ist – weiße Reithose, brauner Jagdrock, am Revers stecken etliche Abzeichen, und ein passender brauner Hut auf dem weißen Haar.

Nur erfahrene Jagdreiter und -pferde sollten bei dem Wetter reiten

„Wir reiten bei jedem Wetter“, sagte Junge, der aus Einbeck angereist ist, lachend. Aber das gelte nur für erfahrene Jagdreiter und vor allem -pferde. Unerfahrenere sollten bei diesem Wetter nicht reiten, und die Jagd in Holzerode sei ja auch darauf ausgelegt, dass Neueinsteiger mitmachten. Das bestätigte auch Klengel, dem der Struthkrughof gehört und der die Schleppjagd jedes Jahr mit einem kleinen Team organisiert. „Wir haben im Vorfeld zwei Jagdlehrgänge zur Vorbereitung gemacht“, erzählte er. Gerade diejenigen, die an diesem Tag ihre erste Jagd reiten wollten, seien natürlich enttäuscht.

Und nicht nur die Organisation von Lehrgängen gehörten zur Vorbereitung der Jagd. „Das ist enorm viel Arbeit“, sprach Klengel über die vier Wochen vor der Jagd, in welchen er fast jeden Tag unterwegs sei. „Es wurden allein 35 Sprünge im Gelände gebaut“, erzählte er. Die Jagdstrecke habe festgelegt und abgeritten werden müssen – „die geht einmal rund um Holzerode, mehr als 20 Kilometer und davon mehr als zehn Kilometer Galoppstrecke“, sagte der Vereinsvorsitzende. Eigentlich ein „ideales Jagdgelände“, wie er findet – wenn das Wetter mitspielt. „Das Gelände hier ist fast wie in Irland, wir haben sogar einen alten verfallenen Kirchturm, ganz stilecht“, erzählte er.

„Jagdreiten ist ein Kulturgut“

Zehn Funkgeräte seien bei einer solchen Jagd im Einsatz, es müssten Straßensperrungen eingerichtet werden, ein Krankenwagen und ein Tierarzt seien immer dabei, erzählt Klengel. „Jagdreiten ist auch ein Kulturgut, das zunehmend verloren geht“, sagte er – und hofft natürlich, dass bei dem Nachholtermin wieder viel Zuspruch kommt.

Von Hannah Scheiwe

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Radolfshausen
Der Wochenrückblick vom 11. bis 17. November 2017