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Sorge um archäologische Funde

Baustelle des Verkehrskreisels bei Sieboldshausen Sorge um archäologische Funde

Sieboldshausen/Niedernjesa. Seit Mitte Juni wird der neue Verkehrskreisel zwischen Sieboldshausen und Niedernjesa an der Kreuzung mit der Kreisstraße 29 gebaut. Der frühere Kreisarchäologe Klaus Grote sorgt sich um ausreichenden Schutz möglicher archäologischer Funde.

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Quelle: r

Sieboldshausen. Von den Bauarbeiten könnten die seit langem bekannten urgeschichtlichen Fundplätze bei Obernjesa und Niedernjesa sein, hat Grote an die Kreisarchäologie der Kreisverwaltung geschrieben. Grote erläutert: Die Fundstellen „sind Bestandteile eines größeren, sicherlich zusammenhängenden urgeschichtlichen Siedlungs- und Bestattungsensembles aus dem Mittel- und Jungneolithikum (Rössener Kultur, Bernburger Kultur, etwa 4500 bis 3500 v. Chr.) sowie aus der vorrömischen Eisenzeit (späte Hallstattzeit bis Latènezeit, etwa 500 bis 100 v. Chr.).

Die früheren Baustellenbetreuungen an der K 29/Radfernweg Weser-Harz-Heide und die regulären Ausgrabungen 1989 durch die Kreisarchäologie unter seiner Leitung auf dem Ackergelände unmittelbar neben dem jetzigen Kreiselplatz hätten zudem „umfangreiche und teilweise gut erhaltene Funde und Befunde von hoher wissenschaftlicher und geschichtlicher Bedeutung erbracht.“ Ergänzende Feldbegehungen hätten zudem gezeigt, „dass die fraglichen Ackerflächen auf weite Strecken durchgehend fundführend sind. Daher muss hier bei allen Erdarbeiten mit Bodenfunden gerechnet werden“.

Grote fragt nun den Landkreis Göttingen als Träger der Baumaßnahme und gleichzeitig zuständige untere Denkmalschutzbehörde, ob bei den Arbeiten für den künftigen Kreisel „die nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz erforderlichen Maßnahmen getroffen sind“. Wenn schon keine archäologische Rettungsgrabung svorgeschaltet war, „halte ich als Maßnahmen zumindest die archäologische Begleitung, Kontrolle und Dokumentation der Erdarbeiten für erforderlich“, also das Abtragen der bisherigen Pflugschicht und Oberbodens, meint Grote. Im darunter darunter freiliegenden Lößbodens vermutet der frühere Kreisarchäologe „mit großer Wahrscheinlichkeit urgeschichtliche Befunde wie Gruben, Pfostenspuren, Grabenreste und Ähnliches“ aus den von ihm angeführten Zeiträumen.

Die Göttinger Kreisverwaltung beruhigt ihren früheren prominenten Mitarbeiter: Für das Bauvorhaben sei ein Planfeststellungsverfahren vorgenommen worden. „An diesem Verfahren“, erläutert Kreisverwaltungssprecher Ulrich Lottmann, „war selbstverständlich die Kreisarchäologie beteiligt. Diese hat auf Basis aktueller fachlicher Expertise entsprechende Auflagen erteilt.“

Eine Baubegleitung sei ebenfalls vorgesehen, erklärt Lottmann weiter. Fazit: „Eine fortlaufende archäologische Begutachtung auf Basis konkreter Erkenntnisse ist gewährleistet.“ Grote habe mittlerweile eine entsprechende Antwort erhalten.

Mit dem Verkehrskreisel bei Sieboldshausen soll ein seit langer Zeit gefahrenträchtiger Unfallschwerpunkt entschärft werden. Die Kreisstraße 29 führt von Rosdorf nach Obernjesa, die Kreisstraße 30 von Sieboldshausen nach Niedernjesa. Dort kracht es immer wieder – auch deswegen, weil Autofahrer auf der K 29 nicht selten deutlich schneller als die erlaubten 70 Stundenkilometer unterwegs sind.

Der künftige Verkehrskreisel wird mindestens eine halbe Million Euro kosten, kalkuliert die Kreisverwaltung mittlerweile. Ausweislich des für die Jahre 2015 bis 2019 gültigen Mehrjahresprogramms für den Ausbau von Kreisstraßen muss der Landkreis davon 40 Prozent – 200 000 Euro – tragen. Der Hauptteil soll durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) bereitgestellt werden.

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