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Duderstädter Tafel: Lebensmittel für Menschen mit geringem Einkommen

Hilfe für drei Euro Duderstädter Tafel: Lebensmittel für Menschen mit geringem Einkommen

Es ist 13 Uhr, vor dem evangelischen Gemeindehaus St. Servatius in der Haberstraße 7 hält am Montag dieser Woche ein weißer Lastwagen. Ronald Vollmer und Swen Strüber öffnen die Türen und stapeln innerhalb kürzester Zeit bergeweise gelbe und rote Kisten auf einen Rollwagen: Die Lebensmittel für die Duderstädter Tafel sind angekommen, in einer Stunde werden sie von den Kunden abgeholt.

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Kiste für Kiste wird im evangelischen Gemeindehaus abgeladen: Ronald Vollmer sortiert die Lebensmittel-Behälter nach Farbe und Größe.

Quelle: Richter

Duderstadt. Viele Menschen haben nicht einmal das sprichwörtliche täglich Brot, auf der anderen Seite gibt es gute Lebensmittel im Überfluss. Hier schafft die Tafel einen Ausgleich. Doch bis die Menschen, die auf Unterstützung in Form von Nahrungsmitteln angewiesen sind, diese in Empfang nehmen können, ist der tatkräftige Einsatz ehrenamtlicher Helfer nötig.

Im Gemeindehaus wartet bereits Dagmar Klie mit der Liste. Sie hat gemeinsam mit anderen unter dem Dach der Osteroder Tafel die Ausgabestelle in Duderstadt im Juni 2012 mitgegründet und organisiert an diesem Montag mit vier weiteren Mitstreitern die Ausgabe.

„Etwas weniger als sonst"

„Wir sind vier Teams mit je fünf Helfern und wechseln uns wochenweise ab“, sagt Klie, die gemeinsam mit Vollmer und Strüber anhand des Lieferscheins die Zahl der Lebensmittelkisten kontrolliert. 29 fertig gepackte gelbe Kisten – ausreichend für eine Familie bis drei Personen – und acht rote – für eine Familie ab vier Personen – sind es heute.

„Etwas weniger als sonst. Üblicherweise haben wir um die 50 Vorbestellungen. Doch zum Monatsende ist das Geld knapp, da können sich manche auch die Kiste nicht mehr leisten“, weiß Klie. Denn die Kisten voller Obst, Gemüse, Nudeln, Reis, Joghurt und anderer Milchprodukte, Belag und manchmal auch Süßigkeiten gibt es nicht umsonst.

Drei Euro müssen die Kunden gegen einmalige Vorlage ihres Einkommensnachweises dafür bezahlen – im Voraus bei der Bestellung. Einige Kisten sind mit einem M gezeichnet. „Die sind für Menschen muslimischen Glaubens, also ohne Fleisch“, erklärt Fahrer Strüber.

„Keiner ist raffgierig“

Zusätzlich stehen oft ein oder zwei grüne Kisten voller Obst im Ausgaberaum. „Das sind dann Überhänge, die als Zusatz ausgegeben werden. Da kann sich dann jeder bedienen“, erklärt Klie, die immer wieder erstaunt darüber ist, wie bescheiden die Kunden sind: „Keiner ist raffgierig.“

Zu besonderen Feiertagen würden viele Firmen auch Geld spenden, das werde dann in Geschenktüten umgesetzt. Dann gebe es auch einmal Kaffee oder besondere Süßigkeiten.

An diesem Montag sind auch Blumen und Weihnachtsleckereien, die die Märkte jetzt nicht mehr verkaufen, in zusätzlichen Behältern zu sehen, auch die wurden von den Märkten gespendet. „Über Blumen freuen sich unsere Kunden besonders, die können sie sich ja sonst nicht leisten“, erklärt Klie und streicht auf der Liste die heutige Lieferung ab.

Die Duderstädter Tafel versorgt Menschen mit geringem Einkommen mit Lebensmitteln. © Richter

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Während die beiden Fahrer sich verabschieden, wuchten Renate Bremer und Ulrich Möller die Kisten auf den Ausgabetisch. Sie übernehmen später die Ausgabe der Lebensmittel – ehrenamtlich, versteht sich.

Im Nebenraum bereiten sich derweil Irmgard Jahn und Hans Schulz vor. Sie erledigen heute den Papierkram, notieren die Namen der Kunden, nehmen die Vorbestellungen für die Kisten an und kassieren das Geld. „Die Ordner sind schon ganz schön gewachsen seit dem ersten Tag“, sagt Schulz schmunzelnd.

Alles werde akribisch notiert – wer wann und wie oft komme oder wie alt die Kinder seien – und in einer Statistik ausgewertet: „Zu uns kommen sowohl Alleinstehende, Familien und Rentner. Insgesamt 2750 Lebensmittelkisten haben wir seit der Gründung ausgegeben.“

Wobei Jahn besonders bedauert, dass viele Rentner, die die Unterstützung durch die Tafel dringend bräuchten, sich aus Scham oder Stolz nicht her trauten. „Wir haben die Ausgabestelle bewusst in die Seitenstraße verlegt, doch viele haben noch immer zu große Hemmungen“, hat auch Klie häufig beobachtet.

Es mangelt an Geld und Helfern

Trotz der vielen Lebensmittel-Spenden braucht die Tafel dringend finanzielle Unterstützung, denn es muss ein Kühlwagen zum Transport der Kisten angeschafft werden. „Die Hahletaler Singemäuse haben uns aus dem Erlös ihres Weihnachtskonzertes 1350 Euro gespendet, das hat schon mal geruckt“, sagt Klie erfreut. Neben dem finanziellen Engpass gibt es einen weiteren Mangel: den an freiwilligen Helfern.

„Weil wir zu wenig Ehrenamtliche haben, mussten wir einen Ausgabetag in der Woche streichen. Zu Beginn gab es montags und donnerstags die Kisten, jetzt nur noch montags“, bedauert sie. Doch für trübe Gedanken bleiben ihr und ihrem Team keine Zeit, denn auf dem Flur warten bereits die ersten Kunden auf ihre Kisten.

Wer als Helfer die Tafel unterstützen möchte, kann sich bei Dagmar Klie, Telefon 0 55 27/71 60 7 (nachmittags) melden.
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