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Sechs Wochen als "German Doctor" in Nairobi

Karl Edmund Vogt hilft im Slum Sechs Wochen als "German Doctor" in Nairobi

Jahrgang 1944 ist er, von Beruf Arzt und seit einigen Jahren im Ruhestand. Aber Karl Edmund Vogt, der viele Jahre Oberarzt der chirurgischen Abteilung des St.-Elisabeth-Krankenhauses Worbis war, wollte noch einmal eine Herausforderung, sich in seinem Beruf beweisen und zeigen, dass er noch nicht viel verlernt hat. Da kam die Anfrage vom Verein "German Doctors" recht.

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Karl Edmund Vogt.

Quelle: Mühlhaus.

Die Nachfolgeorganisation des vom Jesuitenpater Bernhard Ehler ins Leben gerufenen Projekts "Ärzte für die Dritte Welt" ist in vielen Ländern aktiv und widmet sich denen, die sich keine medizinische Grundversorgung leisten können. In Indien, Bangladesch, auf den Philippinen, in Sierra Leone und in Kenia sind die "German Doctors" aktiv.

Und in Nairobi, Kenias Hauptstadt, hatte Karl Edmund Vogt sechs Wochen die Gelegenheit sich zu beweisen, zu helfen und über den Tellerrand hinauszuschauen. Der Mediziner und praktizierender Katholik wusste in etwa was ihn auf seiner Reise erwarten würde. "Wir wurden bei einem zweitägigen Seminar in Bonn intensiv auf unseren Einsatz vorbereitet", sagt Vogt. Was er dann in Nairobi sah, war eine 435 000 Einwohner zählende Slum-Siedlung, die den Namen "Mathare Valley" trägt.

"Wir arbeiteten in einer Ambulanz. Die Patienten dort müssen 200 Kenianische Schillinge-etwa 2 Euro-für ihre Ambulanzkarte bezahlen, auf der persönliche Daten und Krankheitssymptome aufgelistet sind. Der Beitrag dient in erster Linie dazu, dass die Menschen sorgsam mit ihrer Karte umgehen, erklärt der Worbiser. Man müsse wissen, dass die Slumbewohner, die einer Arbeit nachgehen, etwa 60 bis 100 Euro im Monat verdienen, schildert Vogt die finanzielle Lage vieler Patienten, die er kennenlernte. Diagnostiziert hat Karl Edmund Vogt hauptsächlich Atemkrankheiten. Bei der durch Autoabgase verpesteten Luft sei das auch kein Wunder, meint der Worbiser. Aber auch mit Bauchschmerzen kamen viele Menschen. Das sei wohl der einseitigen fast ausschließlich pflanzlichen Ernährung mit Hülsenfrüchten geschuldet, vermutet der Zweiundsiebzigjährige und fügt hinzu, "Außerdem trinken die Menschen viel zu wenig". Aber auch Brustdrüsenvereiterungen bei Frauen, septische Fälle und HIV-Infektionen, seien an der Tagesordnung gewesen.

"Circa 5 Prozent meines Patientenguts waren HIV infiziert". Von Unterernährung seien jedoch vor allem Frauen und Kinder betroffen. Erreiche ein Kind im Alter bis zu sechs Jahren nicht das erforderte Maß von 9,5 Zentimeter Oberarmumfang, gelte  es als stark unterernährt, erklärt der Arzt.

An seine Exkursion mit den  "Health Workern" - den Gesundheitsarbeitern - denkt Vogt auch heute noch oft zurück. "Diese besuchen die Slums regelmäßig und schauen nach dem Rechten. Sie kontrollieren ob die Patienten ihre Medikamententherapie, mit der es viele nicht so genau nehmen,  einhalten". Das Erschütterndste jedoch, erzählt der Mediziner, sei die Größe der Behausungen der Slumbewohner. Die etwa neun Quadratmeter kleinen Blechhütten seien so beengt, dass einem Himmel, Angst und Bange werden kann, sagt Vogt.

"Die Leute müssen für ihre Wellblechhütten Miete zahlen. Wenn jemand die 15 bis 60 Euro pro Hütte nicht zahlen kann, wird ihm das Dach über dem Kopf abgebaut", schildert der Arzt die Situation. Den Ratschlag nachts nicht allein durch die Straßen zu gehen , hat Vogt befolgt. "Ausgeraubte und halbtotgeschlagene Menschen sind nicht selten das Ergebnis nächtlicher Unbekümmertheit. Wir wohnten in einem Areal mit einer mit aufgesetztem Stacheldraht umgebenen Mauer. So wohnen dort auch die Bessergestellten", ärgert sich der Arzt über das extreme soziale Ungleichgewicht im Entwicklungsland.

Von Gregor Mühlhaus

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