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Eichsfelder Lokale: Kreativität bei Namenswahl

Tageblatt-Umfrage Eichsfelder Lokale: Kreativität bei Namenswahl

Nomen est Omen – das wussten schon die alten Lateiner. Um die Wirkungskraft der Namensgebung wissen nicht nur frisch gebackene Eltern und Firmenketten, auch lokale Akteure – Restaurants und Gastwirtschaften – machen von diesem Prinzip Gebrauch. Das Tageblatt hat bei fünf Gastronomen nachgefragt, was es mit dem Namen ihres Lokals auf sich hat.

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Eichsfeld. In Deutschlands hipper Hauptstadt Berlin heißen Restaurants heute „Bar jeder Vernunft“, „An einem Sonntag im August“ oder „Mädchen ohne Abitur“. Je ungewöhnlicher also, desto besser.

Das, so scheint es, könnte auch das Rezept von Ralf Wiegmann sein, der seit Mai 2012 das Duderstädter Lokal „Merlin“ – ehemals „MaxxM“ – führt. Doch hinter dem Titel steckt mehr als nur das Bestreben, sich nominell von der Konkurrenz abzusetzen. Merlin der Zauberer – das ist eine Figur, die Wiegmann schon seit frühester Kindheit fasziniert hat. Der Restaurantbetreiber interessiert sich sehr für Mystik und Parapsychologie, verschlingt jede Menge Literatur darüber. Als er früher noch das „Nostalgie“ führte, habe ihn einmal ein Gast gefragt: „Wie zaubert ihr nur diese leckeren Gerichte?“ Da war die Idee für das neue Etablissement bereits geboren.

Auch die Atmosphäre, die er in den Räumlichkeiten vorfand, habe Wiegmann bei den Überlegungen für das Konzept bestärkt. „Wir haben hier diesen alten Rauchabzug, Steinelemente und viel Holz“, erzählt der Inhaber. „Das wirkt schon sehr mittelalterlich und erinnert an die Artussage.“ Von vielen Gästen werde Wiegmann auch selbst „Herr Merlin“ genannt. „Das passt auch am besten zu mir“, schmunzelt der Restaurant-Chef. „Der Name ist auf jeden Fall sehr wichtig. Damit müssen alle etwas anfangen können, und er muss klingen!“

Michaela Flucke, neue Inhaberin vom Waldrestaurant „Zur schönen Aussicht“ auf dem Pferdeberg, hat den Namen des Traditionslokals, das am 10. November unter ihrer Führung wiedereröffnete, nicht geändert. „Das Restaurant gibt es schon seit 20 Jahren und den meisten ist das einfach ein Begriff. Es ist ein idealer Name, und es stand auch von Anfang an fest, dass ich den übernehmen werde“, sagt Flucke. Der Name halte eben, was er verspreche.

 Die Lage mitten im Wald sei ziemlich einzigartig und dürfe dementsprechend auch im Titel nicht fehlen. Außerdem verbänden viele Gäste mit dem Titel Waldrestaurant „Landhausküche und halt kein China-Essen“, so die Inhaberin. Und deswegen stünden auf der Speisekarte eben vor allem „Schnitzel“, so Flucke. Aber auch Wildwochen, Schlachteessen, Rumpsteak und vegane Küche „gehören in so ein Etablissement hinein“, meint die Chefin.

Auf eine lange Tradition blickt auch das Hotel-Restaurant „Zum Holztal“ in Hilkerode zurück. Seit über 30 Jahren ist das Haus in Familienhand, und seit zehn Jahren firmiert Yvonne Prinz als Chefin. Ende 2011 gab es einen großen Umbau und das Bewährte sollte mit Neuerungen kombiniert werden, die Gaststätte wurde zur Lounge umgestaltet mit neuen Sitzgarnituren und Theke.

„Der Staub, den wir vor 36 Jahren hatten, der sollte raus, es sollte frischer Wind rein, und ich denke, das haben wir auch ganz gut hingekriegt“, meint Prinz. Mit gewandelt hat sich das Logo des Hotel-Restaurants, auf dem jetzt – auch auf der Homepage – „Prinz im Holztal“ zu lesen ist. „Das Logo, das wir vorher hatten, war zehn Jahre alt und passte nicht mehr zu dem, was wir hier machen“, so Prinz. „Wir wollten das optimieren, es sollte moderner rüberkommen.“ Laut Inhaberin sei diese Botschaft intuitiv auch bei den Gästen angekommen. „Wir hatten viele positive Reaktionen darauf“, sagt Prinz.

Als Reaktion auf die Wünsche ihrer Gäste sei auch im „Museumskrug“ in Obernfeld eine Namensänderung erfolgt, berichtet Leiterin Dora Skottki. Alles habe angefangen mit der „Forelle nach Müllerinnen-Art“ auf der Speisekarte. Da ihr Fisch frisch im Fließgewässer der Unstrut gefangen werde und daher einen besonderen Geschmack habe, hätten immer mehr Gäste diese Speise gewählt. Skottki und Geschäftspartnerin Pepi Döring folgten dem Marktgrundsatz und änderten das Angebot entsprechend der Nachfrage.

Mittlerweile sei das Fisch-Fleisch-Verhältnis im Verkauf auf 60 zu 40 gestiegen, verrät Skottki, die sich über diese Wünsche in der „Fleisch-Gegend“ Eichsfeld doch etwas wundert. Aber die Ergänzung des Titels „Museumskrug“ mit dem Zusatz „Zur Forelle“ sei daher nur logisch gewesen. Das Gastronomen-Duo setzt damit auf die Strategie der Differenzierung. Restaurants mit „Fischschwerpunkt“ gebe es sonst kaum in der Region. „Die Forelle zieht“, freut sich Skottki. Auf der Speisekarte finde man Forelle mit Käsekruste, Forelle mit Mandelplätzchen, Forelle in Weinlaub gewickelt, gegrillte Forelle oder Forelle mit Zitronengras. Wer auf der B 247 entlangfahre und das Logo des Gasthauses lese, der halte eben vor allem wegen des Fisches.

Italienische Küche hat seit Kurzem in Rhumspringe Einzug gehalten. Emanuel und Milka Asta haben ihr Restaurant „Calabria“ genannt. Die Taufe ihres Etablissements sei für sie keine große Schwierigkeit gewesen, meint Milka Asta. „Mein Mann kommt aus Kalabrien“, erzählt die Inhaberin.

Und dementsprechend seien ihre Speisen auch mal scharf, es gebe die kalabrische Delikatesse Salsiccia (eine Art pikant gewürzte Salami), selbst gemachte Nudeln, und Pizza Stromboli dürfe natürlich auch nicht fehlen, denn die sei nach einem Vulkan in dieser Region benannt. Auf ihr Geburtsland sind die feurigen Italiener eben stolz, und das spiegelt sich auch in ihrem Logo wieder: Die Umrisse Kalabriens verzieren als rotes Symbol den Schriftzug des Namens.

Von Anna Kleimann

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