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Ein Anwalt und seine 1800 tierischen Klienten

Friedrich-Karl Schöttelndreier Ein Anwalt und seine 1800 tierischen Klienten

Mit einem Steinkauz hat alles angefangen. Seit Friedrich-Karl Schöttelndreier den verletzten Vogel vor ziemlich genau 35 Jahren eigenhändig und erfolgreich wieder aufpäppeln konnte, hat er einen Zweitjob: Anwalt.

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Ist seit Frühjahr Dauergast in Rüdershausen: Steppenadler Katharina mit Gastvater Friedrich-Karl Schöttelndreier.

Quelle: Thiele

Er kämpft für die Rechte von Tieren. Mehr als 1800 Klienten, genauer gesagt Eulen und Greifvögel, kurierte er seither in seiner Rüdershäuser Tierstation und leistete wertvolle Lobbyarbeit für sie.

Mittlerweile ist der 65-Jährige in Rente, nachdem er zehn Jahre lang zur See fuhr, bei der Küstenwache und beim Bundesgrenzschutz tätig war. Für Tiere setzt sich der Naturfreund aber immer noch ein, ehrenamtlich versteht sich. Die Versorgung, Nachzucht, Auswilderung der Vögel und die Instandhaltung seiner Vogelstation im eigenen Garten verschlingen allerdings einiges an Kosten. Vieles davon investiert Schöttelndreier aus eigener Tasche, doch ohne Unterstützung und Förderung vom Land Niedersachsen, dem Naturschutzbund (NABU), mit dem er eng zusammenarbeitet, und vielen Spenden wäre das Unterfangen nicht zu stemmen.

Sein Engagement bringt auch viel Bürokratie mit sich, „mittlerweile gehen 80 Prozent der Zeit dafür drauf“, klagt der Rüdershäuser. Genehmigungen, Nachweise, Scheine, Quittungen, Stempel und Papiere. Manchmal fühle er sich dabei wie in dem Lied von Reinhard Mey „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“, sagt er schmunzelnd. Aber der Pensionär lässt sich nicht beirren, getreu seinem Lebensmotto: „Nicht reden, sondern handeln.“

Seit dem Frühjahr sind seine Dauergäste: Katharina, ein 3,5 Kilo schwerer, vier Jahre alter Steppenadler mit einer Lebenserwartung von 40 Jahren; ein Wüstenbussard namens Cleo; und eine Schleiereule names Friedolin, die nachgezüchtet werden soll – weil sie nämlich ein Weibchen ist, was aber erst nach der Namensgebung bemerkt wurde. Die ersten beiden bekommen in der Tierstation ihr Gnadenbrot, weil sie flugunfähig sind und nicht ausgewildert werden können. 1271 Unfallopfer, die in der staatlich anerkannten Vogelstation gelandet sind, konnte Schöttelndreier wieder in die Freiheit entlassen, 639 Tiere haben ihre Verletzungen nicht überlebt.

Einen Schwerpunkt bei der Arbeit mit den Tieren legt der Hobby-Falkner auf die Nachzucht von Steinkäuzen, die in Deutschland auf der Roten Liste stehen und als stark gefährdet gelten. 251 Steinkäuze konnte Schöttelndreier bisher auswildern. Die Schirmherrschaft über das Projekt übernahm im Jahr 1988 der bekannte Tierfilmer Heinz Sielmann während seiner Dreharbeiten zu dem Film „Tiere im Schatten der Grenze“ in Duderstadt. Sielmann lobte die Initiative des Rüdershäuser in einem persönlichen Schreiben als „großartige Schutzaktion“.

Besonders stolz und dankbar ist der mit dem Sven-Simon-Preis für Umwelt ausgezeichnete Naturschützer Schöttelndreier aber für die Unterstützung durch seine Familie. „Manchmal sagt mir meine Frau, ich spräche mit den Tieren schon fast liebevoller als mit ihr“, so der 65-Jährige.

Aber seine Begeisterung für die geflügelten Jäger ist ansteckend und längst haben auch seine Frau und die Kinder Fütterungen übernommen. Bleiben immer rund acht Stunden Arbeitszeit am Wochenende übrig, die Schöttelndreier benötigt, um die Käfige sauber zu machen. „Ein großer Dank gebührt aber auch allen Förderern, Freunden und Sponsoren die mich in den vergangenen 35 Jahren unterstützt haben“, sagt der Vogelfreund. Die Frage nach der Nachfolge ist bei Schöttelndreiers allerdings noch nicht geklärt. Spätestens mit 70 Jahren will der Hobby-Ornithologe den aktiven Betrieb seiner Station aufgeben.

Von Anna Kleimann

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