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Ein Schmatzer unter dem Halbschmarotzer

Misteln Ein Schmatzer unter dem Halbschmarotzer

In der Weihnachtszeit fällt eine Pflanzenart nicht nur an Hauseingängen, sondern besonders auch an kahlen Bäumen ins Auge: die Mistel. Diesen so genannten Halbschmarotzern wird immer wieder nachgesagt, Bäume durch den Entzug lebenswichtiger Nährstoffe zu schädigen und schließlich absterben zu lassen. Doch es gibt auch eine romantische Seite: Wenn sich Mann und Frau unter einem Mistelzweig begegnen, verlangt es der Brauch in vielen Ländern, dass sie sich küssen.

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Viele, viele Misteln: In einer Obstplantage am Weinberg zwischen Duderstadt und Mingerode tritt die Pflanzenart massenhaft in Erscheinung.

Quelle: Lüder

Duderstadt. Die Mysterien um die Pflanze wandeln zwischen romantischen Euphemismen und trüben Halbwahrheiten. „Evolutionsbedingt macht es für eine Mistel keinen Sinn, den Wirtsbaum absterben zu lassen. Sie würde damit den Ast absägen, auf dem sie selber sitzt“, erläutert der städtische Baumexperte Frank Widera.

Zwar sei es richtig, dass Misteln ihren Wirtsbäumen Nährstoffe und Wasser entziehen, gleichzeitig geben sie dem Baum jedoch Assimilate, die als Energie in Wurzel und Stamm gespeichert werden, zurück. „Assimilate benötigt der Wirtsbaum, um im Frühjahr wieder ausschlagen und grünen zu können“, erklärt Widera. Die Symbiose von Mistel und Baum sei nicht so einseitig, wie sie im Volksmund oft dargestellt werde.

Doch wie kommt es zur der oft zu beobachtenden Häufung von Misteln auf bestimmtem Gelände? Und wie gelangen Mistelsamen in Verästelungen und Baumkronen? Widera erklärt: „Besonders weiche Baumarten wie Pappeln, Linden oder Apfelbäume sind prädestiniert für Misteln, da die Samen der Halbschmarotzer besser in die Rinde eindringen können. Mit dem Boden hat das nicht zu tun.“ Mistelsamen gelangten durch Vögel, die die Samen fressen und später unverdaut auf einem Ast ausscheiden, in die Äste ihrer Wirtsbäume, erläutert der Bauhofleiter weiter.

Misteln werden jedoch nicht nur für Baumschädigungen verantwortlich gemacht, sondern ihnen werden in manchen Erdteilen magische Fähigkeiten nachgesagt. Der berühmte Druide Miraculix aus der Comicserie „Asterix“ etwa benutzt eine Mistel als Geheimzutat für sein Zauberelexier, das den Galliern durch die Stärkung physischer Kräfte zum Sieg über die Römer verhilft.

Und auch in der germanischen Mythologie wird der Mistel eine besondere Rolle zugedacht: So soll der Gott Loki den jungen, schönen Gott Balder mittels eines Mistelpfeils getötet haben. Da alle anderen Pflanzen und Tiere schworen, dem hübschen Gott nichts zu tun und nur die Mistel zu unbedeutend erschien, um einen Schwur abzuleisten, nutzte Loki dies aus, um Balder durch eine Mistel töten zu lassen.

Im Angelsächsischen Raum wird der Mistel seit Jahrhunderten nachgesagt, fruchtbarkeitsfördernde und friedensstiftende Wirkung zu entfalten. Aus diesem Grund muss jedes Mädchen, das sich unter einem Mistelzweig aufhält, auf der Stelle von einem Mann geküsst werden. In Frankreich gilt die Mistel ebenfalls als glückstiftend, weswegen an Neujahr Verwandte und Freunde unter einem Mistelzweig mit dem Spruch „Au gui l’an neuf“ (Mit der Mistel ins Neue Jahr) geküsst und gedrückt werden.

In jüngerer Vergangenheit hat der vorweihnachtliche Brauch, Mistelzweige über Türrahmen zu hängen, auch in Deutschland Einzug gehalten. „Die Nachfrage nach Mistelzweigen war in den vergangenen Jahren schon größer als in diesem Winter“, meint Tobias Manegold aus Seulingen. Er verkaufe zwar jedes Jahr einige Zweige aus eigenen Beständen, doch der Absatz von Tannenzweigen gegenüber Misteln sei wesentlich höher.

Von Elisa von Hof

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