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Energiewende setzt Netzbetreiber unter Druck

Photovoltaik-Boom Energiewende setzt Netzbetreiber unter Druck

Zu aufgerissenen Straßen, neuen Trafohäuschen und Stromleitungen führt neben anderen regenerativen Energiequellen vor allem der ungebrochene Photovoltaik-Boom. Während sich die Anlagenbetreiber über Einspeisevergütungen freuen, stehen die Netzbetreiber unter Druck. Die Zeche für die Energiewende zahlt der Verbraucher.

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Und jeden Tag werden es mehr: Die Einspeisung aus Photovoltaik-Anlagen stellt die Stromnetzbetreiber vor neue Herausforderungen.

Quelle: JOK

Eichsfeld. Die durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verursachten Kosten werden über die Netzentgelte weitgehend auf die Stromkunden umgelegt. In Seeburg investiert die Eon Mitte AG seit Juli in die „Versorgungssicherheit des Stromnetzes“, wie Unternehmenssprecher Steffen Schulze sagt. Nieder- und Mittelspannungskabel würden modernisiert, um langfristig die Einspeisung Erneuerbarer-Energie-Anlagen zu gewährleisten. Die Arbeiten sollen bis Ende September abgeschlossen werden. In der Eichsfeldstraße auf Höhe des Aue-Durchgangs wurde eine neue Trafostation errichtet und an ein rund 570 Meter langes Mittelspannungskabel angebunden. Auf einer Länge von rund 400 Metern wird zudem das Niederspannungskabel in der Eichsfeldstraße verstärkt, ein weiteres Kabel ausgewechselt. Noch in diesem Jahr will Eon auch das Stromnetz in Germershausen, Obernfeld und Bilshausen verstärken.

Ständig am Ball sind auch die Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe (EWB), die die Stromnetze in Duderstadt und Gerblingerode betreiben. Für die Biogasanlagen Ottobock und Biermann wurde das Mittelspannungsnetz kilometerweit verstärkt und erneuert, für Photovoltaik-Anlagen in den vergangenen zwei Jahren Leitungen im Bereich Kurmainzer Straße und Siebigsbach ausgewechselt, zwei neue Trafostationen im Bostal und am Weinberg errichtet, eine vorhandene Station aufgestockt. „Im Niederspannungsnetz muss noch viel geschehen“, sagt EWB-Netzbetriebsleiter Bernward Schütte und spricht von einer „Kette ohne Ende“.

Wenig Verständnis für zeitweises Abschalten wegen Überkapazitäten

Schütte bezweifelt, dass die Modernisierung der gesamten, über Jahrzehnte geschaffenen Infrastruktur mit dem Ausbautempo regenerativer Energie mithalten kann, hofft aber auf Entspannung durch den Einsatz neuer technischer Möglichkeiten. „Die Netzbetreiber stehen zwischen allen Stühlen und unter Druck“, merkt Schütte an: „Alle EEG-Anlagenbetreiber wollen Strom einspeisen, das Netz kann nicht alle Lasten aufnehmen, die Einspeiser haben oftmals wenig Verständnis für Verzögerungen oder zeitweises Abschalten wegen Überkapazitäten.“ Da reiche es, wenn die Kurmainzer Straße in Urlaub fahre, kaum Strom verbraucht werde und die Sonne knalle, nennt Schütte als Beispiel.

Von der Energiewende profitieren insbesondere Landwirte, die über Flächen für Energiepflanzen und Windräder verfügen, Scheunen und Ställe mit Photovoltaikmodulen pflastern. Auch bei Aussiedlerhöfen und im Außenbereich sind die Netzbetreiber verpflichtet, den Strom abzunehmen, und müssen Leitungen verlegen. Nur bei Überschreiten einer wirtschaftlich tragbaren Obergrenze würden die Anlagenbetreiber an den Kosten beteiligt, die sie wieder steuerlich absetzen könnten, bestätigt Schütte. Das komme hier aber nur in Ausnahmefällen zum Tragen.

„Die Umsetzung der Energiewende findet überwiegend im ländlichen Raum statt“, bestätigt Schulze. Eon-Mitte habe bereits Anfang des Jahres zusammen mit Landrat Bernhard Reuter (SPD) die 4000. EEG-Anlage in Stadt und Landkreis Göttingen ans Netz genommen. In das gesamte Eon-Mitte-Netz hätten 2011 insgesamt 34 000 EEG-Anlagen rund 1,2 Milliarden Kilowattstunden Strom eingespeist. Das entspreche dem Stromverbrauch von mehr als 340 000 Haushalten. „Allein 2001 hat Eon Mitte 7300 EEG-Anlagen ans eigene Stromnetz angeschlossen, von den rund 75 Millionen Euro Investitionen in die eigenen Energieversorgungsnetze in diesem Jahr entfallen voraussichtlich bis zu sieben Millionen auf die Netzeinbindung von EEG-Anlagen“, nennt Schulze weitere Zahlen, die die Dynamik der Entwicklung verdeutlichen.

Nach wie vor offen sind die Gespräche mit Eon über die Übernahme der Stromnetze durch die EWB in den Duderstädter Ortsteilen. EWB-Geschäftsführer Reinhold Schneegans räumt ein, dass die Verhandlungen sehr schwierig seien und es um die Interpretation verschiedener Gutachten gehe.

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