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Erinnerungen von Gerhard Schütte an Seulingen

Tante Clara und die Ziege Erinnerungen von Gerhard Schütte an Seulingen

Die Heilige Erstkommunion feiern viele junge Christen in diesen Wochen im Eichsfeld. Bereits vor 60 Jahren hat Gerhard Schütte erstmals am Abendmahl teilgenommen. Damals wie heute lebte Schütte in Algermissen, Landkreis Hildesheim.

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Anfang der 1950er-Jahre: Clara und Bernhard Wucherpfennig vor ihrer Haustür in Seulingen.

Quelle: Schütte

Duderstadt. Die Feier seiner Diamantenen Kommunion vor wenigen Tagen war für ihn aber vor allem mit Gedanken und Erinnerungen an das Eichsfeld verbunden. Der Grund: Tante Clara und eine Ziege.

Clara Wucherpfennig und ihr Mann Bernhard lebten in Seulingen. Dort war Schütte, der von 1949 bis 1953 in Duderstadt zur Schule ging, während der Ferien oft zu Besuch. Schütte, heute 69 Jahre alt, erinnert sich an „dörfliche, ländliche Idylle pur.“ Bernhard Wucherpfennig war Schumachermeister und Küster in Seulingen.

Gerhard Schütte

Gerhard Schütte

Zusammen mit seiner Frau wohnte er gegenüber der Kirche. Im Stall gleich neben dem Haus habe es Schweine, Hühner, Enten, Gänse und Ziegen gegeben. „Mit dem Ochsengespann wurde aus dem Seulinger Wald auf einem Langholzwagen Holz für den Winter geholt“, weiß Schütte noch heute.

Die Verbindung zu den Wucherpfennigs sei über die von ihm als Tante bezeichnete Clara zustande gekommen, erzählt der 69-Jährige. Diese habe in ihrer Jugend als Hausmädchen im Haushalt seines Großonkels in Hildesheim gearbeitet. Damals sei eine enge, herzliche Bindung entstanden, und er habe Clara deshalb 1953 schriftlich zu seiner Erstkommunion eingeladen.

Vor 60 Jahren: Gerhard Schütte

Vor 60 Jahren: Gerhard Schütte

Dieser Brief (Foto) ist vor zehn Jahren, nachdem er ein halbes Jahrhundert auf dem Dachboden des Küster-Hauses lag, wieder aufgetaucht. Die Nachfahren des Ehepaars Wucherpfennig, mit denen er bis heute in Kontakt sei, hätten ihm den Brief wieder übergeben, erzählt Schütte gerührt.

Bis heute begeistert ist er aber vor allem von den Folgen des Schreibens. Denn Tante Clara kam zur Erstkommunion – mit einer Ziege. „Viele Familien im Eichsfeld waren in den Nachkriegsjahren nicht betucht, hatten viele Kinder zu ernähren, mussten von ihrem Garten und dem Vieh leben.“ Geld als Geschenk habe Tante Clara nicht gehabt. Sie habe aber erkannt, dass er sehr tierlieb sei und habe ihm deshalb die Ziege mitgebracht.

Eine wahre Odyssee sei die Fahrt von Seulingen nach Algermissen damals gewesen, berichtet Schütte. Clara sei mit dem Linienbus zum Bahnhof in Duderstadt gefahren, sei dort in den Zug nach Wulften gestiegen, habe in Northeim, Nordstemmen und Hildesheim umsteigen müssen, um dann schließlich in Algermissen zu Fuß bis zur Familie Schütte zu gelangen.

"Das interessanteste Geschenk in meinem Leben"

„Tante Clara kam dann, an einer Hand ihr Reisekoffer, an der anderen an einem kurzen Strick das außergewöhnliche Kommuniongeschenk, die Harzer Edelziege“, erinnert sich Schütte. Mit der Ziegenmilch könne das Kommunionkind gut leben, habe sie damals gesagt.

War eine Ziege zur Kommunion damals schon ein so außergewöhnliches Geschenk, wie es einem heute vorkommt? „Und wie. Das war das bislang interessanteste Geschenk in meinem Leben“, sagt Schütte. Mächtig stolz sei er damals als junger Ziegenbesitzer gewesen. Das Tier habe einige Zeit im Garten seines Elternhauses gelebt und sei später Verwandten geschenkt worden, erinnert er sich.

Schütte ist seit der damaligen Zeit ein großer Fan des Eichsfelds. Das hat zum einen mit seinen Erinnerungen zu tun. Bernhard Wucherpfennig beeindruckte ihn tief. Ein „Eichsfelder vom alten Schrot und Korn. Er soll der dienstälteste Küster in Bistum Hildesheim gewesen sein“, berichtet er. Er habe ihn mit in den Kirchturm genommen, um die Betglocke zu schlagen, „damals noch ohne Schlagwerk, alles mit der Hand, ein Riesenerlebnis“.

Geradezu ins Schwärmen gerät Schütte beim Erzählen vom Gemüsegarten der Küsterfamilie, für den das Wasser mit dem Eimer aus der Suhle geschöpft worden sei, in der es vor Stichlingen nur so gewimmelt habe. Er erinnert sich an die Grude, den hohen Ofen in der Küche, auf dem Eintopf und Tee warm gehalten oder im Winter auch ein Stein zum Anwärmen des Betts aufgeheizt wurden.

Schüttes Beziehung zum Eichsfeld ist bis heute ungebrochen. Unter anderem hat der heutige Ortsheimatpfleger von Algermissen auch dem Duderstädter Sportverein VfL Olympia vor einigen Jahren historische Exponate zukommen lassen. Als Pressesprecher des Landesverbands Hannoverscher Rassegeflügelzüchter ist er häufig in Kontakt mit hiesigen Vereinen. Und bis heute besucht er regelmäßig die Region.

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