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Erster Schnee, Glühwein und Freunde fürs Leben

Duderstadt aus Sicht eines Afrikaners Erster Schnee, Glühwein und Freunde fürs Leben

Als Christopher Kiwele aus Tansania im Juni bei einem Busunfall seinen linken Arm verlor, konnte er sich nicht vorstellen, das Weihnachtsfest mit einem neuen Arm, verbringen zu können. Nach seiner schweren Verletzung sagten ihm die Ärzte an der Ostküste Afrikas, dass es nur einen Ort gebe, an dem ihm geholfen werden könne: Duderstadt.

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Positiver Kulturschock: Christopher Kiwele erlebt in Deutschland den Winter und in Duderstadt, nach einem Unfall, viel Unterstützung.

Quelle: VL

Duderstadt. Der 38-Jährige Kiwele ist Mitglied des tansanischen Rotary-Clubs. Der Dachverband der weltweit agierenden Service-Clubs schaltete sich ein und unterstütze den Banker. Dank der Vernetzung aller Rotary-Clubs erfuhr der deutsche Länderbeauftragte Afrikas von dem Aufenthalt Kiweles in Duderstadt und trat an den hiesigen Verband heran. „Als wir Rotarier aus Duderstadt gefragt wurden, ob wir Christopher während seiner Behandlungszeit bei Ottobock bei uns unterbringen können, war sofort klar, dass wir ihm helfen würden“, erklärt Holger Willuhn, Präsident des Rotary-Clubs Duderstadt-Eichsfeld.

Mit einer Rundmail habe er alle Mitglieder kontaktiert und gemeinsam mit ihnen die Betreuung Kiweles während dessen Zeit in Deutschland geplant und die Unterkunft organisiert. Für die erste Hälfte seines vierwöchigen Aufenthalts nahm Familie Osburg aus Gerblingerode Kiwele bei sich auf. Die zweite Hälfte waren Willuhn und dessen Frau Gastgeber für den Tansanier.

Doch nicht nur die Familien Osburg und Willuhn brachten sich während des Aufenthalt Kiweles ein, sondern auch andere Mitglieder des Rotary-Clubs Duderstadt. Sie unternahmen mit ihm beispielsweise Städtetouren nach Kassel, Berlin und Frankfurt. „Wir Rotarier geben viel und auch gerne, aber wir bekommen durch Christopher auch viel zurück“, sagt Willuhn: „Das ist gelebter Kulturaustausch.“

Brauchtum und Kulturvielfalt

Der 38-jährige Tansanier lernt bei seinem ersten Besuch Europas ein anderes Deutschland kennen, als er erwartet hatte. „Ich hab selten so viele freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen wie die, dir mir in Deutschland begegnet sind“, erklärt der dreifache Familienvater in fließendem Englisch.

Sichtlich begeistert zeigt er sich jedoch nicht nur von den Menschen, sondern auch vom deutschen Brauchtum und der Kulturvielfalt. Dass er zur Adventszeit in Duderstadt sei, finde er besonders spannend. Die Vorweihnachtszeit in Deutschland unterscheide sich sehr von der in seiner tansanischen Heimat. „Dass die Adventszeit mit Dekoration, Kerzen, Keksen, besonderen Gerichten und eigenen Bräuchen zelebriert wird, habe ich vorher noch nie erlebt. In Tansania dauert die Weihnachtszeit genau drei Tage an“, erklärt der Afrikaner. Besonders gefalle ihm, dass die Menschen sich vor Weihnachten Zeit nähmen, von der Hektik des Alltags Abstand zu gewinnen, Freunde auf dem Weihnachtsmarkt zu treffen oder besinnliche Stunden mit der Familie zu verbringen.

Die Behandlung bei Ottobock, während der seine Armprothese angepasst wurde und er lernte, mit dieser umzugehen, ließ Kiwele ausreichend Freiraum, viele Eindrücke vom Eichsfeld und von Duderstadt zu gewinnen. „In Deutschland und gerade in Duderstadt ist Geschichte in Architektur, Kultur und Politik präsent, das ist faszinierend“, schwärmt der von den Fachwerkhäusern begeisterte Banker.

Überrascht sei er außerdem von der Sauberkeit deutscher Städte und von den Fahrkünsten der Autofahrer: „Die meisten Deutschen handeln sehr verantwortungsbewusst und umsichtig, denn mir ist niemand begegnet, der die Umwelt mutwillig verschmutzt oder unvorsichtig Auto fährt.“ Beeindruckt zeigt er sich auch von der wirtschaftlichen Verknüpfung von Industrie, Handwerk und Handel, die auch kleine Regionen stärke und viele Menschen miteinander verbinde.

Kulturschock mit vielen Überraschungen

Der Besuch im Eichsfeld war für Kiwele ein positiver Kulturschock mit vielen Überraschungen. So erlebte der Afrikaner zum ersten Mal in seinem Leben Schnee. Der sei „zwar wunderschön anzusehen, aber ist doch sehr kalt“, lautet sein Urteil. Auch kulinarisch entdeckte er viel Neues. So probierte er beispielsweise Schlagsahne, Rosenkohl und Glühwein zum ersten Mail bei seinen Duderstädter Gastfamilien. „Es wundert mich sehr, dass ich in Tansania noch nie deutsche Gerichte gekostet habe, dabei schmeckt hier doch alles so gut“, sagt er lachend. Besonders lecker sei das Gemüse aus der Duderstädter Landwirtschaft, das weniger gedüngt und behandelt als in Tansania sei. „Christopher ist sehr experimentierfreudig und probiert wirklich alles“, wirft Willuhn schmunzelnd ein.

„Ich bin sehr gerührt, dass sich die Rotarier und die Menschen in Duderstadt so aufopfernd um mich kümmern und mir so viele neue Erfahrungen ermöglichen. Das hatte ich nicht erwartet“, erklärt der 38-Jährige. „So aufgenommen zu werden, ist ein Geschenk.“

Sein Dank gelte auch dem Unternehmen und den Menschen bei Ottobock, die ihn während seiner Behandlung unterstützt und ihm die beste Versorgung geboten hätten, die er sich vorstellen könne. Von seiner neuen Unterarm- und Handprothese ist er fasziniert. Sie ermögliche ihm einen Alltag ohne Beeinträchtigungen. Tatsächlich merkt man ihm den noch ungewohnten Umgang mit der neuen Prothese kaum an.

Deutschland sei ein tolles Land, in das er gerne noch einmal kommen werde, so Kiwele. Er fliegt am heutigen Freitag zurück in seine Heimat. Grund für einen weiteren Besuch im Eichsfeld wären vor allem die Menschen: „In Duderstadt habe ich Freunde fürs Leben getroffen.“

Von Elisa von Hof

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