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„Es ist ein Wettlauf mit den Kriminellen“

Banken versus Banden „Es ist ein Wettlauf mit den Kriminellen“

Der Anteil der Selbstbediener im Bankengeschäft steigt ständig – sei es am Geldautomaten oder per Onlinebanking.

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Mehr Sicherheit am Geldautomaten: Seit Beginn des Jahres wird in Deutschland flächendeckend auf das sicherere EMV-System gesetzt.

Quelle: OT

Doch damit sind in den vergangenen Jahren auch die Gefahren gewachsen: Da wurden am Geldautomaten Pins ausgespäht („Skimming“) oder die Zugangsdaten zum Onlinebanking oder Kreditkartendaten abgegriffen („Phishing“ oder „Pharming“). Doch ist die Sicherheit im Zeitalter professioneller organisierter Banden überhaupt zu gewährleisten?
Die Zahlen für das vergangene Jahr waren alarmierend: Im ersten Halbjahr 2010 sind nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) in Deutschland mehr Skimming-Fälle registriert worden, als im gesamten Jahr 2009, in dem der Schaden 40 Millionen Euro betrug. Betroffen waren mehr als 100 000 Kunden. Auch in der Region gab es Fälle: In Duderstadt und Göttingen manipulierten Gauner Geldautomaten. Im Internetbereich sieht ähnlich aus: Die Zahl der Betrugsfälle steigt laut BKA stark an. Mit bis zu 5000 angezeigten Phishing-Fällen wurde für 2010 gerechnet – das entspricht einem Plus von 71 Prozent. Die Summe der Schäden soll bei 17 Millionen Euro liegen.
„Das Thema beschäftigt uns“, erklärt Carsten Basdorf, Sprecher der Sparkasse in Duderstadt. Cornelia Kurth-Scharf von der Volksbank Mitte: „Geldbörsen klauen ist heute gar nicht mehr sinnvoll“, da der Zahlungsverkehr zunehmend bargeldlos abgewickelt werde. Bei der Sparkasse nutzen 7000 Kunden das Online-Banking, bei der Volksbank sind es mehr als 10 000, ohne die ehemalige Volksbank Rosdorf. Konkrete Zahlen über Internet-Betrugsfälle will die Sparkasse nicht nennen. Im Bereich des Skimmings tut man sich leichter: „Da gab es bisher keine Vorfälle“, erklärt Basdorf. Bei der Volksbank habe es 2010 keine Fälle gegeben, bei denen die Ursache in den Sicherheitssystemen der Bank lag, so Kurth-Scharf. Das heißt: Kunden müssen beispielsweise EC-Karte und Geheimnummer zusammen aufbewahrt haben. Im Internetbereich habe es keine Schadensfälle gegeben.
„Es ist ein Wettlauf mit den Kriminellen“, sagt Lothar Klingebiel, Fachberater für die Abwicklung und Sicherung des elektronischen Zahlungsverkehr bei der Sparkasse. Gegen die immer ausgefeilteren Angriffe der Banden – es gab im Raum Göttingen sogar Skimming-Fälle, bei denen selbst Polizisten die Manipulation nicht erkannten – setzen die Banken neue Technik. Bei den Geldautomaten gab es zum Jahreswechsel eine Innovation: das sogenannte EMV-Verfahren. Beim Abheben des Geldes am Automaten wird nicht mehr der anfällige Magnetstreifen der Karte verwendet, sondern der Chip darauf. Das erhöhe die Sicherheit sehr, betonen die Vertreter beider Banken.
Auch Anti-Skimming-Vorrichtungen würden an den Automaten angebracht – wie genau die aussehen, verraten die Banken nicht. Nur soviel erläutert Klingebiel: „Sie beinhalten eine Vorrichtung, die auf Veränderungen des Magnetfeldes reagiert.“ Doch noch nicht alle Automaten seien mit diesem Merkmal ausgestattet. Sie schlagen mit Anschaffungskosten von rund 50 000 Euro zubuche.
Im Bereich des Online-Bankings gibt es ebenfalls Neuerungen: Beide Banken setzen unter anderem auf das „mtan-Verfahren“. Hier wird eine einmalig verwendbare Tan-Nummer – die Legitimation für eine Internet-Zahlungsanweisung – generiert, die auf das Handy gesendet wird. Daneben stehen Produkte wie der Chip-Tan-Generator, in den die EC-Karte eingeführt wird, um ebenfalls bei Bedarf eine Nummer zu generieren. Die Produkte lösen bei der Sparkasse das inzwischen als unsicher eingestufte „itan-Verfahren“ ab, bei dem die Kunden Papierlisten mit Tans hatten. Die Volksbank habe diesen Schritt gleich komplett übersprungen, so Kurth-Scharf. Die Innovation der neuen Verfahren liegt darin, erklärt Kay Schrader, Internet-Experte der Volksbank, dass der Kunde die Transaktion nochmals kontrolliere, bevor sie abgesetzt werde. Daneben existieren auch Transaktionslimits, um mögliche Schäden zu begrenzen.
Die Schäden aus unverschuldeten Fällen übernehmen die Banken, doch indirekt – über die Gebühren – tragen die Verbraucher die Kosten selbst. Nicht zuletzt deshalb sollten die Kunden ein Auge auf Sicherheitsaspekte haben.
Das heißt beispielsweise: die Pin-Eingabe am Automaten mit einer Hand abdecken – gleiches gilt beim Bezahlen in Geschäften. Dort sind besonders die Geräte gefährlich, die keine Pin-Abfrage verlangen, sondern nur über den Magnetstreifen und eine Unterschrift funktionieren. Zudem sollte nicht sorglos mit den Zugangsdaten umgegangen werden. Denn: Die größte Fehlerquelle bleibt der Mensch.

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