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Fachwerk statt Feuerwerk: Knallverbot bleibt

Sonderregelung Fachwerk statt Feuerwerk: Knallverbot bleibt

Was Tier- und Umweltschützern nicht gelungen ist, hat der Gesetzgeber im Juli 2009 über Auflagen zum Brand- und Denkmalschutz durchgesetzt: ein zumindest partielles Feuerwerksverbot. Beim Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände müssen 200 Meter Sicherheitsabstand zu Reet- und Fachwerkhäusern, Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen eingehalten werden.

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Verwinkelt, eng und brandgefährlich: In der Fachwerkstadt Duderstadt sind Raketen nur außerhalb des Walls erlaubt.

Quelle: Pförtner/Droese

Duderstadt. Die Stadt Duderstadt zog mit dem generellen Verbot nach, innerhalb des Walls Feuerwerk abzubrennen. In den Jahren davor waren alle Anläufe gescheitert, ein Verbot politisch nicht durchsetzbar – nicht einmal, nachdem eine Silvesterrakete ein Kirchenfenster durchschlagen hatte und vor der Altardecke der Unterkirche gelandet war. Ein Kongress zum Feuerwerksverbot, zu dem die Stadt andere Fachwerkstädte eingeladen hatte, musste mangels Echos abgeblasen werden.

Wie bei Abschaffung der Brenntage ging dann alles Knall auf Fall. Im Juni 2010 folgte der Stadtrat der Verbotsempfehlung des Ortsrates für die eng bebaute Innenstadt mit ihren mehr als 500 Fachwerkhäusern. Seitdem sind zwei Silvesternächte vergangen – und alle haben sich an das Böllerverbot gehalten. Verstöße, die mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden können, wurden nicht registriert. In Horden zogen vor allem jüngere Menschen zum Jahreswechsel zur Wallgrenze und hüllten die Stadttore in Pulverdampf, während man in der Innenstadt durchatmen konnte.

Ordnungsamtsleiterin Sabine Holste-Hoffmann freut sich nach zwei „unspektakulären Jahreswechseln“  und vor dem am heutigen Freitag beginnenden Feuerwerksverkauf ebenso wie Polizeichef Otto Moneke, dass die Innenstadtbewohner Vernunft bewiesen und Verständnis gezeigt haben. Das Verbot habe sich bewährt und eingespielt. Auch in diesem Jahr will die Polizei wieder Kontrollen durchführen, allerdings erstmals ohne Begleitung durch Ordnungsamtsmitarbeiter.

Brot und Böller schließen sich nicht aus

Zu den Themen, die Jahr für Jahr wieder polarisieren, gehört die selbst schon zur Tradition zwischen den Jahren gewordene Diskussion über Sinn und Unsinn des Silvester-Feuerwerks. So ruft auch das evangelische Entwicklungswerk Brot für die Welt zum Jahreswechsel wieder zu Spenden unter dem Motto „Brot statt Böller“ auf. „Wir laden dazu ein, das neue Jahr mit einer Investition in nachhaltige Zukunftschancen für Menschen zu erhellen, statt mit dem Geld für Minuten den Nachthimmel zu erleuchten“, appelliert Brot-für-die-Welt-Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel. Verhärtet wie noch vor einigen Jahren sind die Fronten zwischen moralischen Rigoristen und Fans der Brauchtumspflege mit pyrotechnischer Dynamik allerdings nicht mehr. Füllkrug-Weitzel räumt bei aller Kritik an 100 Millionen Euro verpulverten Geldes zu Silvester in Deutschland samt Belastung der Atmosphäre ein, dass ein Feuerwerk unbestreitbar vielen Menschen Spaß mache.

Kirchenvertreter aus dem Eichsfeld vollziehen den Spagat zwischen Spaßgesellschaft und Spendenaufrufen, sehen keinen Widerspruch zwischen Brot und Böllern.

„Das eine schließt das andere nicht aus“ erinnert Propst Bernd Galluschke an den katholischen Grundsatz des sowohl als auch. Galluschke selbst kauft schon seit Jahren keine Knaller mehr, zeigt aber Verständnis für das Brauchtum, lautstark und farbenfroh  Negatives vertreiben zu wollen. „Gerade Menschen, denen es nicht so gut geht, sollte man nicht die Lebensfreude nehmen“, meint Galluschke: „Es wäre aber schön, zumindest einen Teil des Geldes für Spenden und gemeinnützige Zwecke abzuzweigen.“ Gern erinnert sich Galluschke an die vom ihm mitorganisierte Happy-Birthday-Jesus-Party samt kleinem Gottesdienst und Geschenke-Tauschzelt am zweiten Weihnachtstag auf dem Marktplatz des als sozialer Brennpunkt geltenden Roderbruchviertels in Hannover: „Zum Abschluss wurde stets gemeinsam O du Fröhliche gesungen und ein schönes Feuerwerk gezündet.“

Verständnis für die Freude an Böllern und Raketen zeigt auch Pastor Jens-Arne Edelmann : „Sinn der zum Nachdenken anregenden Aktion Brot statt Böller ist es nicht, Spaß zu vermiesen und ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern Menschen zu helfen.“ Brot für die Welt leiste phantastische Arbeit, betont Edelmann und freut sich über mehr als 1000 Euro Kollekte bei den Weihnachtsgottesdiensten in Gieboldehausen und Wollershausen.

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Appell der Stadt

Für viele gehören Raketen und Böller zum Jahreswechsel, heute beginnt in den Verkaufsstellen – rund 80 allein in der Stadt Göttingen – der Verkauf von Feuerwerk. Doch mit einer bereits 2009 bundesweit in Kraft getretenen Änderung des Sprengstoffrechts gilt weiterhin: „Das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern ist verboten.“

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