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Falknerei: Lautlose Jagd bei der Jägerschaft Duderstadt

Tier ersetzt Flinte Falknerei: Lautlose Jagd bei der Jägerschaft Duderstadt

Das Abrichten, die Pflege und das Jagen mit Greifvögeln werden bereits in antiken Quellen genannt. In der mehr als 60-jährigen Geschichte der Jägerschaft Duderstadt hingegen hat die Falknerei bislang keine Rolle gespielt. Jetzt besteht zumindest die Option auf eine Nebenrolle. Erstmals haben drei Mitglieder der Jägerschaft nach ihrer Jagdprüfung eine Falknerprüfung abgelegt.

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Auf Federfühlung mit Weißkopfadler: der Nesselröder Thomas Andres.

Quelle: EF

Eichsfeld. Das sind: Die Göttingerin Marlies Büttner (22), die zurzeit in einer Duderstädter Tierarztpraxis ihre Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten absolviert, sowie die Nesselröder Markus Zwingmann (41, Rechtsanwalt) und Thomas „Speedy“ Andres (49), der in der IT-Abteilung von Ottobock arbeitet.

So verschieden Alter, Beruf und Background sind, so sehr eint das Falkner-Trio die Liebe zur Natur, ein Faible für die Jagd und die Faszination, die Greifvögel auf sie ausüben. Schon als Junge begeisterte sich Andres für die Jäger der Lüfte. Büttner hat bereits im Tierpark Sababurg mit Greifern gearbeitet und sie Besuchern vorgeführt. Zwingmann wurde durch das Lernen für den Jagdschein motiviert. „Die seit Jahrhunderten gleich gebliebene Jagdtechnik hat mich beeindruckt“, sagt er. Und schätzt an der selektiven Jagd, dass „gesunde Tiere eine reelle Chance haben, zu entkommen“.

Sie praktizieren die lautlose Jagd, indem sie ihre Flinte durch einen Falken ersetzen. In der Jägerschaft Duderstadt gibt es erstmals drei Mitglieder, die die Falknerprüfung abgelegt haben.

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Von einer interessanten, selten gewordenen und im Eichsfeld wenig populären Jagdart spricht Jägerschaftsvorsitzender Hans-Georg Kracht. Die vom Beißen abgeleitete so genannte Beizjagd, wie die Falknerei auch genannt wird, komme vor allem auf Friedhöfen, in  Parkanlagen und Siedlungsgebieten zur Anwendung. Dort darf nicht geschossen werden. Für diese so genannten befriedeten Bereiche werden teilweise Falkner eigens engagiert. Auf Flughäfen werden sogar hauptberufliche Falkner eingesetzt, um Vögel zu vertreiben und Vogelschlag bei Flugzeugen zu verhindern.

Die Wildarten, die für die Jagd ohne Schusswaffe in Frage kommen, sind begrenzt. Die Jagd mit Beutegreifern beschränkt sich im Wesentlichen auf Kaninchen, Hasen und Federwild wie Krähen, Rebhühner und Fasane. Hasen, Rebhühner und Fasane hätten hier Bestandsschutz und würden nicht bejagt, die Kaninchenbestände seien durch die Viruskrankheit Myxomatose dezimiert, sagt Andres. Was bleibt, sind die Krähen. Die werden mit Falken oder Habichten gejagt und können von ihren gefiederten Jägern über mehr als einen Kilometer Entfernung erkannt werden. Aber auch auf Krähenjagd im Herbst und Winter werden die Jung-Falkner aus dem Eichsfeld so bald nicht gehen. Noch haben sie keine eigenen Vögel. Und wollen das auch vorerst nicht, stattdessen zunächst weitere Erfahrungen mit der Falknerei sammeln.

Pausen nur in der Mauserzeit

Die Bindung zwischen Falkner und Vogel, der immer wieder auf die Faust zurückkehren muss, ist eng. „Die Tiere müssen täglich umhegt werden, Pausen bleiben nur in der Mauserzeit“, beschreibt Zwingmann das Zeitproblem: „Und man kann den Vogel im Urlaub nicht einfach in eine Tierpension geben.“ „Die Chemie muss stimmen“, ergänzt Andres: „Nicht jeder Vogel gewöhnt sich an jeden Falkner und umgekehrt.“ Insbesondere Steinadler, die auch Füchse jagen, seien sehr personenfixiert. In Russland würden Jäger sie sogar mit ins Wohnzimmer nehmen.

„Adler und Bussarde sind Grifftöter, Falken Bisstöter, die nur Flugwild schlagen“, erläutert Andres: „Wanderfalken tragen grundsätzlich Hauben, damit sie ruhig stehen und nicht vorher potenzielles Wild bemerken, auf das sie gar nicht losgelassen werden sollen.“ Wie seine Mit-Falkner hat er sich monatelang  in Jagdrecht, Greifvogelkunde, Halten/Abtragen und praktischer Beizjagd eingefuchst, um nach einem einwöchigen Crash-Kurs in einer Jagdschule und Falknerei vor dem Prüfungsausschuss des Jagdverbandes im Saarland die Falknerprüfung abzulegen. Den Schein hätten sie auch in jedem anderen Bundesland machen können. Da sie aber aus Termingründen eine Falknerschule im Saarland besuchten, haben sie sich dort auch gleich prüfen lassen.

Haltungs- und Kaufvorschriften reglementiert

Die Beizjagd sei nicht überall erlaubt, dürfe nur im eigenen Revier oder mit Gestattung des Jagdpächters ausgeführt werden, berichtet Andres. Haltungs- und Kaufvorschriften seien strengstens reglementiert, Tier-, Natur- und Artenschutzauflagen einzuhalten. „Alle Falkner-Vögel stammen aus Züchtungen“, betont der Nesselröder den Aspekt des Arterhalts und verweist auf Auswildungsprojekte wie beim Bartgeier in Bayern oder beim Wanderfalken im Schwarzwald.

Viel Geduld erfordere der Prozess, den Vogel an sich zu gewöhnen, sind sich Andres, Zwingmann und Büttner einig. Das geschieht in erster Linie über das Füttern. Aber auch an Autos, Hunde, andere Menschen und Umwelteinflüsse müssen sich die Greifer gewöhnen. Und die Kondition der Tiere mit dem schnelllebigen Energiehaushalt von Hochleistungssportlern spielt ebenfalls eine Rolle. „Die Vögel müssen täglich gewogen werden – auch aus Gründen der Gesundheitsvorsorge“, sagt Andres: „Bereits 20 Gramm Gewichtsabweichung können den Jagdtrieb beeinträchtigen oder die Motivation, zurückzukommen.“ Und wenn sie das einmal nicht tun, können sie wieder aufgespürt werden: Beizvögel werden mit Peilsendern ausgestattet.

Jägerschaft im Netz: js-duderstadt.de

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