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Fledermäuse beenden Winterschlaf und suchen neues Zuhause

Sommerquartiere Fledermäuse beenden Winterschlaf und suchen neues Zuhause

Temperaturen oberhalb des Gefrierpunktes, Sonnenschein, mildes Klima: Die ersten Fledermäuse wachen derzeit aus dem Winterschlaf auf und beziehen die Sommerquartiere. Auf der Suche nach einem warmen Unterschlupf schlagen sie ihr Lager auch in und an Wohnhäusern auf. Wie sich Anwohner gegenüber den ungebetenen Gästen verhalten sollten und welche Strapazen hinter den Tieren liegen, erzählt Rómulo Aramayo Schenk. Der 45-jährige Biologe ist Umweltbildner bei der Heinz Sielmann Stiftung auf Gut Herbigshagen und Regionalbetreuer für Fledermäuse.

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Fledermaus-Weibchen unter sich: Große Mausohren der Wochenstubenkolonie Rittmarshausen.

Quelle: Rómulo Aramayo Schenk

Duderstadt. Willibald hat es nicht geschafft. Er machte den Fehler, die Wintermonate in einem zu kalten und feuchten Dachstuhl zu verbringen, vermutlich fand er sein Quartier aus dem Vorjahr nicht wieder. Auf einem Dachboden auf Gut Herbigshagen fand Schenk das Tier nur noch tot vor. Schenks Schüler gaben der Fledermaus einen Namen, mehr konnten sie nicht tun. Heute kann man Willibald hinter dem Vitrinenglas im Erdgeschoss anschauen.

Der Winterschlaf stellt die Fledermäuse alljährlich vor große Herausforderungen. „Es ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang“, sagt Schenk. Die Körpertemperatur wird heruntergefahren, liegt nur noch zwei Grad über der Außentemperatur. Puls und Herzfrequenz werden gesenkt.

Das richtige Quartier finden

Die Fledermaus lebt nur noch von den eigenen Fettreserven. Während des Winterschlafs, der meist von Oktober bis März dauert, verliert sie ein Drittel ihres Körpergewichts. Um jetzt im Frühjahr beim Erwachen die normale Temperatur zurückzuerhalten, muss das Tier noch einmal an seine Fettreserven gehen: ein letzter kritischer Moment. 

Die ersten Fledermäuse wachen in diesen Tagen auf und erkunden mögliche neue Lager. Höhlen und Stollen sind bevorzugte Winterquartiere. Als Sommerquartiere dienen dagegen Dachstühle oder Spalten – an abstehenden Rinden, unter Wandverkleidungen, in Plattenfugen oder an Fensterläden.

Zunächst untersuchen die Tiere das mögliche Quartier. Schenk hat es schon oft beobachtet: Eine Fledermaus fliegt einen Dachstuhl an, hält vor der Mauer inne, fliegt sie noch einmal an. Ist die Einflugschneise günstig, wie ist die Temperatur dort oben? Droht eventuell Störung oder Gefahr?

Das richtige Quartier zu finden, ist auch jetzt für Fledermäuse überlebenswichtig, sagt Schenk. Die Tiere verfügen darum über ein ausgeprägtes räumliches Bewusstsein und beschallen den Raum über Ultraschall. Manche Arten werden 25 Jahre alt, aber was eine Fledermaus einmal gespeichert hat, vergisst sie nie.

Die ersten Fledermäuse wachen derzeit aus dem Winterschlaf auf und beziehen die Sommerquartiere. Biologe Rómulo Aramayo Schenk gibt als Regionalbetreuer für Fledermäuse einen Einblick.

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Sollte es der Dachstuhl des eigenen Wohnhauses sein, den sich die Fledermaus ausgesucht hat, oder sollte aus dem Rollokasten ein verräterisches Quiken dringen, empfiehlt Schenk: Ruhe bewahren. Auf keinen Fall sollte das Tier angefasst werden. Die Fledermaus fühlt sich sonst angegriffen, beißt unter Umständen zu. „Das sind keine Knuddeltiere“, sagt Schenk.  Ein Fledermaus-Biss kann Krankheiten übertragen, auch Tollwut.

Wenn das Tier in den Wohnraum dringt, rät Schenk dazu, alle Fenster zu öffnen und das Licht zu löschen: Um es „ungemütlich“ für sie zu machen und Ausflug-Möglichkeiten zu geben. Sollte das nicht gelingen, könne die Fledermaus mit einem Tuch in eine mit Löchern ausgestattete Kiste gelockt und nach draußen getragen werden. Man kann aber auch Schenk kontaktieren.

Solange sich das Tier bloß im Dachstuhl aufhält, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Viele Anwohner fürchten in so einem Fall um ihre Isolierung. Aber Schenk sagt: „Die Tiere höhlen nicht aktiv aus, sondern nutzen vorhandene Vertiefungen.“ Die Fledermaus genießt Artenschutz, ihre Quartiere sollten also erhalten werden.

Die Bedürfnisse der Arten sind verschieden, sagt Schenk. Die Zwergfledermaus kundschaftet eine ganze Reihe von Quartieren aus, zwischen denen sie in den Frühlings- und Sommermonaten je nach Temperatur und Wetterlage wechselt. Das Große Mausohr wiederum benutzt Jahr für Jahr dasselbe Sommerquartier.

Kolonien zu Hunderten

In den kommenden Wochen wird Schenk jedenfalls wieder ein Vielfaches an Fledermäusen sichten als im Winter: Nur einen geringen Teil der Winterquartiere kennt er. Etwa zehn Prozent, sagt Schenk. Wo die anderen Tiere unterkommen, weiß er nicht. Aber plötzlich sind sie wieder da – wie im Duderstädter Rathaus oder in Rittmarshausen.

Zu Hunderten schlagen Große Mausohr-Weibchen hier alljährlich ihr Sommerquartier auf, sie bilden Kolonien. Ihnen ist an einem warmen Quartier gelegen, weil bei höherer Außentemperatur der Nachwuchs im Körper stärker wächst und nach der Geburt im Mai/Juni höhere Überlebenschancen hat.

Doch nicht alle Arten bilden Kolonien oder leben an gut sichtbaren Plätzen. Fledermäuse siedeln sich auch einzeln und an eher versteckten Orten an. Wer genau hinschaut, findet Fledermäuse an vielen Plätzen. Den Hinweis geben oft Kotspuren.

Von Telse Wenzel

Für Schulklassen und Interessierte organisiert die Heinz Sielmann Stiftung Erlebnisveranstaltungen zum Thema Fledermäuse. Infos unter Telefon 05 52 7 / 91 40.
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