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Glaube: Zwischen Zweifel und Sehnsucht

Einstellung zur katholischen Religion Glaube: Zwischen Zweifel und Sehnsucht

Diskriminierend finden Alena und Laura, dass es nur eine Männerrunde bei den Workshops gibt, aber keine Frauenrunde. Als Firmlinge nehmen sie mit etwa 20 weiteren Jugendlichen an der Glaubenswerkstatt teil, die unter dem Thema „Glaube im Alltag“ generationsübergreifend in der St-Ursula-Schule stattfindet.

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Christliche Werte und kritische Töne: Eichsfelder Jugendliche thematisieren den „Glauben im Alltag“.

Quelle: Kunze

Weitere Themen der Workshops lauten beispielsweise: Kirche stirbt nicht aus, Meditativer Tanz, Musik, Worte als Wegweiser, aber auch SMS an Gott, was besonders die Jugendlichen für ihre Workshop-Wahl ins Auge gefasst haben. Aber warum sind sie hier? Reizt das Thema „Glaube im Alltag“?

„Eigentlich sind wir gekommen, weil uns das als Firmlinge nahegelegt wurde“, so die übereinstimmende Antwort der durchschnittlich 15-Jährigen. Also interessiert der Glaube nicht? „Doch, aber die meisten Jugendlichen sehen ihren Glauben eher als Privatsache. Mit anderen spricht man wenig darüber“, sagt Alena. Laura bestätigt: „Bei vielen Gleichaltrigen gilt Glauben sogar als uncool.“ Dabei sind sich alle Anwesenden einig: Die christlichen Werte sind eine Lebensgrundlage. „Aber danach zu leben, hat wenig mit Gott zu tun, sondern mit Erziehung“, findet Alfred.

Gedanken an Gott seien im Alltag der Jugendlichen selten, dennoch gibt es Ausnahmen. „Wenn wir mit dem Thema Tod konfrontiert werden, kommt auch die Frage, was danach ist. Dann überlege ich schon, was das mit Gott zu tun haben könnte. Glaube kann in solchen Situationen Hoffnung geben“, sagt Julius, und die anderen stimmen zu.

Manche aus der Gruppe engagieren sich in der Kirche, andere leben die Regeln oder Rituale und Festtage, aber können mit dem Glauben an Gott nichts anfangen. „Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Jedenfalls nicht das, was in der Bibel steht“, zweifelt Jan, und  Alfred bestätigt: „Die Menschen sind heute nicht mehr so schnell zu überzeugen wie früher. In der Forschung wird vieles widerlegt, was die Kirche jahrhundertelang gelehrt hat.“ Nicht nur die Mädchen bemängeln, dass die Kirche lange keinen Platz für den weiblichen Anteil der Bevölkerung ließ. „Zwar können sich Frauen heute mehr in der Kirche engagieren – immerhin können Mädchen beispielsweise Messdiener werden – aber Pfarrer werden können sie bis heute nicht“, kritisiert Alena.

Allerdings sind alle Anwesenden überzeugt davon, dass Jesus gelebt hat. Zweifel haben sie nur, ob die Geschichten über Jesus wahrheitsgetreu aufgeschrieben und übersetzt wurden. Einig sind sich die meisten auch darin, dass sie nicht ohne Glauben leben wollen. „An was sonst sollte man festhalten, wie sonst sollte man hoffen?“ fragt Julius.

„Kirche ist heute etwas völlig anderes als früher“, sagt Klaus Brune als einer der Organisatoren der Glaubenswerkstatt, welche ein Projekt der Seelsorgeeinheit ist. Unsere Gesellschaft sei multikulturell geworden, und da sei der katholische Glaube einer von vielen, so Brune. Kritischer Gemeinde-nachwuchs, leere Kirchen, Austritte – stirbt die Kirche? „Der Glaube wird in Zukunft in kleineren Gemeinschaften stattfinden. Gott begegnen viele nicht mehr in der Kirche, sondern in der Nächstenliebe“, meint Brune. Und er ist sich sicher, dass immer mehr Menschen dazukommen werden, die den Glauben brauchen.

Die Jugendlichen bestätigen, dass für sie der Glaube nicht unbedingt mit der Kirche verbunden ist. Und sie sind der Meinung, dass Glaube nicht einfach da sei, dass es aber einen Weg oder eine Entwicklung dorthin geben könnte – zumindest für diejenigen, die danach suchen.

Von Claudia Nachtwey

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