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Götz Hütt präsentiert Buch über NS-Zeit

Geschichtswerkstatt Duderstadt Götz Hütt präsentiert Buch über NS-Zeit

Mitglieder der Geschichts­werkstatt Duderstadt haben am Montagabend das Buch „Eine deutsche Kleinstadt nach dem Nationalsozialismus“ vorgestellt. Autor Götz Hütt betrachtet darin auf 280 Seiten die Geschichte und Nach­geschichte der NS-Zeit in Duderstadt und im Untereichsfeld.

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Vorstellung des Buches: Götz Hütt (vorn mit seinem jüngsten Enkel Simon). Hinten von links: Ute Delimat, Hans-Georg Schwedhelm, Brita Bunke-Wucherpfennig und Ursula Hütt.

Quelle: Rüdiger Franke

Duderstadt. „Die Arbeit an dem Buch hat sich über viele Jahre erstreckt“, erzählte Hütt. Die Recherchen hätten 1982 begonnen und bis zu den Demonstrationen des Friedensbündnisses angedauert. In dieser Zeit habe er in zahlreichen Archiven nach Nachweisen gesucht und diese auch gefunden. „Ich war in Posen, wo ich Akten gefunden habe“, so Hütt weiter. Aber er habe zum Beispiel auch das Kirchenarchiv in Hildesheim durchstöbert. Die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus sei ein wichtiges Anliegen für ihn gewesen. In Duderstadt habe dies sehr lange gedauert. „Ich habe erkannt, dass hier Geschichte verfälscht wurde, ganz bewusst“, sagte er. Von Anfang an habe es Lügen und bewusstes Verdrängen gegeben, „auch mit dem Hintergrund die eigene Geschichte und den eigenen Beitrag an der Schuld zu vertuschen“.

Vorstellung des Buches

Die Vorstellung des Buches übernahm Brita Bunke-Wucherpfennig, die neue Vorsitzende der Geschichtswerkstatt, gemeinsam mit Hans-Georg Schwedhelm, der den Abend moderierte, und Ute Delimat, die einige Passagen aus dem Werk vorlas. Damit die rund 50 Zuhörer die Passagen in den Gesamtkontext einordnen konnten, erläuterte Bunke-Wucherpfennig vorher das jeweilige Kapitel. Die Botschaft des Buches sei, fasste Schwedhelm den Inhalt zusammen, dass der Nationalsozialismus im Untereichsfeld genauso stattgefunden habe wie in Berlin.

Von links

Von links: Hans-Georg Schwedhelm, Ute Delimat und Brita Bunke-Wucherpfennig

Quelle: Rüdiger Franke

Nicht nur Opfer

Die Eichsfelder hätten sich als Opfer des Nationalsozialisten gesehen und dies immer mit ihrem Glauben begründet, erklärt Hütt in seinem Werk. Doch auch im Eichsfeld hätten 26 Prozent die NSDAP gewählt, in Duderstadt sogar 34 Prozent. Er nennt zahlreiche Beispiele, um die Verbindungen im Eichsfeld zum Nationalsozialismus zu verdeutlichen, berichtet vom Außenlager des KZ Buchenwald, Zwangsarbeiterinnen und macht auch vor der Kirche nicht halt. Für den Autor gab es bei der Buchvorstellung im Gebäude der Kreisvolkshochschule reichlich Beifall. „Duderstadt wäre ohne Götz Hütt viel ärmer gewesen“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Matthias Schenke (SPD). „Er hat viele Sachen angestoßen. Dass er damit polarisiert, ist klar.“ Hütts Tochter Anette erklärte abschließend: „Ein Ziel des Buches ist, die Erkenntnisse der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft zu nutzen.“

„Die Arbeit mit der Geschichte ist nie zu Ende“

„Die Arbeit mit der Geschichte ist nie zu Ende“, ergänzte Schwedhelm. Es habe in Duderstadt bereits viele Schritte in die richtige Richtung gegeben, wie zum Beispiel das Denkmal „Die Geknechtete“, den Besuch der jüdischen Arbeiterinnen 1989, Gedenktafeln und -steine, die Stolpersteine und den Friedensglobus. Es gebe aber noch viele Themen die aufgearbeitet werden müssten. So gelte es zu untersuchen, was mit behinderten Menschen während der NS-Zeit im Untereichsfeld passiert sei. Da sei das Obereichsfeld weiter. Dort seien sie nach Pfafferode bei Mühlhausen gebracht worden, wo sie vergast wurden. Ein weiteres Thema, das untersucht werden müsste, sei das große Kriegsgefangenenlager in der Ziegelei Bernhard. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn im Ursulinengarten die räumliche Dimension der ehemaligen Synagoge dargestellt würde. Und was sei mit den Grabsteinen vom jüdischen Friedhof geschehen? Und so brachte der Abend auch ein neues Mitglied für den Verein und das Angebot freiwilliger Mitarbeit.

Buchdaten

Das Buch „Eine deutsche Kleinstadt nach dem Nationalsozialismus – Zur Geschichte und Nachgeschichte der NS-Zeit in Duderstadt und im Untereichsfeld“ von Götz Hütt (ISBN-13: 978-3-7448-2130-8) umfassst 280 Seiten und wurde in einer Schriftenreihe der Geschichtswerkstatt Duderstadt erstellt. Es ist in den örtlichen Buchhandlungen und im Internet bei Books on Demand erhältlich.

Von Rüdiger Franke

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